Macht, Geld und Mord in den Grachten von Amsterdam

Cover von Schwarze Kanäle von Guido Eekhaut

Ein gefährliches Spiel mit politischen Extremen

Die Handlung von Schwarze Kanäle von Guido Eekhaut spielt in Amsterdam, einer Stadt, in der Drogen, Prostitution und die Schwulenszene allgegenwärtig sind. Der linke Aktivist und mit den Kommunisten sympathisierende Pieter van Boer hat sich in eine zur äußersten Rechten gehörende Partei der Niederlande eingeschleust.

Deren Gründerin, Hendrika van Tillo, hat eine Liste mit rund 300 Personen erstellt, die hohe Summen an ihre Partei spenden. Sämtliche Namen sind mit Wirtschaftskriminalität und Geldwäsche verknüpft. Van Boer gelingt es, diese Liste auf illegalem Weg in seinen Besitz zu bringen.

Ein Mord, eine Liste und eine Verfolgungsjagd

Der russische Finanzier Adam Keretsky, der legale Geschäfte als Tarnung für seine Operationen nutzt und bald zu den Hauptaktionären der mächtigen Fabna-Bank zählen wird, setzt alles daran, die Veröffentlichung der Liste zu verhindern. Er beauftragt Andrej Tarkovski und Parnow mit der Beseitigung des Problems.

Van Boer wird von Parnow kaltblütig erschossen. Als dieser gerade mit der Liste verschwinden will, betritt van Boers Freundin Eileen Caster die Wohnung. Ihr gelingt die Flucht – und sie nimmt die brisante Liste mit. Zunächst taucht sie bei ihrem Bruder unter.

Ermittler unter Verdacht

Die dem Staatsschutz AIVD unterstellte Hoofdcommissaris Alexandra Dewaal übernimmt den Fall. Sie zieht den Hoofdinspecteur Walter Eekhaut hinzu, der neu in ihrem Stab ist – auch, weil sie einen Maulwurf in den eigenen Reihen vermutet.

Eekhaut verfügt über eine besondere Gabe zur Einschüchterung und erreicht mit seiner zynischen Art oft mehr als seine Kollegen. Wegen seiner unkonventionellen Methoden hat er sich nicht viele Freunde gemacht und wurde daher von Belgien in die Niederlande versetzt. Unterstützt werden Dewaal und Eekhaut von Nick Prinsen, van Gils und Breukeling aus der Verbrechensbekämpfung.

Prinsen und Breukeling übernehmen das Abhören von Wanzensignalen. Dabei gelingt es Breukeling, seinen jungen Kollegen hinters Licht zu führen. Aus dem Wunsch nach einem besseren Leben für sich und seine Frau lässt er sich korrumpieren – ein Doppelspiel, das er schließlich mit dem Leben bezahlt.

Auf der Flucht nach Belgien

Gemeinsam finden Dewaal, Eekhaut, Prinsen und van Gils heraus, dass Eileen Caster auf der Flucht zu ihrer Schwester nach Belgien ist, und nehmen die Verfolgung auf. Doch auch Keretsky, Tarkovski und Parnow sind ihr dicht auf den Fersen.

Für Dewaal und Eekhaut stellt sich eine zentrale Frage: Wie können sie Eileen Caster schützen, falls sie sie rechtzeitig finden? Und was soll mit der Liste geschehen? Sie sind gezwungen, sie der rechtmäßigen Besitzerin zurückzugeben – doch können oder dürfen sie es dabei bewenden lassen?

Ein Netz aus Korruption und Gewalt

Gelingt es ihnen, Hendrika van Tillos schmutzige Geschäfte nachzuweisen? Oder dem einflussreichen Sprecher zahlungskräftiger Geschäftsleute, Dirk Benedict Monet? Welche Rolle spielt er bei den Morden? Und können sie von dem jungen, studierten Tarkovski noch Informationen erhalten, um den wahren Drahtzieher hinter all dem zu entlarven?

Ein außergewöhnlich guter Thriller

Guido Eekhaut baut in Schwarze Kanäle bereits im Prolog eine dichte Spannung auf und hält sie bis zur letzten Seite. Im Zentrum steht eine politische Schmiergeldaffäre, in die prominente Akteure aus Wirtschaft und Politik verwickelt sind – korrupt, skrupellos und bestens vernetzt.

Wieder einmal geht es um Öl, organisiertes Verbrechen und illegale Organisationen. In einem Verhör heißt es sinngemäß, man könne keine Zahlungen nachweisen; das Geld fließe über Schattenorganisationen oder kurzfristig gegründete Stiftungen und hinterlasse kaum Spuren.

Diese düsteren Machenschaften verpackt Eekhaut in teils sehr amüsante, sarkastische Dialoge. Spricht man von guten oder mäßigen Thrillern, müsste man hier von einem außergewöhnlich guten Thriller sprechen – einem Stoff, aus dem sich ohne Zweifel auch ein Drehbuch machen ließe.

Schwarze Kanäle von Guido Eekhaut

Cover von Schwarze Kanäle von Guido Eekhaut
Übersetzung von Stefanie Schäfer
Rowohlt Verlag 2011
Taschenbuch
432 Seiten
ISBN 978-3-499-25567-0

Bildquelle: Rowohlt Verlag

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