Nach dem großen Erfolg ihres Kriminalromans Der 7. Tag, den die Autorin Nika Lubitsch als E-Book selbst veröffentlicht hat, eroberte auch ihr zweiter Kriminalroman Das 5. Gebot innerhalb kürzester Zeit den ersten Platz der Krimi-Bestsellerliste und inzwischen ist er auch als Taschenbuch erhältlich.

Victoria McIntosh lebt zusammen mit ihrem Mann George, der die Leitung einer Niederlassung in Deutschland übernommen hat, seit über fünf Monaten in Berlin. Sie hat ihren Job als Rechtsanwältin bei einer Gesellschaft für Opferschutz in London aufgegeben, um endlich ein Kind zu bekommen, denn sie ist inzwischen siebenunddreißig Jahre und glaubt, sie würde für ein Baby bald zu alt sein. Georg will eine „richtige Familie“ und Vicky hat sich widerstrebend auch dafür entschieden, doch bisher waren ihre Bemühungen erfolglos. In der letzten Zeit hat sie immer wieder den selben Traum, den sie schon als Kind geträumt hat. Darin läuft ein Mädchen auf sie zu und ruft: „Ela! Ela!“. Im Grunde ist es kein Albtraum, doch wird sie danach weinend wach. Früher ist sie dann immer zu ihrer Mutter ins Bett gekrochen, die sie in den Arm genommen und in den Schlaf gewiegt hat.

Beim Joggen an einem See im Grunewald wird sie durch die Schreie einer Frau auf eine Leiche hinter einem Gebüsch im Fenn aufmerksam, die genauso aussieht wie sie selbst und die ihre Zwillingsschwester sein könnte. Vicky gerät in Panik, flüchtet in ihre Wohnung und bittet ihren Mann sofort nach Hause zu kommen. Georg glaubt, dass sie sich getäuscht hat und die Tote ihr nur ähnlich sieht. Kurze Zeit darauf wird sie von der englischen Polizei verständigt, dass ihre Mutter von einem Einbrecher niedergeschlagen und ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Doch als sie am nächsten Tag in England ankommt, ist ihre Mutter bereits verstorben. Als auch Vicky einen Unfall mit dem Wagen ihrer Mutter, an dem die Bremsen manipuliert wurden, und einen weiteren Mordanschlag in der Klinik nur mit viel Glück überlebt, beginnt für sie die Suche nach ihrer wahren Herkunft.

Im Vergleich mit ihrem Erstlingswerk Der 7. Tag ist der zweite Kriminalroman Das 5. Gebot das bessere Buch, behauptet die Autorin Nika Lubitsch, doch diese Ansicht wird nicht unbedingt jeder Leser teilen. Der rasante Plot führt den Leser von Berlin über England und Frankreich nach Guyana und Venezuela, wobei die Autorin Themen wie einen Terroranschlag der Rote Armee Fraktion und das Massaker von Jonestown im Jahr 1978 aufgreift. Im Mittelpunkt des spannenden und unterhaltsamen Kriminalromans steht die sympathische Protagonistin Vicky, deren Erlebnisse im Wechsel mit verschiedenen Handlungssträngen erzählt werden, wodurch die Spannung weiter gesteigert wird. Doch manchmal kann weniger auch mehr sein, denn mit einigen eingefügten, kurzen Kapiteln, in denen Frauen den Tod finden, versucht Nika Lubitsch der Handlung einen rätselhaften Touch zu verleihen, was aber nur zu Irritationen beim Leser führt. Das 5. Gebot ist ein temporeicher und fesselnd erzählter Kriminalroman, der beste Unterhaltung bietet, doch insgesamt ist die Geschichte etwas überladen.

Nika Lubitsch, Das 5. Gebot, mvg Verlag 2013, Taschenbuch, 282 Seiten, ISBN 978-3-86882-465-0, Preis: 9,99 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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