Blutrote Leidenschaft von Stefan Roduner

Blutrote LeidenschaftSeit einem Jahr lebt Arno Früh mit Irina Kiteishvili zusammen und freut sich nach einem Eishockeyspiel auf einen Abend mit ihr. Auf der Heimfahrt sieht er am Straßenrand ein Auto und einen Mann mit einer schwenkenden Taschenlampe. Arno hält an und entdeckt erst jetzt neben einem verunglückten Motorrad eine offensichtlich verletzte Person. Plötzlich wird er überwältigt und mit einer Pistole bedroht. Es nähert sich ein weiteres Fahrzeug, das sich als jenes seines Nachbarn Pavel Jaskin herausstellt. Nur darf ihm Arno mit der Pistole am Kopf kein Zeichen geben und gibt vor, dass alles in Ordnung sei. Sein Pech, dass er ausgerechnet heute viel Bargeld für ein neues Auto in seiner Sporttasche hat. An ein Schild gefesselt und um seine Ersparnisse erleichtert lassen ihn die Täter zurück. Als er endlich von der Kantonspolizei befreit wird, teilt man ihm mit, dass seine Freundin an dem Abend einen Einbruch gemeldet hat.

Milan Sommer arbeitet halbtags in einer Werbeagentur und hat sich als Privatdetektiv niedergelassen. An einem Bratwurststand kommt er mit Arno ins Gespräch, der ihm von dem Überfall erzählt und froh ist, dass Milan den Fall übernehmen will, denn er selbst hat schon seine Freundin Irina in Verdacht, die sich an dem Abend mit einer ihm unbekannten Freundin getroffen haben will und dazu dieselbe Nagellackfarbe trägt, die er auch an der angeblich verunglückten Motorradfahrerin gesehen hat. Zudem liegt neuerdings in der Wohnung ein Motorradkatalog, obwohl Irina nie Verständnis für seinen Wunsch nach einer Harley hatte. Überhaupt stimmt mit ihr etwas nicht, wenn sie neuerdings Joggen geht und dabei nicht ins Schwitzen gerät.

Merkwürdig verhält sich auch Pavel, der behauptet, nicht an der Unglücksstelle vorbeigekommen zu sein. Arno, der herausfinden will, ob er zufällig überfallen wurde, als er soviel Geld bei sich hatte, stattet der Bankangestellten Nina Andermatt in Zürich einen Besuch ab. Unterdessen ist Milan mit seiner Band aufgetreten, in der auch der Polizist Ruben ist. Nach einem Auftritt, bei dem Milan nur Augen für eine Besucherin hat, bittet er Ruben um Hilfe bei der Aufklärung. Er überwacht Nina und sucht Irina in Verkleidung an ihrer Arbeitsstelle auf, wo sie allerdings nicht anzutreffen ist. Doch dann wird eine verdächtige Person tot aufgefunden, und die Überfälle im Zürcher Unterland häufen sich, wobei die Täter einen Mann kaltblütig erschießen.

Der Kriminalroman „Blutrote Leidenschaft“ von Stefan Roduner wirkt sehr konstruiert, und dem Leser fallen Dinge auf, die kaum im realen Leben anzutreffen sind. So ist es mehr als merkwürdig, dass Arno seine Freundin Irina nicht fragt, wo und mit wem sie die Abende verbringt. Wer ein Jahr mit jemandem zusammenlebt, möchte die Freunde kennenlernen und würde kaum akzeptieren, dass diese niemals vorgestellt werden. Während Arno seinen eigenen Geburtstag vergisst und sich darüber wundert, dass man ihm gratuliert, verrät Milan seinem Freund Ruben, die Frau zu lieben, die er ein einziges Mal! während seines Auftritts mit der Band gesehen hat. Aus dem Leben scheint das nicht gegriffen zu sein.

Stefan Roduner hat es immerhin geschafft, eine Reihe von Verdachtsmomenten zu streuen, die den Leser neugierig auf den weiteren Handlungsverlauf machen. So hat er die Bankangestellte Nina in Verdacht, als Milan auf dem Weg zu ihr einem Mann mit Bart begegnet, der einem der beiden Täter ähnelt. Dann fällt der Verdacht auf Irina, die plötzlich humpelt, denn bei einem der Überfälle hat sich der Täter eine Knieverletzung zugezogen. Aber auch Milans Traumfrau von dem Bandauftritt sowie der ehemalige Freund Ben Bissig von Nina, der eine kriminelle Vergangenheit hat, gehören in den Kreis der Verdächtigen.

Warum haben Arno und Milan die Täter immer nur in den eigenen Reihen gesucht? Nur, weil sie sich zugegebenermaßen verdächtig gemacht haben? Wieso wurde nie ein Alibi überprüft, indem man die Personen ausfindig gemacht hätte, mit denen man sich getroffen haben will? Und warum hat Stefan Roduner, der selbst im Zürcher Unterland wohnt, den unbedeutenden Besuch der Mutter von Ben Bissig im Gefängnis thematisiert, als sich endlich eine Aufklärung abzeichnete? Auch wenn der Plot in flüssigem Schreibstil gehalten ist, kann der mit Lokalkolorit versehene Kriminalroman „Blutrote Leidenschaft“ leider nicht überzeugen.

Blutrote Leidenschaft von Stefan Roduner

Blutrote Leidenschaft
Neptun Verlag 2024
Klappenbroschur
323 Seiten
ISBN 978-3-85820-347-2

Bildquelle: Neptun Verlag
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