
Ein tödlicher Fund auf dem Adventsmarkt
Chefinspektor Oskar Stern vom LKA Linz will gerade mit seiner neuen Liebe Silvia Burgstaller bei einem gemütlichen Abendessen die bevorstehenden Weihnachtsfeiertage planen, als ihn sein Dienststellenleiter Bormann an seinem freien Tag mit einer schockierenden Nachricht konfrontiert: Auf dem handwerklichen Adventsmarkt von Schloss Weinberg gibt es einen Toten. Gemeinsam mit seiner Kollegin Mara Grünbrecht erreicht Stern wenig später den Tatort. Dort erfährt er, dass der Hausmeister den Toten bereits identifiziert hat: Es handelt sich um Jakob Grünwald, den Firmenchef von Grünwaldöfen. Dem Opfer wurde grausam ein hölzernen Tannenbaum in den Hals gestoßen.
Familiengeheimnisse und alte Konflikte
Als Erstes besuchen Stern und Grünbrecht die Witwe Maike Grünwald, die sie im Morgenmantel empfängt. Sie berichtet, dass ihre Schwiegertochter Anna sie hasse, während sie sich mit deren Bruder Matteo inzwischen versöhnt habe. Da Maike 28 Jahre jünger als ihr ermordeter Ehemann war, unterstellen dessen Kinder ihr, nur aus finanziellen Gründen geheiratet zu haben – ein Vorwurf, den sie entschieden zurückweist.
Während die Kollegen Martin Heinze und Hermann Kolanski die Aussteller des Adventsmarktes befragen, machen sich Stern und Grünbrecht auf den Weg zu Anna. Diese erzählt von Alfons Steffenberger, einem Konkurrenten ihres Vaters, der die Firma zwecks Expansion kaufen wollte. Sowohl Anna als auch Matteo sehen sich selbst als legitime Nachfolger – doch erst die Testamentseröffnung wird klären, wen der Vater tatsächlich vorgesehen hat.
Ermittlungen ohne Motiv
Auch die Befragung von Helene Grünwald, der geschiedenen ersten Frau des Opfers, bringt die Ermittler nicht weiter. Ein klares Motiv fehlt weiterhin. Die zentrale Frage bleibt: Wer profitiert vom Tod Jakob Grünwalds? Doch die Ermittlungen nehmen eine neue Wendung, als Stern – erneut während eines köstlichen Mahls bei Silvia – die Nachricht erhält, dass ein weiteres Familienmitglied brutal zusammengeschlagen wurde und nun im Krankenhaus liegt.
Gesellschaftliche Bezüge und brisante Themen
Eva Reichl beginnt ihren Kriminalroman Mühlviertler Todesstoß*, Sterns bereits achten Fall, mit einem Kapitel, in dem der Mörder aufbricht – ohne dass der Leser dessen Geschlecht erkennen kann. Mal ist von einer Gestalt, mal von einem Jäger die Rede.
Die Autorin verknüpft den Plot geschickt mit aktuellen Themen: der Energiekrise infolge des Ukrainekrieges, der Diskussion um Wärmepumpen und erneuerbare Energien, Begräbnispraktiken in Österreich, der Auszeichnung des Landes als „unfreundlichstes Land der Welt“ im Jahr 2023 sowie dem automatischen Notrufsystem eCall, das seit 2018 in Neuwagen Pflicht ist. Darüber hinaus greift Reichl das Thema Gewalt gegen Frauen auf und zeigt, wie misshandelte Frauen Liebe mit Machtmissbrauch verwechseln können. Für die informativen Passagen zum Darknet hat sie sich fachlich beraten lassen.
Lokalkolorit und menschliche Nähe
Mit einer gesunden Portion Lokalkolorit – die Autorin hat die beschriebenen Orte selbst besucht – und authentischer Mundart in den Dialogen erhält der Krimi einen realistischen Touch. Oskar Stern, der in der Vergangenheit zu wenig Zeit für seine Tochter hatte, will dies nun bei seinem Enkel wiedergutmachen. Seinen Kollegen begegnet er auf Augenhöhe, ohne den Chef „herauszuhängen“. Respekt und Zusammenhalt prägen das Team – einzig der rasante Fahrstil von Mara Grünbrecht lässt Stern regelmäßig erblassen.
Spannung bis zur letzten Seite
Von Beginn an fesselt Eva Reichl ihre Leser. Die Spannung steigt, als Martin Heinze undercover als Sicherheitschef ermitteln soll, denn für ihn kommt die Rettung quasi in letzter Sekunde. Raffiniert lässt die Autorin nicht nur die Ermittler im Dunkeln tappen, sondern überrascht auch die Leser mit der unerwarteten Identität des Mörders.
Doch eine Frage bleibt offen, da Eva Reichl ihren Lesern die Antwort schuldig bleibt:: Was liegt für Oskar Sterns neue Liebe Silvia am Heiligen Abend unter dem Weihnachtsbaum?
Mühlviertler Todesstoß von Eva Reichl

Gmeiner Verlag 2025
Taschenbuch
336 Seiten
ISBN 978-3-8392-0895-3

