In den acht abgeschlossenen Kurzgeschichten aus dem Buch Wär Seligkeit für mich von Anna Aldrian spielt immer auch ein ganz spezielles Musikstück eine Rolle, das die Autorin passend zum Text gewählt hat. Den Anfang macht die Erzählung einer Frau, die während einer Fiesta bei ihrem Cousin Don Neco in Paraguay einen gewissen Señor Carlos Fensterseifer kennen lernte. Als der verstirbt, ist sie zur Universalerbin seiner Hazienda bestimmt. Doch die Freude vergeht ihr, als sie die Bedingung im Testament liest.

Der Polizeibeamte Leopold besucht mit seiner Schwiegermutter Hanna ein Konzert. Am darauf folgenden Tag wird der Cellist mit einem Schädel-Hirn-Trauma aus dem Wienfluss geborgen und sein Cello scheint verschwunden. Doch Hanna entdeckt es zufällig, und zur Überraschung von Leopold und Hanna spielt der ehemaligen Cellist bei einem weiteren Konzertbesuch auf dem Piano.

Der Medicus Baruch Sofer aus Wien erhält im Jahr 1741 von seinem Patient Vivaldi ein Etui mit einem besonderen Fächer. Durch Vererbung an seine Urenkelin Serafina, die den Fächer wiederum an ihre Urenkelin Viktoriana weitergibt, landet er schließlich bei deren Enkelin Olga. Über Judith, das Kind ihrer Cousine, reist der Fächer bis nach Argentinien, wo ihn Judith allerdings 1977 versetzen muss, um einer Frau zur Flucht zu verhelfen.

In einer Geschichte um die Koreanerin Min Ji Kim und den ungarischen Flötenspieler Józsep Zöld zeigt Anna Aldrian auf, wie tödlich eine Liebe enden kann. Eine weitere Episode beschreibt eine abenteuerliche Fahrt durch Argentinien: Ein geschiedener Mann erzählt einem Padre von seiner ersten großen Liebe Lynn. Doch er ahnt noch nicht, dass die Reise für ihn ein abruptes Ende nimmt.

Einmal wundert sich der Dienstkollege von Dr. Pamela Martí, dass sie bei der Musik von Wagner aufbrausend reagiert, und ein anderes Mal bittet die Cellistin Aglaya ihre Schwester Erna zum Konzert, wo sie den neuen Lover von Aglaya kennen lernt, an dem sie eiskalt Rache übt. In der letzten Geschichte macht sich Regina auf nach Paraguay, weil sie sich von ihrem Onkel Monseñor Wiesner die Auflösung eines Familiengeheimnisses erhofft.

Anna Aldrian nimmt ihre Leser nicht nur auf eine musikalische Reise mit, sondern führt sie auch durch die Straßen und Landschaften Argentiniens und Paraguays. Außerdem schreibt die Autorin, die selbst Jahrzehnte in Südamerika gearbeitet hat, Wissenswertes über die Indios und ihre Bräuche sowie von dem Elend der Bauern. Sie erinnert an die Kriegsgräuel des 1. Weltkriegs und den Falklandkrieg, an den Militärputsch in Argentinien und die Foltern in dem Land, die russische Revolution, den Holocaust, das Ghetto in Czernowitz und den sadistischen Arzt Josef Mengele.

Obwohl Anna Aldrian den Liebhabern der klassischen Musikrichtung mit dem Büchlein Wär Seligkeit für mich eine ganz besondere Freude bereiten kann, so werden aber auch alle anderen die informativen Kurzgeschichten mit Interesse lesen.

Anna Aldrian, Wär Seligkeit für mich, Stories & Friends Verlag 2014, Hardcover, 208 Seiten, ISBN 978-3-942181-55-6, Preis: 17,90 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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