Knut Knieping lebt mit seiner Frau Cecile und der 7-jährigen Tochter Fine in Düsseldorf. Selbst, als seine Frau zu einer Verabredung geht und er Fine beaufsichtigen soll, kann er es nicht lassen und muss seiner Laufsucht frönen: Im Keller reißt er dabei joggend den Wäscheständer um und wird zu seiner Schmach auch noch von Cecile auf frischer Tat ertappt. Zu einem Treffen mit Freunden im Fußballstadion ist Knut der Einzige, der auf alles Fahrbare verzichtet, was unschwer an seiner durchgeschwitzten Kleidung zu erkennen ist. Und wenn er sich schon einmal einen Tagesplan zurecht legt, wird der ganz sicher durch Aufgaben von seiner Frau durchkreuzt: Er ist zum Flicken ihrer Fahrradreifen verdonnert, wobei sich ungeahnte Probleme ergeben.

Mit alten Kumpeln besucht Knut in Reykjavik ein Stadion und steht anschließend vor verschlossenen Türen, weil er wieder einmal seinen Laufdrang nicht zähmen konnte. Während eines Urlaubs mit seiner Frau in Namibia zweckentfremdet er einen lediglich zum Planschen vorgesehenen Pool und unterschätzt bei einem abendlichen Lauf die schnell einsetzende Dämmerung in der Wüste. Wieder in der Heimat stellt er beim Laufen mit einem erschrockenen Blick auf die Uhr fest, dass er als Anwalt in Kürze einen Termin mit einem Mandanten hat und landet aus Unachtsamkeit in frischem Beton. Mittlerweile 45-jährig will es Knut wissen und möchte mit mehr Disziplin für einen Wettkampf trainieren. Beim Düsseldorfer Kö-Lauf trifft er doch tatsächlich einen alten Bekannten wieder: Mit einem nunmehr 70-Jährigen, der einem Velociraptor ähnelt, ist er 1992 im Temporausch, denkt sich Knut und liebäugelt schon mit dem Vienna City Marathon.

Ein Sänger muss sich einstimmen, ein Läufer einlaufen und der Leser des Buches Tempo Raus muss sich einlesen, um sich an den Sprachstil von Knut Knieping zu gewöhnen. In Geschichten aus seinem Laufalltag wartet der Autor in rascher Folge mit Wortspielereien und von ihm erdachten Wortkreationen wie Kilometerkacheleiseuche oder Hup- und Fluch-Shitstorm auf. Fremdwörter aus der englischen, französischen oder vorzugsweise lateinischen Sprache gebraucht er fast schon in inflationärer Weise, womit er die Sprachkenntnisse einiger Leser sicher strapaziert. Doch kann an dieser Stelle versichert werden, dass dies dem Verständnis für den Witz keinen Abbruch tut. Um die einzelnen Kapitel zu verdauen, ist es ratsam, nicht alle Seiten wie bei einem Roman „in einem Rutsch“ zu lesen.

Das Buch Tempo Raus verspricht Spaß auf hohem Niveau. Der Weg mit prägnanten sowie exakt positionierten Einschüben ist das Ziel und nicht etwa eine Auflösung oder das Erreichen der letzten Buchseite. Spätestens nach dieser humorvollen Lektüre von Knut Knieping müsste eine Untersuchung über die Ausschüttung von Endorphinen beim Lesen erfolgen, denn das Buch versetzt den schmunzelnden Leser in gute Laune, nach der er von nun an süchtig ist.

Knut Knieping, Tempo Raus – Langsam reicht mir, Sportwelt Verlag 2015, Taschenbuch, 160 Seiten, ISBN 978-3-941297-31-9, Preis: 10,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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