Nur eine von elf Geschichten in der Anthologie Weihnachtsherzen hat ein Mann geschrieben. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn sich vieles um Beziehungskrisen dreht. So denkt auch Zoe an eine Liebe in der Sommerstadt, irrt am Heiligen Abend umher und kann sich einfach nicht entschließen, zu ihrer Familie zu gehen. Mary muss sich zwischen ihrem Zuhause in Ingleby und einem Mann entscheiden, dem ihre Liebe gehört. Zum Heiligen Abend des Jahres 2007 begibt sich der Buchhändler Jean Perdu sowohl auf eine literarische, wie auch auf eine phantastische Tagtraumreise, und in einer weiteren Geschichte verknüpfen sich die Erlebnisse der unglücklichen Jana während einer Überfahrt mit einem Segelschiff im Jahre 1878 nach New York mit einer Urlauberin auf den vor Cornwall gelagerten Scilly-Inseln im Handy-Zeitalter.

Georg trauert um den frühen Tod seiner geliebten Leni und bereitet zum Heiligen Abend ein Essen vor, bei dem ihm ausgerechnet eine Katze wertvolle Tipps gibt. Anstatt, wie geplant, mit ihrem Mann und den beiden Kindern die Weihnachtstage in einem Vier-Sterne-Hotel in St. Moritz zu verbringen, warten auf Carmen jede Menge böse, wie auch angenehme Überraschungen. Katja wird von ihrem Chef und Liebhaber Frank für eine Reportage auf die Hallig Oland geschickt, doch gibt es am 23. Dezember eine Sturmflut, die Katjas Leben verändern soll. Bevor eine stressgeplagte Mutter, deren Ehemann seine Sekretärin geschwängert hat, das Haus weihnachtlich schmücken kann, begegnet sie auf dem Dachboden einem Flaschengeist.

Eine weitere Geschichte begleitet Serena vom Weihnachtsfest des Jahres 1982 als Siebenjährige mit ihren Träumen und Hoffnungen und dem festen Grundsatz, nicht wie ihre Mutter zu enden, bis hin zum Fest am 25.12.2014. Almut, die bereits über 50 Jahre mit Ewald verheiratet ist, freut sich auf den Besuch ihres Sohnes mit seiner Familie zum Weihnachtsfest und hat in den letzten Stunden noch so viel zu tun. Die beiden Polizistinnen Lilly und Britta sollen ausgerechnet zum Heiligabend einen flüchtigen Bankräuber dingfest machen und geraten auf der Autobahn in einen schweren Schneesturm.

Anne Tente hat als Herausgeberin des Buches Weihnachtsherzen eine wundervolle Auswahl an Kurzgeschichten getroffen, wobei erfreulicherweise der Leser bei keiner das Gefühl hat, dass leere Seiten gefüllt werden sollten, was bei Anthologien leider häufig der Fall ist. Alle Texte ranken sich zwar um das Weihnachtsfest, jedoch sind es keine klassischen Weihnachtsgeschichten im eigentlichen Sinne. Den Leser erwarten anrührende, besinnliche, traurige oder abenteuerliche Geschichten, die nicht selten zum Schmunzeln einladen. Manche bestechen durch phantasievolle Texte, einige beinhalten tiefsinnige Gedanken, und wieder andere stellen kleine literarische Kostbarkeiten dar, wobei sie den Leser auch zu Tränen rühren können. In allen geht es irgendwie um einen Neubeginn, dass man die Hoffnung nicht aufgibt oder darum, wie sich Familienmitglieder wieder näher kommen und zusammenwachsen. Jede der Geschichten, für die Anne Tente auch fünf Autoren aus dem englischsprachigen Raum ausgewählt hat, endet lebensbejahend, hinterlässt beim Leser Glücksgefühle oder einen Hoffnungsschimmer für die Zukunft.

Anne Tente (Hrsg.), Weihnachtsherzen, Wunderlich Verlag 2014, Hardcover mit Schutzumschlag, 270 Seiten, ISBN 978-3-8052-5078-8, Preis: 14,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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