Seit über einem Jahr ist Karl Sönnigsen nicht mehr Polizeichef von Westerland und kann sich immer noch nicht mit seiner Pensionierung abfinden. Als er jedoch über seinen Freund, den Witwer Onno, vom Verschwinden der illegal in einer Kellerwohnung untergebrachten Sabine Schäfer erfährt, weckt das seinen Ermittlerinstinkt. Die Vermisste hat bis zu ihrem Verschwinden bei Inge und Charlotte als nicht gemeldete Reinigungskraft gearbeitet. Allerdings haben die beiden Frauen ihren Männern Walter und Heinz das verschwiegen, weil Walter als ehemaliger Finanzbeamter das niemals geduldet hätte und ohnehin schon mit Heinz Jagd nach schwarz Beschäftigten auf Sylt macht.

Karl begibt sich mit Onno, deren neuer Partnerin Helga sowie Inge und Charlotte auf Spurensuche. Damit ihre Männer Walter und Heinz nicht misstrauisch werden, dient dem Ermittlerteam ein angebliches Chortreffen als Ausrede. Um neue Hinweise zu erhalten, machen sie noch nicht einmal vor der Durchsuchung der privaten Sachen in der Kellerwohnung von Sabine Schäfer halt, denn schließlich ist Karl davon überzeugt: Wir sind die Guten. Bei ihren Schnüffeleien finden sie Briefe, deren Spur sie zu einer Gärtnerei führt.

Unterdessen wird Alexander van der Heyde von zwei Freunden darüber informiert, dass sie seine erste Frau Corinna auf Sylt gesehen haben wollen, die allerdings schon seit zehn Jahren tot sein soll. Seiner Meinung nach kann es sich dabei nur um eine Verwechslung handeln. Aber nicht nur für Alexander gibt es auf der Insel etwas zu klären. Plötzlich findet auch für Maren, die Tochter von Onno und Nichte von Karl, die als Polizistin auf Westerwald arbeitet, die Langeweile ein Ende, denn Spaziergänger finden die Leiche eines Mannes. Mit Anna Petersen von der Staatsanwaltschaft Flensburg will sie die Todesumstände ermitteln. Doch als sie in dem Fall nicht weiterkommt, wendet sie sich notgedrungen an ihren Onkel Karl.

Das im Buch erwähnte Verschollenheitsgesetz gibt es übrigens tatsächlich und es ist auch nicht neu, sondern stammt aus dem Jahr 1939. Doch um es gleich vorweg zu nehmen: Wahre Krimifreunde werden wenig Gefallen an dem Buch finden, denn Dora Heldt lässt ihre Protagonisten in bester Small Talk Manier agieren. Ihre schon in die Jahre gekommenen Helden zeigen vollen Einsatz bei der Aufdeckung von Verbrechen, was darin gipfelt, dass Inge sogar auf ein Verbrechen hofft. Bis es allerdings so weit ist, muss sich der Leser gedulden und mit belanglosen Gesprächen begnügen. Dafür entschädigt die Autorin jedoch mit einem äußerst flüssigen sowie lebendigen Sprachstil und bringt am zunehmend spannenden Ende die verschiedenen Handlungsstränge zu einem stimmigen Ganzen zusammen. Tiefgang darf bei dem Kriminalroman nicht erwartet werden, aber wer lediglich auf amüsante Weise gut unterhalten werden will, wird nicht enttäuscht.

Dora Heldt, Wir sind die Guten, Deutscher Taschenbuch Verlag 2017, Klappenbroschur, 512 Seiten, ISBN 978-3-423-26149-4, Preis: 15,90 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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