Rita Ristau will sich Ende der 70er Jahre im Osten Deutschlands mit ihrem Mann den Traum von einem eigenen Heim erfüllen. Doch das Glück währt nicht lange, denn mit dem neuen Nachbarn Luz gibt es schon den ersten Ärger, bevor er überhaupt eingezogen ist. Er verbrennt im Garten Abfälle und der giftige Rauch zieht in die Wohnräume der Familie Ristau. Nach Belieben macht er dröhnenden Musiklärm und beschädigt willkürlich die Pflanzen und Bäume seiner Nachbarn. Sogar vor unerlaubtem Betreten des Grundstücks der Ristaus schreckt er nicht zurück.

Rita Ristau und ihr Mann hatten immer nur den einen Wunsch, mit den Nachbarn ein gutes Verhältnis zu haben. Im Fall des tyrannisierenden Nachbarn Luz hoffen sie immer noch auf eine gütliche Einigung und konfrontieren ihn zunächst lediglich mit der Gemeindeordnung. Dann bemühen sie die Schiedsstelle und erhoffen sich von der Schlichterverhandlung, dass die Schikanen ein Ende nehmen. Rita Ristau leidet zunehmend an Depressionen und der Dauerstress führt dazu, dass sie sich mit ihrem Mann immer häufiger streitet. Das Ehepaar Ristau zeigt Luz wiederholt bei der Polizei an. Doch weil sie es versäumt haben, Beweise zu sammeln, können die Beamten ihnen lediglich den Rat geben, doch besser einen Umzug in Erwägung zu ziehen. Die Situation spitzt sich weiter zu, die Schikanen werden dreister und Rita Ristau quälen permanent Suizidgedanken. Als letzten Ausweg legt sich das Ehepaar eine Videoüberwachungsanlage zu und hofft auf diese Weise, gegen den Nachbarn vorgehen zu können.

Rita Ristau hat in ihrem Erfahrungsbericht Wenn Nachbarschaft zum Albtraum wird ihren eigenen Leidensweg niedergeschrieben. Es ist unzweifelhaft eine bewegende Geschichte, die einen Menschen zur Verzweiflung bringen kann. Ihre Erlebnisse mögen für ihre Verwandten und Bekannten sicher von Interesse sein, für Außenstehende aber kaum. Und so wird sich mancher Leser fragen, warum nun in so ausführlicher Form haarklein und minutiös das Elend beschrieben wird, das immerhin schon dreizehn Jahre angedauert hat. Rita Ristau beklagt, dass sie in jedem Raum des Hauses von dem Nachbarn beobachtet und sogar mit Laserpointern gequält wird. Warum schließt sie dann nicht die Rollos, mit denen das Haus ausgestattet ist? Eine empfohlene Fotodokumentation könnte sie nicht vorweisen, weil sie und ihr Mann schon Rentner wären. Wieso? Können Rentner nicht fotografieren oder filmen? Dazu wäre auch keine teure Videoüberwachung notwendig gewesen, es hätte gereicht, wenn man sich „auf die Lauer“ gelegt hätte. Unverständlich ist auch, dass Frau Ristau nachts den lärmenden Besucher unter ihrem Schlafzimmerfenster nicht vertrieben hat. Zur Not hätte ein Eimer mit Wasser schon gute Dienste geleistet. Eine Ärztin will attestiert haben, dass ein Umzug in dem Alter unzumutbar ist. Aber weiter den nächtlichen Schikanen ausgeliefert zu sein, ist zumutbar? Für den Leser ist die Lektüre von Wenn Nachbarschaft zum Albtraum wird schon fast nicht mehr zumutbar, denn die ständige Wiederholung von „heute wissen wir, …“ wird für ihn zum Albtraum.

Rita Ristau, Wenn Nachbarschaft zum Albtraum wird, Frieling-Verlag 2011, Paperback, 160 Seiten, ISBN 978-3-8280-2964-4, Preis: 12,90 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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