Alicia jagt eine Mandarinente von Angelika Jodl

Alicia jagt eine MandarinenteWie ihr Ehemann Theo arbeitet Alicia an einer Schule. Didi ist ihre beste Freundin, und dessen Ehemann Gregor ist der beste Freund von Theo. Als Gregor für ein Reisejournal für zehn Tage nach China reisen soll, darf er drei Begleiter mitnehmen. Doch bevor die vier die Reise antreten können, verunglückt Gregor tödlich mit seinem Motorrad. Zufällig finden Theo und Didi beim Entrümpeln seiner Kleidungsstücke einen Zettel mit dem Versprechen an seine „Süße“, ihr eine bereits in China bestellte Ente zu schenken. Tatsächlich weiß Didi, dass es sich dabei um die Skulptur einer Mandarinente handeln soll. Allein schon aus diesem Grund ist Alicia fest entschlossen, die Reise in den Pfingstferien anzutreten. Sie bucht für drei Personen ein extra für sie zugeschnittenes Programm, das sie bis auf die Große Mauer führen soll.

Bei der Ankunft am Flughafen werden sie nicht von dem gebuchten Dolmetscher empfangen, sondern von Ping Ye, einer jungen Frau. Nach einer Führung durch Beijing empfiehlt sie ihnen eine Behandlung bei einem taoistischen Meister. Obwohl Alicia die Adresse entfallen war, wo die Mandarinente zu finden ist, fällt ihr diese nach der kurzen Behandlung wieder ein und sie beauftragt Ping Ye, die Skulptur zu beschaffen, während sich die drei mit dem Guide Elias Daskalov auf die Fahrt zum Guesthouse begeben. Da dieser aber keine Lizenz für die Wanderung zur „Himmelsleiter“ hat, die lediglich aus einem schmalen und ungesicherten Grat bestehen soll, schließt sich ihnen Herr Lai als Local Guide an, was Alicia jedoch missfällt. Sie entlässt ihn kurzerhand, ohne zu wissen, dass er den Hauptanteil ihres Trinkwassers mit sich führt.

Außer der anstrengenden Tour werden die Spannungen durch ein aufkommendes Zerwürfnis der beiden Frauen verstärkt: Alicia, die ohnehin seit längerem mit ihrem Mann keinen Sex mehr hatte, wird Zeugin, wie er ihre Freundin Didi küsst. Noch zu Georgs Lebzeiten hat Alicia in einer U-Bahn beobachtet, dass Georg eine junge Frau an sich gedrückt hat und ihr einen Kuss gab. Seit jenem Tag ist Alicia hin und her gerissen, ob sie Didi davon erzählen soll. Das ändert sich jedoch mit dem Tag, als sie sieht, wie ihre Freundin sich an ihren Ehemann heranmacht und in ihr keimt Hass auf.

Die Geschehnisse in dem Roman Alicia jagt eine Mandarinente von Angelika Jodl werden jeweils in eigenen Kapiteln aus Sicht der Handlungspersonen geschildert. Für witzige Einlagen hat die Autorin gesorgt, indem Alicia häufig Fremdwörter in einem falschen Zusammenhang gebraucht. Das treibt sie bei den sprachlichen Missverständnissen mit der Dolmetscherin Ping Ye noch auf die Spitze. Angelika Jodl hat China zu Recherchezwecken bereist und kann daher dem Leser die Bräuche und Charaktere der Chinesen aus erster Hand vermitteln. Nicht jedem dürfte bekannt sein, dass nur lizenzierte Guides Touristen auf die Chinesische Mauer führen dürfen und ihnen die Lizenz entzogen werden kann, wenn die Touristen ihnen schlechte Noten attestieren. Interessant ist auch, dass sich kein Polizist trauen würde, einen Ausländer zu verhaften, er ihn aber unbekümmert auf abgelegener Straße aussetzt. Aber viel schlimmer ist es, wenn sich niemand um auf der Straße liegende Unfallopfer kümmert, weil für die Helfer ein Zusammentreffen mit der Polizei unangenehm werden könnte.

Dass es in China nicht üblich ist, sich die Nase zu putzen, mag noch verschmerzt werden können. Aber wenn die Toilettenkabinen nicht abschließbar sind und lediglich durch „hüfthohe Mäuerchen“ voneinander getrennt sind, ist das schon weniger prickelnd. Gleiches gilt für den „grauenhaften Gestank“ auf den stillen Örtchen, zu dem sich neben weiterem Unrat auch schon einmal eine „blutige Binde“ auf dem Boden gesellen kann. Spätestens dann, wenn selbst in einem Aufzug eines Hospitals der „Uringestank“ dominiert, sollte vor einer geplanten Reise die Lektüre des Romans Alicia jagt eine Mandarinente auf der Agenda stehen. Denn er verspricht nicht nur Insiderwissen und hält im Anhang noch einige interessante Erläuterungen der Autorin bereit, sondern wird auch im weiteren Verlauf der Handlung immer spannender.

Angelika Jodl, Alicia jagt eine Mandarinente , dtv 2018, Klappenbroschur, 319 Seiten, ISBN 978-3-423-26193-7, Preis: 15,90 Euro.

Bildquelle: dtv

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