Totalausfall von Lucie Flebbe

TotalausfallVon ihrem Lebensgefährten Ben Danner verlassen, mit dem Lila Ziegler eine Privatdetektei geführt hat, erwacht die Zwanzigjährige nach einem Suizidversuch aus dem Koma. Sie wollte ihrem Leben ein Ende setzen, weil sie sich für den Tod an ihrer Schwester schuldig fühlt, obwohl sie selbst zu dem Zeitpunkt erst vier Jahre alt war. Aber die letzten Worte von Danner vor seinem Abschied, dass sie unmöglich die Schuld am Tod ihrer Schwester tragen kann, gehen ihr nicht aus dem Kopf. Erst kürzlich hat sie den Mut gefunden, gegen ihren Vater, einen Staatsanwalt, Anzeige wegen häuslicher Gewalt zu erstatten.

Im Klinikum Birkenhain, einer psychosomatischen Klinik in Bochum, wird Lila therapiert. Mit zwei weiteren Frauen kommt sie in einem Dreibettzimmer unter. Obwohl sie genug eigene Probleme hat und immer wieder an Danner denkt, ziehen ein Rocker und ein Afrikaner ihre Aufmerksamkeit auf sich. Doch ihr Ermittlerinstinkt erwacht erst, als eine Psychologin mit durchtrennter Kehle aufgefunden wird. Obendrein sieht es für Lila gar nicht gut aus, denn sie muss Kriminalkommissarin Katrin Wegner von ihrer Unschuld überzeugen, zumal sie für die Tatzeit kein Alibi hat und zuvor gedroht hat, die Psychologin umzubringen. Schon allein deshalb sieht sich Lila genötigt, die Augen offen zu halten.

Der Kriminalroman Totalausfall von Lucie Flebbe ist bereits der neunte, und damit leider auch der letzte Fall der quirligen Ermittlerin Lila. Mit dieser Figur hat die Autorin eine fantastische Persönlichkeit geschaffen, die man trotz, oder auch gerade wegen ihrer Spontaneität und Ausdrucksweise schnell ins Herz schließt. Was sich gedanklich im Kopf ihrer Protagonistin abspielt, gibt Lucie Flebbe in einer unnachahmlichen Sprache wieder, was durch die Wahl der Ich-Erzählung noch getoppt wird. Der eigentliche Kriminalfall ereignet sich zwar erst, nachdem in der ersten Hälfte des Buches fast nur vom Klinikalltag erzählt wird, doch die Allgegenwärtigkeit der einzigartigen und coolen Lila mit ihren Sprüchen macht das mehr als wett und weckt das Interesse am Fortgang der Handlung.

Typisch für die Autorin sind kritische Anmerkungen zu Themen wie die Magersucht, fehlende Empathie von Arbeitsvermittlern, die Probleme von Flüchtlingen oder mögliche Gewissenskonflikte von Polizisten. So ging es ihr auch dieses Mal wieder um die Vorstellung von Lebensschicksalen, und am Beispiel einer Psychologin lässt sie tief in Seelen blicken, denn Menschen verstehen es oft überzeugend, ihre Probleme und Sorgen vor anderen zu verstecken. Natürlich stellt Lucie Flebbe für den letzten Auftritt ihrer Lila in ihrem Kriminalroman Totalausfall einen akzeptablen Abgang vor und es bleibt zu hoffen, dass eine Autorin mit so viel Potential und einem sehr angenehmen Schreibstil auch ohne ihre Ermittlerin Lila weiterhin neue spannende Romane veröffentlichen wird.

Lucie Flebbe, Totalausfall , Grafit Verlag 2017, Taschenbuch, 270 Seiten, ISBN 978-3-89425-494-0, Preis: 11,00 Euro.

Bildquelle: Grafit Verlag

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