Steine schmeißen von Sophia Fritz

Steine schmeißenAnna feiert in Wien mit ihren Freunden Marie, Jara, Samir, Erik, Linda, Lukas und Fede, der aus Frankfurt zu Besuch gekommen ist, den Jahreswechsel. Es wird Wein getrunken und „gekokst“. Während es gilt, die letzten Stunden des Jahres irgendwie zu überbrücken, hat Samir die Idee, dass jeder eine Liste mit allen Tiefpunkten des vergangenen Jahres führen soll, weil man sich danach „gereinigt und entspannt“ fühlt. Alle sind einverstanden, es werden Papier und Schreiber verteilt. Lukas sammelt die vollgeschriebenen Listen ein und meint, dass das zwar schon gut war, doch müssten alle noch ehrlicher werden. Damit „das mit der Energie“ funktioniert, müssten die noch ehrlicheren Dinge auf Steine geschrieben werden, die „nachher gemeinsam vor Mitternacht in die Donau“ geworfen werden müssten.

Anna, lange Zeit mit Alex befreundet, lässt ihre Freunde weiterhin in dem Glauben, dass sie sich mit ihm verlobt hat, was jedoch nicht stimmt, da sich Alex von ihr getrennt hat. Auf die Frage, ob er auch zu der Silvesterparty kommt, antwortet sie, er wäre krank. Den ganzen Abend ist sie jedoch neugierig darauf, ob Elin noch kommen wird, weil die wissen könnte, wo sich Alex aufhält.

Anna erzählt die Ereignisse in dem Roman Steine schmeißen * von Sophia Fritz in der Ich-Form. Die Autorin verzichtet auf die Kenntlichmachung der wörtlichen Rede, ihr Sprachstil ist gewöhnungsbedürftig und der Leser fragt sich von Anfang an, worum genau es in der Geschichte geht. Die befremdlich wirkenden Gedankengänge von Anna können nicht immer nachvollzogen werden. Unvermittelt wird vom Präsens ins Präteritum und zurück gewechselt, wenn Anna sich während der Party an vergangene Geschehnisse erinnert. Neben der Wiedergabe zumeist belangloser Gespräche auf der Party erhält Anna Textnachrichten ihrer Mutter, die zu Hause Annas und auch Alex Kleidung aussortiert.

Annas Gedanken gehen zur Beerdigung ihres Vaters und natürlich zu Alex, mit dem sie den letzten Jahreswechsel auf Rügen verbracht hat. Über die Protagonistin erfährt der Leser kurz angerissen, dass sie promoviert hat, sich ihre „Titten machen“ ließ und das sedierende Medikament Tavor eingenommen hat. Ihr bester Freund ist Fede, den sie bereits aus Grundschulzeiten kennt. Zumindest mit ihm und Samir hatte sie Sex und dann gab es eine Zeit, ab der sie mit Alex keinen „Pärchensex mehr, nur noch Dreier“ hatte. Auf der Feier wird nicht nur Alkohol getrunken und Koks konsumiert, sondern auch MDMA, was so selbstverständlich erwähnt wird, als wäre jedem Leser bekannt, dass es sich dabei um eine Partydroge handelt. Auch geht Sophia Fritz anscheinend davon aus, dass allgemein bekannt ist, dass das Kürzel CBD für das aus Cannabis gewonnene Cannabidiol steht.

Anna, so viel wird deutlich, bereut es, Alex hintergangen zu haben, weshalb sie ein schlechtes Gewissen quält. Obwohl Sophia Fritz ohne Zweifel ein schriftstellerisches Talent, beispielsweise bei den ausgefallenen und intelligenten Umschreibungen, zugesprochen werden kann, quält sich der Leser durch das Buch, ähnlich wie die Protagonistin durch die sich hinziehenden Stunden des Jahreswechsels, in der Hoffnung, wenigstens mit dem Schluss ein Aha-Erlebnis zu haben. Doch darauf hofft er vergebens und fragt sich, was ihm die Autorin mit dem Roman sagen will. Ganz nebenbei bemerkt hätte dem Werk ein gründlicheres Korrektorat gutgetan.

Steine schmeißen
Sophia Fritz
Steine schmeißen *
Kanon Verlag 2021
Hardcover mit Schutzumschlag
229 Seiten
ISBN 978-3-98568-007-8
Bildquelle: Literaturtest
* = Affiliate- / Werbelink


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