Elisabeth Herrmanns „Schattengrund“ – Ein Thriller über Wahrheit, Trauma und Mut

Buchcover des Thrillers Schattengrund

Zwischen Fiktion und Realität: Der Ort Siebenlehen

In ihrem spannungsgeladenen Jugendthriller Schattengrund* erschafft Elisabeth Herrmann einen fiktiven Schauplatz: das Dorf Siebenlehen, eingebettet in die reale Landschaft des Harzes mit dem Brocken als höchstem Berg. Während Orte wie der Brocken tatsächlich existieren, entspringt Siebenlehen der literarischen Fantasie der Autorin. Realität und Fiktion vermischen sich auch bei der Heiligen Barbara – sie ist als Schutzpatronin der Bergleute historisch belegt und wird häufig mit Turm, Schwert und Bergbauwerkzeugen dargestellt.

Ein geheimnisvolles Erbe und drei rätselhafte Aufgaben

Die Geschichte nimmt ihren Lauf, als Kiana ihrer 17-jährigen Großnichte Nico das Haus Schattengrund vererbt. Doch das Erbe ist an drei seltsame Aufgaben geknüpft:

  • Mit einem Besen kehren
  • Schwert und Turm finden
  • Einen Stein zurückbringen

Für Nico sind die Aufgaben rätselhaft. Als ihre Eltern beim Notartermin die Erbschaft kurzerhand ausschlagen, bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich zunächst zu fügen – bis ihre Freundin Valerie sie auf die Idee bringt, zumindest einen Blick auf Schattengrund zu werfen.

Ein Dorf in eisiger Kälte – und frostige Blicke

Auf ihrer Reise verirrt sich Nico im Schneesturm am Brocken. Zufällig trifft sie auf den Studenten Leon, der sie nach Siebenlehen mitnimmt. Dort besucht er seine Verwandten, die den Gasthof „Zum Schwarzen Hirsch“ betreiben. Das Dorf ist Nico nicht fremd – vor zwölf Jahren verbrachte sie dort ihre Ferien mit der gleichaltrigen Fili, deren Leben auf tragische Weise endete.

Im Dorf begegnet ihr Verachtung und Ablehnung. Nico erkennt bald: Hier verbirgt sich ein düsteres Geheimnis – und sie ist fest entschlossen, es aufzudecken. Schon bald wird ihr klar: Jemand will sie umbringen.

Rätsel, Misstrauen und verdrängte Schuld

Zwischen Misstrauen gegenüber Leon und Angst vor Zach und Trixi (Filias Eltern) wachsen Nicos Zweifel. Auch Schornsteinfeger Kress, Pfarrer Gero und der geheimnisvolle Dorfnarr Maik geraten ins Visier – besonders, als Letzterer von „toten Vöglein“ spricht, die alle zwölf Jahre vom Himmel fallen…

Thematische Tiefe: Missbrauch, Schweigen und Zivilcourage

Im Kern behandelt Schattengrund* ein hochsensibles Thema: Kindesmissbrauch. Elisabeth Herrmann macht deutlich, dass verdrängtes Unrecht langfristig noch mehr Leid verursacht – vor allem, wenn Mitwissende schweigen.

Die Protagonistin Nico überzeugt mit Mut und Unerschrockenheit – auch wenn ihre Stärke in der Realität wohl nur wenige Gleichaltrige mitbringen würden. Dennoch: Ihre Figur inspiriert und trägt die Handlung mit großer emotionaler Tiefe.

Erzählweise und Wirkung

Der Roman ist chronologisch aufgebaut, in Erzählform geschrieben und hält eine anhaltend hohe Spannungskurve – trotz seiner beachtlichen Seitenzahl. Leser*innen frösteln nicht nur wegen der erzählten Kälte, sondern auch aufgrund der bedrohlichen Stimmung und Nicos ungewisser Lage. Ein atmosphärisch dichter Thriller für Jugendliche ab 14 – aber auch für Erwachsene spannend und bewegend.

Schattengrund von Elisabeth Herrmann

Buchcover des Thrillers Schattengrund
cbt Verlag 2012
Klappenbroschur
416 Seiten
ISBN 978-3-570-16126-5

Bildquelle: cbt Verlag

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