Vampire von Hagen Schaub

VampireIn dem Buch Vampire von Hagen Schaub geht es zunächst einmal um die Definition, was ein Vampir überhaupt ist. Die als lebende Leichname verstandenen Vampire haben ihren Ursprung in Südosteuropa. Anhand von Fallschilderungen geht der Autor der Frage nach Ursprung dieses Aberglaubens nach. Die Menschen hatten im Mittelalter u. a. Angst vor Seuchen, Hungersnöten und Kriegen. Die wenig oder gar nicht gebildeten Leute, zumeist Analphabeten, haben natürlich einen Grund für diese unerklärlichen Ereignisse gesucht. Oftmals trat auch ein vermehrtes Sterben ohne erkennbaren Grund innerhalb einer Gemeinschaft auf, das sie der Existenz von Geistern, Dämonen und Göttern zuschrieben. Wenn nicht ein Vampir, ein Untoter, der Kern allen Übels war, dann mussten Hexen als Übeltäter herhalten, die von den kirchlichen Würdenträgern verfolgt wurden.

Mittels Berichten aus dem 17. Jahrhundert dokumentiert Schaub auch die wissenschaftliche Vorgehensweise dieser Zeit. Es hat selbst Dissertationen zu diesem Thema gegeben, die der Vampirhysterie nur noch weiteren Vorschub leistete.

Es ist auffallend, dass mit dem Verschwinden der letzten großen Pestepidemie auch die Berichte über die Vampire verschwunden sind. Namhafte Pathologen diskutieren heute, ob es sich bei den unerklärlichen Todesfällen, die letztendlich zu dem Glauben an Vampire geführt haben, um Milzbrand gehandelt haben könnte, um Tollwut oder Pest oder ob die Dorfbewohner allesamt unfreiwillig in einen Drogenrausch gefallen sind. Immerhin können Leichengiftbestandteile, Kontrastmittel, Amalgam und Blei auch heute noch eine Gefahr für unser Grundwasser sein und Totengräber leben auch nicht ungefährlich. Ein weiteres interessantes Detail kommt beim Kapitel über die historisch belegte, 1430 geborene Person des Dracula zutage, nämlich, dass Prinz Charles ein Nachkomme ist.

Wer bei Vampire von Hagen Schaub an ein blutrünstiges Buch á la Dracula denkt, ist schief gewickelt. Denn hier handelt es sich um eine wissenschaftliche Abhandlung eines studierten Geschichtlers, die deshalb wohl auch zeitweise langatmig ist. Wirklich wachgerüttelt wird man aber bei der spottenden Definition nach Voltaire. Der hielt nämlich die „Börsenspekulanten, Händler und Geschäftsleute, die andere bis aufs Blut aussaugten, aber leider sehr lebendig seien“ für die eigentlichen Vampire. Und auch Marx und Engels hätten diese völlig radikale Sichtweise geteilt und Vampire in der herrschenden Elite erkannt. Dem Leser krempelt sich aber der Magen um, als vom tatsächlich existierenden Dracula und seiner Vorgehensweisen berichtet wird. Der Autor bezieht sich sowohl auf mittelalterliche Quellentexte, als auch auf neuere Literatur, die im Anhang aufgelistet ist. Und sollte sich heute jemand über die mittelalterlichen Vorstellungen lustig machen, dem hält er entgegen, dass sich auch heute noch kaum jemand alleine in einen dunklen Wald begibt.

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Vampire von Hagen Schaub

  • Marix Verlag 2011
  • Hardcover mit Schutzumschlag
  • 288 Seiten
  • ISBN 978-3-86539-255-8
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