Nelly ist Journalistin, vierundfünfzig Jahre alt, und trauert um Lázló, mit dem sie sechzehn Jahre lang verheiratet war. Ihre Freundin Julia ist zehn Jahre jünger, die Frau eines Anwalts und Mutter von Zwillingen. Den Jahreswechsel verbringen die beiden bei einer Frauensilvesterparty und entschließen sich am Neujahrsmorgen dazu, jeweils zwölf ausgefallene Aufgaben im neuen Jahr zu erfüllen.

Für Julia bedeutet das zunächst, Haschkekse zu backen, doch woher bekommt sie die Zutaten? Als sie zum ersten Mal in ihrem Leben in einem Sexshop einkauft, kommt sie in Erklärungsnot, als ihr Mann die Tüte entdeckt. Nelly hätte nie gedacht, dass das Verfassen einer Patientenverfügung so schwierig sein kann. Als sie ihrer nächsten Aufgabe nachkommt und sich mit einem ehemaligen Lover trifft, endet es ganz anders als erwartet.

Nach den ersten Seiten scheint der Roman Zum Glück ein Jahr von Sophia Bergmann amüsant und turbulent zu werden. Doch obwohl weder der Schreibstil, noch die einzelnen Themen für sich etwas zu wünschen übrig lassen, verliert der Leser schon relativ früh das Interesse am Fortgang der Geschichte, weil seine Neugier nicht geweckt wird. Die beiden Frauen arbeiten ihre Aufgaben nacheinander ab, gehen zur Typberaterin, einer Wahrsagerin und einem Kurs über Ausdrucksmalerei, der dann aber auf elf Seiten langatmig wiedergegeben wird. Sie treffen sich jeweils mit verflossenen Liebhabern, die sie über zwanzig Jahre nicht mehr gesehen haben und tauschen sich entweder persönlich bei einem Treffen, oder aber per Mail aus.

Die von der Autorin geschaffenen Charaktere passen einfach nicht zu reifen Frauen im Alter von Julia und Nelly. Ihre spontanen Entschlüsse und sprunghaften Meinungsänderungen würden eher Pubertierenden zu Gesicht stehen. Julia kann man auch schlecht die Opferrolle abnehmen, wenn sie sich bei ihrer Freundin darüber beklagt, dass es zu ihrer Jugendzeit noch keine „Pille danach“ gab, denn Verhütungsmittel hätten ihr sehr wohl zur Verfügung gestanden. Dass sie den Anlass für einen Krankenhausaufenthalt gerne in die Tiefen ihres Bewusstseins verdrängt, ist nachvollziehbar. Doch dass sie sich gar nicht mehr daran erinnern kann, im Krankenhaus gewesen zu sein und dort von Nelly besucht wurde, erscheint unglaubwürdig. Mit über vierzig Jahren schluckt sie bei jeder Gelegenheit homöopathische Notfalltropfen, selbst dann, wenn sie nur fröstelt, quasi zur Vorbeugung.

Dem Roman Zum Glück ein Jahr kann aber zugute gehalten werden, dass es einigen Passagen nicht an schwarzem Humor mangelt, auch wenn diese nicht besonders witzig oder unterhaltsam sind. Kapitel für Kapitel ziehen sich dahin, ohne dass etwas Spektakuläres passiert. Die Spannungskurve bleibt auf demselben Level – unten. Die Freundinnen erfahren voneinander Dinge, die sie nie für möglich gehalten hätten und die sie deshalb völlig überraschen, was jedoch nicht unbedingt auch auf den Leser zutrifft. Beiden werden in Punkto Ehe die Augen geöffnet, wobei Nelly als Witwe die vergangene Zeit mit ihrem Mann nicht mehr nur verklärt sieht, während Julia vor einer schweren Entscheidung steht. Doch ist an dem Roman leider nichts zu finden, was ihn wirklich lesenswert macht.

Sophia Bergmann, Zum Glück ein Jahr, Diana Verlag 2016, Taschenbuch, 336 Seiten, ISBN 978-3-453-35891-1, Preis: 9,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

2 Kommentare

  1. Obwohl die Idee ja nicht neu ist, fand ich den Roman sehr unterhaltsam.

  2. Danke für deine Einschätzung. Wenn ich aber den Roman mit den unzähligen anderen vergleiche, die ich in den letzten Jahren gelesen und besprochen habe, kann ich nur feststellen, dass es wesentlich bessere gibt. Wie heißt es so schön? Alles ist relativ…

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