
Ein Buch zwischen Suche und Selbstaufgabe
„Sex, Drugs & Meditation“ lautet der Untertitel von Edgar Hofers Buch Tantrische Erleuchtung*, in dem er sich auf eine Reise durch indische Kulturen begibt, um Zustände der Ekstase und Glückseligkeit zu finden.
Bei einem Tantra-Seminar in Wien lernt Hofer die Sexualtherapeutin Karin kennen, die in ihrem Bauernhaus außerhalb der Stadt eine Art Ashram einrichten möchte. Nach einem Intensivseminar in Mexiko zieht er bei ihr ein, und gemeinsam planen sie eine mehrmonatige Reise durch Indien. Dafür muss Hofer seinen Besitz aufgeben und auf einen einzigen Rucksack reduzieren. Er verkauft sein Auto und verschenkt seine teuren Anzüge.
Indien: Zwischen Ashrams, Aufbrüchen und Abschieden
Einige Wochen später treffen die beiden in Bombay ein und reisen nach einem kurzen Aufenthalt im Osho-Ashram in Poona weiter zum Taj Mahal in Agra. Rishikesh, die Welthauptstadt des Yoga, in der einst die Beatles verweilten, verlassen sie nach wenigen Tagen. Aus einem ursprünglich zweitägigen Besuch in Varanasi, der heiligen Stadt Shivas, werden schließlich zwei Monate. Hofer versucht zunächst, das klassische Instrument Tabla zu erlernen. Doch als Karin sich von ihm trennt und bei einem Guruji einzieht, nimmt auch er Kundalini-Tantra-Unterricht und wird zum Nath-Yogi.
Drogen, Experimente und ein brüchiger Weg
In Puri, wo Cannabis nicht nur erlaubt, sondern legal erhältlich ist, verbringen Hofer und seine Partnerin nicht nur einen Strandurlaub. Sie experimentieren mit verschiedenen Drogen. Nach dem Genuss eines „Special Lassi“ verlieren sie vollständig die Kontrolle, und Hofer verspürt nach dem Verzehr von Opium nur eine geringe Wirkung, bekommt jedoch starke Bauchkrämpfe. Während Karin zurück nach Poona reist, setzt Hofer seinen Weg allein fort – über Madras, Pondicherry und die Tempelstadt Chidambaram – bevor auch er über Bangalore in den Osho-Ashram zurückkehrt, wo seine Kundalini-Energie erweckt wird.
Ein lebendiger Bericht – mit blinden Flecken
Edgar Hofers authentischer Bericht Tantrische Erleuchtung* ist unterhaltsam und erfrischend geschrieben. Allerdings erfährt man nur wenig über seinen tatsächlichen spirituellen Weg. Stattdessen schildert er vor allem die auf der Reise gesammelten Drogenerfahrungen und die konfliktreiche Beziehung zu seiner Partnerin. Ob Hofer durch längeren Drogenkonsum ohne ausreichende Ernährung oder durch emotionale Erlebnisse im Osho-Ashram tatsächlich erleuchtet wurde, bleibt fraglich. Wer eine Antwort auf die Frage nach einem spirituellen Weg zur Erleuchtung sucht, wird sie in diesem Buch vermutlich nicht finden.
Tantrische Erleuchtung von Edgar Hofer

Books on Demand 2010
Taschenbuch
152 Seiten
ISBN 978-3-8391-8760-9

