Nach dem Tod ihres Mannes vor vier Jahren lebt die Anwältin Nikola Petersen alleine mit ihren beiden Kindern Tessa und Max in Hamburg. Auf ihre Schwiegermutter Gisela, die sich spontan zu einer Kreuzfahrt entschlossen hat, kann sie ausgerechnet während der zähen Scheidungsverhandlung ihrer Freundin Florentine nicht zählen. Die wurde nämlich von ihrem Mann Ulf mit drei kleinen Kindern im Stich gelassen, und obwohl die Eheleute erst vier Monate getrennt leben, behauptet er vor Gericht, dass das Trennungsjahr bereits verstrichen ist. Sein Anwalt Dr. Schleitheimer ruft dazu eine Zeugin auf, die das bestätigt, was wiederum für Florentine den Wegfall des Trennungsunterhaltes bedeuten und sie vor große finanzielle Probleme stellen würde.

An der ganzen Geschichte, die Ulf dem Gericht aufgetischt hat, scheint nach ersten Recherchen der beiden Frauen etwas faul zu sein. Deshalb will sich Nikola mit dem Strafverteidiger Simon beraten, der in Zusammenarbeit mit ihrem Sozietätpartner Alexander einen Plan ausarbeitet. Doch sie sorgt sich nicht nur um ihre Freundin Florentine. Auch in ihr Privatleben stürzt so einiges „ziemlich unverhofft“ ein. So zeigt sich Simon enttäuscht darüber, dass seine wiederholten Annäherungsversuche stets vereitelt werden, Alexander rückt mit einem Geständnis heraus und Nikolas Nachbar Tiziano stellt sie seiner Mutter als seine Verlobte vor.

Frauke Scheunemann lässt ihre Protagonistin in einem locker-leichten Ton in der Ich-Form berichten. Deren Leben scheint ein einziges Chaos zu sein, denn gleich zu Beginn hat sie verschlafen, obwohl sie als Anwältin einen Termin vor dem Familiengericht hat. Weil ihre Tochter Tessa gerade in England ist, muss sie für den kleinen Max immer neue Betreuungspersonen finden, da sie die Probleme ihrer Freundin Florentine auch außerhalb ihrer Arbeitszeiten regelrecht verfolgen. Wie dieser zu einer angemessenen Unterhaltszahlung verholfen werden kann, ist die eigentliche Handlung, die sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Doch der Plot, der einen hoffnungsvollen Anfang nimmt, zieht sich in die Länge und endet in einer recht konstruierten Geschichte. Es ist wenig glaubhaft, dass sich ein Mann in einem Scheidungsverfahren so naiv wie Ulf verhält.

Wenn Nikola als Anwältin schon wenig überzeugen kann, dann trifft das erst recht auf ihren Nachbarn Tiziano zu, der seiner Mutter mit seiner angeblichen Verlobung einen Bären aufgebunden hat und obendrein erwartet, dass Nikola da mitspielt. Man sollte keine zu hohen Erwartungen an den Roman Ziemlich unverhofft knüpfen, denn wenn der Plot auch turbulent und von Frauke Scheunemann in einem flüssigen Schreibstil verfasst ist, so kann er weder mit richtig humorvollen Passagen, noch mit überraschenden Wendungen überzeugen.

Frauke Scheunemann, Ziemlich unverhofft, Goldmann Verlag 2016, Klappenbroschur, 251 Seiten, ISBN 978-3-442-20501-1, Preis: 14,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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