Bertha Hauser meldet ihren Mann Fritz bei der Polizei als vermisst. Kurze Zeit später geht dort ein Anruf von Lisa Köppel ein, die im Rhein bei Basel eine Leiche gefunden hat. Bertha kann den Toten als ihren Mann identifizieren. Da dieser einen Abschiedsbrief hinterlassen hat, geht die Polizei von einem Suizid aus. Nach der Beerdigung beauftragt die Witwe den zweiundvierzigjährigen Journalist Oskar Behrens, die Spedition Kessler unter die Lupe zu nehmen, bei der ihr Mann lange beschäftigt war. Nachdem Kevin Kobel neuer Finanzchef wurde, hätte ihr Mann Unregelmäßigkeiten in der Buchhaltung aufgedeckt. Die beauftragte Revisionsfirma konnte jedoch nichts Auffälliges finden, woraufhin ihr Mann auf einen anderen Posten versetzt wurde. Seitdem hätte er reichlich dem Alkohol zugesprochen und Bertha bittet den Journalisten inständig, Kevin Kobel auf den Zahn zu fühlen.

Oskar Behrens, dessen Freund zurzeit beruflich in Parma weilt, nimmt sich der Sache an und sucht zunächst Kevin Kobel an seinem Arbeitsplatz auf. Er bittet auch Lisa Köppel um Hilfe, die als Buchhalterin vielleicht etwas in Erfahrung bringen kann. Wie es der Zufall will, soll Oskar einen Bericht über eine stark verkohlte Leiche schreiben, die in dem Dorf Asuel aufgefunden wurde, bei der es sich ausgerechnet um den Inhaber der Spedition Heinrich Kessler handelt. Natürlich sieht Oskar sofort Parallelen zwischen dem Tod von Fritz Hauser und dessen ehemaligem Chef, so dass er nun seine Recherchen auf Asuel ausdehnt. Dort bringt er in Erfahrung, dass Heinrich Kessler schwul war und sich in dem abgelegenen Dorf mit Männern getroffen hat. Nachdem eine weitere Person nebst einem Geständnis erhängt aufgefunden wird, scheint eigentlich alles klar zu sein, und doch passt irgendetwas nicht zusammen. Erst, als Oskar auf der Halbinsel Nordstrand eintrifft, wird ihm neben einer Überraschung auch des Rätsels Lösung offenbart.

In den ersten Kapiteln stellt Franz Osswald in seiner Kriminalerzählung Verbrannte Saat jeweils eine Handlungsperson vor und nachdem zunächst von der Spedition Kessler und dem neuen Finanzchef Kevin Kobel die Rede ist, folgen der Abschiedsbrief von Fritz Hauser an seine Frau Bertha, die von Lisa Köppel aufgefundene Leiche im Rhein und schließlich eine kurze Vorstellung des Journalisten Oskar Behrens. Dass immer wieder, ohne erkennbaren Zusammenhang, dessen Freund Walo erwähnt wird, der nie wirklich in Erscheinung tritt, ist schon verwunderlich. Noch merkwürdiger ist, dass Lisa Köppel zwar vom Journalisten um Hilfe zur Aufklärung gebeten wird, der Leser aber nie erfährt, ob oder wie sie tätig wurde. So gibt es immer wieder Einschübe, die letztlich bedeutungslos sind.

Vom Protagonisten ist bekannt, dass er wie der Autor journalistisch tätig ist, ein Liebhaber sowohl klassischer Musik als auch deutscher Weine ist, sich gerne Vesperplättchen zubereitet und ebenfalls schwul ist. Beim Leser erwecken gleich drei weitere schwule Handlungspersonen, nämlich Heinrich Kessler, Kevin Kobel und Oskar Behrens, den Eindruck, dass es dem Autor vornehmlich darum ging, auf die Problematik dieser von der Gesellschaft häufig nicht tolerierten Randgruppe aufmerksam zu machen, denn die Homosexualität, die von der Amtskirche nicht akzeptiert wird, nimmt einen breiten Raum in der Kriminalerzählung Verbrannte Saat ein. Über seinen Protagonisten äußert Franz Osswald die Befürchtung, dass Homosexuelle, Muslime und Juden wieder an den Pranger gestellt werden könnten, wenn die rechte Szene weiterhin an Macht gewinnt. Ganz generell macht der Autor darauf aufmerksam, dass unter dem Dach gläubiger Christen längst nicht alles so ist, wie es den Anschein hat. Die schwulen Kinder trauen sich aus Scham nicht, sich zu outen und gehen Ehen ein, nur um den Schein zu wahren, und die Väter vergreifen sich nicht selten an ihren Töchtern. So kann sich bereits in der Vorrede der Kriminalerzählung ein Mädchen den Übergriffen durch ihren Vater nicht erwehren. Ohne Zweifel sind die angesprochenen Themen wichtig und dürfen auf keinen Fall totgeschwiegen werden, doch den Leser mitreißen kann die eher flache und distanziert wirkende Kriminalerzählung nicht.

Franz Osswald, Verbrannte Saat, Verlag Johannes Petri 2016, Hardcover, 196 Seiten, ISBN 978-3-03784-097-9, Preis: 24,00 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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