Schwarzes Watt von Hendrik Berg

Schwarzes WattIna Maurer macht mit ihrem Ehemann und den beiden Kindern in St. Peter-Ording Urlaub. Plötzlich sieht sie den Mann, der vor fast zwanzig Jahren ihre erst sechzehn Jahre alte Schwester Nelly umgebracht hat. Sie verfolgt den Mann, doch verliert sie seine Spur und geht daraufhin zur Polizei. Kriminalhauptkommissar Theo Krumme kann mit Hilfe seiner Kollegen Holger Mannsen und Patrizia Reichel sowie der Auswertung von Überwachungskameras die Identität des Mannes feststellen. Die Beamten statten ihm einen Besuch ab und stellen erstaunt fest, dass es sich bei dem Gesuchten um einen von allen Gemeindemitgliedern respektierten Pastor handelt. Auch Krummes Vorgesetzter kennt den Pastor und glaubt an seine Unschuld. Doch Ina besteht darauf, dass er der Mörder ihrer Schwester ist, den sie an seiner Narbe auf der Stirn erkannt haben will. Auf der anderen Seite sagt Inas Ehemann, dass sie sich in den vergangenen Jahren schon mehrmals sicher war und es sogar Verleumdungsklagen der zu Unrecht Beschuldigten gegeben hat. Während die DNA-Probe noch ausgewertet werden muss, besucht Krumme einen Kollegen, der seinerzeit die Ermittlungen an dem Mord an Nelly leitete.

Hendrik Berg beginnt das erste Kapitel seines Kriminalromans „Schwarzes Watt“ mit einer Begebenheit aus dem Jahr 1634 in Eiderstedt, einer Halbinsel an der Nordseeküste. Es folgt ein Kapitel mit dem Ausflug der beiden Schwestern Ina und Nelly, in deren Verlauf Ina ihre zwei Jahre jüngere Schwester mit blutigem, zerschlagenem Gesicht auffindet, nachdem sie an einer Bar aufgehalten wurde. Ohne eine zeitliche Angabe folgt darauf das aktuelle Handlungsgeschehen, bei dem der Leser unvermittelt mit der inzwischen verheirateten Ina und einem Zeitsprung von fast zwanzig Jahren konfrontiert wird. Im weiteren Verlauf folgen noch willkürlich drei weitere Kapitel mit Begebenheiten vergangener Jahrhunderte.

Das eigentliche Thema des Plots greift der Autor zwar immer wieder auf, doch widmet er sich ausführlich einer Reihe von Nebenschauplätzen, die für die Handlung nicht relevant sind. Dass Theo Krumme zur Untermiete bei Marianne wohnt, die er sehr mag, und dass diese vorübergehend den Hund Watson ihrer Nachbarin pflegt, der wiederum für schlaflose Nächte beim Kommissar sorgt, ist zwar erwähnenswert. Aber muss auch noch lang und breit ausgeführt werden, wie Watson zu einem Freund gebracht wird, weil Theo Krumme mit Marianne Karten für die Elbphilharmonie hat? Es ist durchaus auch für die Leser von Interesse, etwas über dieses gigantische Bauwerk zu erfahren, aber in dem Ausmaß, mit vielen Details? Dasselbe gilt für den gesamten Besuch der beiden in Hamburg, denn eine Verbindung zu dem eigentlichen Fall gibt es hier ebenso wenig wie bei den Ausführungen anlässlich eines Tanzwettbewerbs. Informativ sind dagegen die Ausführungen von Hendrik Berg zu den Schlicklöchern im Watt. Diese gefährlich weichen, schlickigen Bereiche werden mit Warnschildern gekennzeichnet, weil man bei Missachtung tief einsackt und nur von der Feuerwehr gerettet werden kann.

Irritierend sind die Altersangaben zum vermeintlichen Mörder von Nelly. Zum Zeitpunkt der Tat wird er als nur kaum älter als Ina beschrieben. Später ist er um die Fünfzig, während Ina aber noch keine vierzig Jahre alt ist. Wenig glaubhaft ist es, dass eine Mutter einem Jungen das Rennrad entreißt, um ein Taxi zu verfolgen. Mit ihrer Person wird sich aber nicht nur deshalb kaum ein Leser identifizieren können. Neben durchaus auch spannenden Passagen ziehen sich durch den Kriminalroman „Schwarzes Watt“ zudem mystische Anklänge, denn immer wieder taucht ein barfüßiges Mädchen mit langen, schwarzen Haaren plötzlich aus dem Nichts auf, das ausschließlich von Ina und dem Mörder gesehen wird. Einen roten Faden sucht der Leser in der Handlung allerdings vergeblich!

Schwarzes Watt von Hendrik Berg

Schwarzes Watt
Goldmann Verlag 2018
Taschenbuch
368 Seiten
ISBN 978-3-442-48728-8

Bildquelle: Goldmann Verlag
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