In ihrem Roman Vorstadthimmel erzählt Gabriele Kögl die Geschichte eines Emporkömmlings und einer zeitgeistigen Journalistin, indem sie geschickt die verschiedenen Perspektiven der beiden Protagonisten beleuchtet, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Heinrich fährt mit seinem Lamborghini Diablo, den er liebevoll Panther nennt, von seiner Villa im Wiener Nobelviertel „Am Himmel“ zu seiner Zahnarztpraxis für die bessere Klientel. Inzwischen auf der Überholspur des Lebens, doch das war nicht immer so, stammt er doch aus ärmlichen Verhältnissen. Bei der Mutter aufgewachsen, ohne einen Vater, in einem schäbigen Mietshaus in der Vorstadt. Mit vierzehn begann er eine Lehre als Handelskaufmann und sein Studium verdiente er sich als Dressman. Bewusst hatte er eine Frau aus gutem Haus geheiratet. Doch sein Schwiegervater ist nicht glücklich über seine Herkunft. Heinrich war überzeugt, dass er niemanden so sehr liebe wie seine Frau, auch wenn er mit anderen Frauen ins Bett ging. Doch nachdem seine Tochter Agnes auf die Welt gekommen war, wusste er, dass er sie mehr liebt und alles tun würde, um ihr eine Kindheit zu ermöglichen, wie er sie selbst nicht hatte.

Die 36-jährige Journalistin Margot arbeitet bei einem Radiosender. Sie hat Publizistik studiert und Politikwissenschaften, doch karrieremäßig tritt sie auf der Stelle. Für eine Kolleg-Reihe über Zahnmedizin interviewt sie Heinrich und ist begeistert von seiner Leidenschaft für seinen Beruf. Heinrich besucht sie danach regelmäßig zwischen zwei Terminen in ihrer Wohnung, oder Margot kommt in seine Villa, wenn seine Frau Nachtdienst im Krankenhaus hat. Der Sex mit Heinrich ist großartig, noch nie ist sie so süchtig danach gewesen und hat so sehr nach Befriedigung gelechzt. Als sie schwanger wird, will Heinrich die Sache aus der Welt haben, so schnell wie möglich. Doch Margot sieht in der ungewollten Schwangerschaft ihre letzte Chance Mutter zu werden…

Kein Unterhaltungsroman ist Gabriele Kögls Roman Vorstadthimmel, denn die Handlung ist eher eintönig und vorhersehbar und selbst auf sich ankündigende Katastrophen verzichtet die Autorin. Sie analysiert vielmehr die Entwicklung des vaterlos aufgewachsenen Protagonisten Heinrich, ohne dabei Stellung zu beziehen. Sie stellt Charaktere dar, ohne zu verurteilen. Eine schwierige Aufgabe für den Leser, die Grenze, inwieweit Heinrich Täter oder Opfern ist, ist nur schwer zu definieren. Denn für Margot ist ein Kind eine Alternative zu ihrem gescheiterten Lebenskonzept. Lernen wir aus den Fehlern unsere Eltern? Wollen wir es nicht besser machen? In Gabriele Kögls Roman Vorstadthimmel scheitern die Protagonisten trotz guter Vorsätze. Keine leichte Kost, sondern eine Komposition des Lebens erwartet den Leser.

Gabriele Kögl, Vorstadthimmel, Wallstein Verlag 2011, gebunden mit Schutzumschlag, 276 Seiten, ISBN 978-3-835-30844-2, Preis: 17,90 Euro.

Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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