Weinbar. Essbar. Wanderbar von Uwe Ittensohn

Weinbar. Essbar. WanderbarDer Bildband „Weinbar. Essbar. Wanderbar“ von Uwe Ittensohn stellt „die junge Pfälzer Vinothekenkultur entlang der Weinstraße“ vor. Zunächst zeigt eine Übersichtskarte der Pfalz die an der Weinstraße gelegenen Weingüter und Vinotheken sowie die in dieser Region vorgeschlagenen Wanderungen, wobei der Autor Wert auf die Feststellung legt, dass die Auswahl nach seiner subjektiv empfundenen Sicht erfolgt ist. In Tabellenform folgen die wichtigsten Details, bevor die Weingüter und Vinotheken ausführlich mit weitreichenden Infos, beispielsweise zu Park- und Sitzplätzen, einer möglichen Barrierefreiheit oder dem Speisenangebot, vorgestellt werden.

Zu jeder Location hat Uwe Ittensohn Wissenswertes zu den jeweiligen Inhabern zusammengetragen. Die von ihm und zumeist auch von seiner Ehefrau höchst persönlich verkosteten edlen Tropfen beschreibt er im Aussehen und Charakter äußerst präzise, was nicht erstaunt, ist er doch anerkannter Berater für deutschen Wein! Bei der abschließenden Vorstellung von zwölf Genusswanderrouten, zu denen alle wissenswerten Fakten wie Dauer, Länge oder Schwierigkeitsgrad, um nur einige zu nennen, am Rand gelistet sind, werden selbstverständlich auch die Vinotheken aufgeführt, die unterwegs zur Einkehr einladen.

In den schön zu lesenden Texten schreibt der Autor von so kuriosen Dingen wie einer aus eintausend „handzertrümmerten“ Flaschen bestehenden Theke. Während in einer Eventlocation Jazz- und Blueskonzerte abgehalten werden, tönen aus einem Weinkeller Hip-Hop-Klänge, die das Team der Inhaber zu begeistern vermögen, und ein Winzer beschallt sogar seine Weine, ganz individuell mit Hilfe der Bioresonanz nach Sorte. Seinen Gästen bietet er zudem ein besonderes Geschmackserlebnis, wenn sich nämlich allein durch die im Hintergrund abgespielte Musik oder die Lichtverhältnisse im Raum die Stilrichtung des Weins verändert. Uwe Ittensohn durfte diese Erfahrung machen und empfiehlt sie ausdrücklich!

Auf den Farbfotos sind die beeindruckenden Gebäude der Vinotheken mit teils großzügig gestalteten Terrassen sowie deren gemütliche Weinstuben im Innern zu bewundern. Bei der Betrachtung der Weinetiketten fallen die Veränderungen auf, die sie im Laufe der letzten Jahrzehnte durchlaufen haben. Darunter finden sich so ungewöhnliche Bezeichnungen wie „Hensel und Gretel“ oder in einem anderen Fall eine Lieblingsweisheit, mit der die Enkel ihrer verstorbenen Großmutter ein Denkmal gesetzt haben. An den Schraubverschlüssen ist zu erkennen, dass viele Winzer ihre Flaschen nicht mehr verkorken, was übrigens keine Garantie gegen korkig schmeckenden Wein ist. Immer mehr Winzer scheinen zur Produktion von Bioweinen überzugehen, wobei ein in dem Buch genannter sich bereits dem für seine strengen Richtlinien bekannten und seit Jahrzehnten bestehenden Bioland angeschlossen hat. Was die Preise der vorgestellten Weine anbelangt, so schweigt sich der Autor aus. Zwar finden sich Bezeichnungen wie sehr günstiger Preis, doch was für den einen noch günstig erscheint, muss ein anderer nicht genauso empfinden.

Zugegebenermaßen ist der Bildband „Weinbar. Essbar. Wanderbar“ aufgrund seiner Größe und auch wegen seines Gewichts unhandlich. Zur Mitnahme auf eine Wanderung eignet er sich deshalb nicht. Doch hat der Verlag dieses Problem auf elegante Weise gelöst, indem jede Route mit einem QR-Code zum Downloaden einer PDF-Datei oder Wander-App versehen ist, die jedem Taschenbuch überlegen sein dürfte. Uwe Ittensohn wirft einen kritischen Blick auf die Panzersperren des einstigen Westwalls und die verübten Gräueltaten der in der NS-Erbgesundheitspolitik festgeschriebenen Gesetze, weil es zur Historie der Pfalz gehört. Doch das trübt die Lust auf eine Einkehr in eine der auserwählten Vinotheken in keinster Weise. Wer wissen möchte, wo er bei der Verkostung eines guten Tröpfchens eventuell auch noch einem Auftritt von Thomas Gottschalk beiwohnen kann, kommt um die empfehlenswerte Lektüre nicht herum.

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Weinbar. Essbar. Wanderbar von Uwe Ittensohn

Weinbar. Essbar. Wanderbar
Gmeiner Verlag 2022
Hardcover
208 Seiten, 240 farbige Fotos
ISBN 978-3-8392-0209-8

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Bildquelle: Gmeiner Verlag
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