Renke Nordmann ist Dienststellenleiter in Martinsfehn. Er ist hier aufgewachsen, kennt die Familien und wird von den meisten Jugendlichen respektiert. Erst vor wenigen Wochen wurde sein Team mit Lorenz Bäumer und Oliver Dellbrink um die junge und attraktive Viktoria Engels ergänzt. Obwohl Oliver verheiratet ist, nutzt er jede freie Minute, um sich mit Viktoria, mit der er ein Verhältnis hat, heimlich zu treffen. Wie es der Zufall will, müssen sie zum Claasen Hof, um dort nach dem Rechten zu sehen. In Panik erschießt Viktoria den erst 16-jährigen Rouven und überredet Oliver zu der Aussage, sie hätte aus Notwehr gehandelt. Bevor sie ihre Kollegen informieren, verändert Viktoria den Tatort, übergießt den Toten mit einer vorgefundenen Flasche Sekt und lässt es für ihre Kollegen von der Spurensicherung so aussehen, als hätte Rouven zuerst geschossen.

Hauptkommissar Volkmar Lehnert von der Kripo Delmenhorst führt die Ermittlungen gegen seine Kollegen Oliver Dellbrink und Viktoria Engels. Er zweifelt nicht an der Aussage der beiden und hat Verständnis für die junge Beamtin, die den tödlichen Schuss abfeuerte. Die einzige offene Frage bleibt die nach einer weiteren Person, die den Hof entweder vor, oder erst nach dem Mord verlassen haben muss. Denn laut toxikologischem Bericht hat Rouven kurz vor seinem Tod Apfelkorn getrunken. Am Tatort findet sich dagegen aber nur eine leere Sektflasche, die ihnen Rätsel aufgibt. Eine weitere Person muss die Apfelkornflasche mitgenommen haben. Renke Nordmann zerbricht sich den Kopf, wer sich außer Rouven auf dem Hof aufgehalten haben könnte und denkt dabei an seine Tochter Aleena.

In dem Dorf häufen sich Schmierereien, die sich gegen die Polizei wenden. Es kommt zu einer Brandstiftung und damit nicht genug, ist ein weiteres Todesopfer zu beklagen. Da dieser Mord Parallelen zum Tod von Rouven aufzeigt, die nicht an die Presse gegeben wurden, muss vermutlich die unbekannte Person den Mord begangen haben, die auch auf dem Claasen Hof war. Mit der Ermittlung dieses Falles ist die kämpferische Nola van Heerden beauftragt und ihr fallen Ungereimtheiten bei der Rekonstruktion auf. Schließlich macht ein weiterer Leichenfund eine effektive Zusammenarbeit zwischen ihr und Renke Nordmann unmöglich.

Barbara Wendelken hat in dem Kriminalroman Das Dorf der Lügen einen interessanten Gedankengang verarbeitet, denn den Ermittlern ist die Täterin bekannt. Die junge und unerfahrene Beamtin erschießt in vermeintlicher Notwehr einen jungen Menschen, was tragisch ist, letztlich aber nicht mehr zu ändern und der Fall kann abgeschlossen werden. Doch die Autorin zeigt in dem Roman auf, wie die gegenüber der Polizei misstrauisch gewordenen Dorfbewohner keine Aussage machen oder aus Angst, selbst das nächste Opfer zu sein, schweigen und wie sie sich dadurch sogar selbst verdächtig machen. Von einem schlechtem Gewissen geplagt sind Renke Nordmann, der sich zu wenig um seine Tochter Aleena gekümmert hat und Oliver Dellbrink, der seine Frau mit seiner Kollegin Viktoria betrügt.

Der Leser ist zunächst gespannt, wann der Betrug von der vorgetäuschten Notwehr aufgedeckt wird. Aber gerade dadurch haben die beiden Beamten eine Kettenreaktion mit unabsehbaren Folgen ausgelöst. Die Ermittler führt das auf falsche Spuren und immer neue Verdächtigungen und den Leser lässt die Autorin mit einer durchaus glaubhaften Story bis zum Ende ihres Krimis im Unklaren. Der Roman Das Dorf der Lügen fesselt mit einem ungewöhnlichen Plot und Gänsehaut ist nicht nur wegen der frostigen Temperaturen garantiert, denen die Romanfiguren ausgesetzt sind. Barbara Wendelken macht auf eindrucksvolle Weise deutlich, wie schnell Misstrauen, Angst und Hass eine Dorfidylle zerstören können.

Barbara Wendelken, Das Dorf der Lügen, Piper Verlag 2014, Taschenbuch, 432 Seiten, ISBN 978-3-492-30473-3, Preis: 9,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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