In zehn Kurzgeschichten stellt Bruno Jonas in seinem Buch Personen vor, denen sprichwörtlich das Wasser Bis zum Hals steht. In Rückblicken erzählen die Ich-Erzähler von ihren Sorgen und Problemen und lassen ihrem Unmut freien Lauf. So erleidet in einer Geschichte beispielsweise der junge Journalist Timo während eines Golfturniers einen Herzinfarkt und landet ausgerechnet auf der Intensivstation eines Professors, den er einst des Plagiats bezichtigt hat.
Der Landtagsabgeordnete Wolfgang Höfling ist wie das Fähnlein auf dem Turme ein angepasster Mensch und stimmt sogar gegen seine eigene Überzeugung. Bei der Landtagswahl muss er eine herbe Niederlage einstecken und macht gute Miene zum bösen Spiel.

Vor zwei Jahren hat Dimitri Papadakis seine Taverne in München aufgegeben, um auf einer griechischen Insel ein Hotel zu führen. Mit seiner genialen Idee der Handwerksferien, wobei er Arbeitern aus Deutschland Urlaub gegen Arbeit versprochen hat, kann er dem Land zum Aufschwung verhelfen, wofür er zum Staatspräsidenten auf Lebenszeit gewählt wird.
Herr Silbenstein ist auf der Demenzstation einer Seniorenresidenz untergebracht. Seinem Pfleger Andreas erzählt er, dass er einen Auftragsmord an Franz Josef Strauß ausführen sollte. Das Blutgeld hätte er in einem Schließfach untergebracht, nur weiß er nicht mehr wo.
Witwe Wimmer wartet auf Josef, einen ihrer Söhne. Sie hängt alten Erinnerungen an ihren Vater nach, der von der Gestapo verhaftet wurde. Ihr Bruder fiel im Krieg. Später hat sie mit ihrem Mann eine Fleischerei betrieben und drei Kinder großgezogen. Wollte Josef nicht heute kommen?

Herr Wimmer ist sich an seinem 85. Geburtstag noch unschlüssig, ob er gerade heute aus dem Leben scheiden soll. Er denkt zurück an seine Zeit als junger Soldat und späterer Familienvater. Bei seinem ältesten Sohn Friedrich muss er wohl etwas falsch gemacht.
Der ehemalige Studiendirektor Josef Kirsch erinnert sich seiner Bemühungen zum Erreichen eines Vorruhestandes, nachdem er eine Einladung zum Klassentreffen einer seiner ehemaligen Schülerinnen bekommen hat.
Eugen Heiligmann zeigt sich darüber entsetzt, dass sich seine Frau ausgerechnet mit dem Mann unterhält, der ihm zu einer Zeit das Leben schwer gemacht hat, als Eugen noch Steuerprüfer war. Jetzt werden in ihm alte Erinnerungen wach.
Ein städtischer Busfahrer hat seit langem einen Lottogewinn herbeigesehnt. Nun, da er endlich sechs Richtige hat, sieht er eine Reihe von Problemen auf sich zukommen.
Ein in Untersuchungshaft Einsitzende erzählt einem Pfarrer von seinen veruntreuten dreißig Millionen als Vorstandsvorsitzender einer Bank und stellt fest, dass seine Reue zu spät kommt.

Wie von dem Kabarettisten Bruno Jonas nicht anders erwartet werden darf, übt er in den Kurzgeschichten Kritik an bestehenden Gesetzen, politischen Entscheidungen und unserer Gesellschaft, wobei er auch die Themen Kindesmissbrauch und Auslagerung von Arbeitsplätzen ins europäische Ausland aufgreift. Seine Ich-Erzähler hängen überwiegend alten Erinnerungen nach, weshalb kaum direkte Gespräche stattfinden: Der eine lamentiert über unsere Steuergesetze, ein anderer nimmt die Schulpolitik oder den Journalismus unter die Lupe. Und fast alle sind in dem imaginären Ort Humboldskirchen zu Hause.

Bruno Jonas lässt in den teils makabren, kuriosen und satirischen Geschichten tief in die Seele seiner Protagonisten blicken. Der Ausgang der Geschichten ist zum Teil vorhersehbar, oder der Autor wartet mit einer Überraschung auf. Anders als in einer Anthologie, in der sich immer auch einige „schwächere“ Geschichten finden, beinhaltet ausnahmslos jede in dem Buch Bis zum Hals wichtige und interessante Gedanken, für die man Bruno Jonas höchsten Respekt zollen darf.

Bruno Jonas, Bis zum Hals, Heyne Verlag 2015, Klappenbroschur, 240 Seiten, ISBN 978-3-453-41828-8, Preis: 9,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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