Der Roman Schwarzer Mann von Daniel Holbe ist bereits der zweite Kriminalfall mit den Kommissaren Sabine Kaufmann und Ralph Angersbach von der Mordkommission Bad Vilbel. Sabine Kaufmann ist vor acht Monaten aus Frankfurt in ihren Heimatort zurück gekommen, um sich besser um ihre kranke Mutter kümmern zu können. Sie war an einigen vielbeachteten Morduntersuchungen beteiligt und ist eine Frau, die Herausforderungen sucht. Doch Bad Vilbel ist keine Metropole des Verbrechens, und die letzte Mordermittlung liegt bereits Wochen zurück. Deshalb wurde ihr Kollege Ralph Angersbach inzwischen an das Präsidium in Lauterbach ausgeliehen, um die Kollegen im Vogelsbergkreis zu unterstützen.

In den drei Wochen, die Ralph Angersbach, der in der Region aufgewachsen ist, im Vogelsbergkreis durchhalten muss, kann es nicht viele Morde geben, und so besucht der Kommissar zunächst einmal seinen alten Freund, den Metzger Neifinger. Der bittet ihn, auf dem Hof von seinem Kunden Johann Gründler Nachforschungen anzustellen, denn der Alte scheint verschwunden zu sein. Aber ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt wird der Kommissar zu einem Tatort in der Nähe von Hopfmannsfeld gerufen, wo ein Mann kopfüber mit den Füßen an einem Galgen aufgehängt wurde. Der Tote ist Mitte fünfzig und wie sich herausstellt, handelt es sich um den ehemaligen Terroristen Veith Gruber, der in den achtziger Jahren an mindestens zwei Sprengstoffanschlägen sowie einer Schießerei mit der Polizei, bei der ein Beamter getötet wurde, beteiligt war. Er wurde erst vor ein paar Wochen begnadigt, was für einen Aufschrei in den Medien gesorgt hat.

Die eigentlich fantastische Idee für einen Kriminalfall hat Daniel Holbe in dem Roman Schwarzer Mann leider nicht sehr realistisch umgesetzt. Der Leser erfährt zwar einiges über die Region sowie die beiden Kommissare Sabine Kaufmann und Ralph Angersbach, die mit ihren privaten Problemen einen großen Teil des Ablaufs der Handlung bestimmen und dabei ziemlich dilettantische Polizeiarbeit leisten. Die konstruiert wirkende Handlung plätschert dahin, ohne dass Spannung aufkommt, und der Leser stellt sich die Frage, wann die eingesetzte Sonderkommission endlich mit ernsthaften Ermittlungen beginnt. Um es gleich vorweg zu nehmen: Gar nicht! Sabine Kaufmann und Ralph Angersbach können den Fall, trotz der Unterstützung durch zwei Beamte vom Landeskriminalamt, nicht aufklären und gefährden zudem durch ihr leichtsinniges Verhalten nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das Leben anderer Beteiligter. Es ist nur einem Zufall zu verdanken, dass der Kriminalroman Schwarzer Mann am Ende glimpflich ausgeht und die beiden Ermittler überleben. Allerdings gelingt es Daniel Holbe im letzten Absatz doch noch, den Leser in Erstaunen zu versetzen, als der Dienststellenleiter Konrad Möbs den beiden Kommissaren zu ihren erfolgreichen Ermittlungen gratuliert, was eine Fortsetzung befürchten lässt.

Daniel Holbe, Schwarzer Mann, Knaur Verlag 2015, Taschenbuch, 444 Seiten, ISBN 978-3-426-51648-5, Preis: 9,99 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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