Zwischen Bühne und Abgrund: Anne Enrights Roman Die Schauspielerin

Buchcover des Romans Die Schauspielerin

Die Suche nach der Mutter

In ihrem Roman Die Schauspielerin* lässt Anne Enright die Ich-Erzählerin Norah der Frage nachgehen, wer ihre Mutter wirklich war – nicht nur als öffentliche Figur, sondern als Mensch. Für Norah ist es bereits rätselhaft, dass ihre Mutter, die Schauspielerin Katherine O’Dell, ihren Geburtsort London geheim hielt. In Irland feierte Katherine erste Erfolge, die ihr als Sprungbrett für eine Karriere dienten, die sie ab Mai 1948 für dreiundzwanzig Jahre an den Broadway führte. Norah, die 1952 in Brooklyn geboren wurde, erinnert sich an die vielen Zigaretten, die ihre Mutter rauchte, und an deren übermäßigen Alkoholgenuss.

Der Zusammenbruch einer Schauspielerin

Schon früh berichtet Norah von einem Vorfall im Jahr 1980, bei dem ihre Mutter den Filmproduzenten Boyd O’Neill in den Fuß schoss.

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Die Notaufnahmeschwester von Ingeborg Wollschläger

Ein Alltag zwischen Leben, Tod und Wahnsinn!

Die NotaufnahmeschwesterWer wie Ingeborg Wollschläger zwanzig Jahre Notaufnahmeschwester war, hat einiges erlebt. In ihrem Sachbuch schreibt sie, wie sie in Pfarrhäusern aufgewachsen ist und sich für eine Ausbildung als Schwesternschülerin entschieden hat. Zunächst arbeitete sie in der Neurochirurgie und der Dialyse, bis sie in die Notaufnahme wechselte. Sie nennt Gründe, warum es dort nicht immer der Reihe nach gehen kann, welche Regeln das Leben für medizinisches Personal sowie Patienten angenehmer machen und wie einmal erlerntes und über die Jahre verloren gegangenes Wissen durch Erfahrung wettgemacht werden kann. Sie weist auf die Bedeutung des Nocebo-Effekts hin und erklärt, was Mediziner unter einem Notfall verstehen. Eine gute Beobachtungsgabe ist ihrer Meinung nach in diesem Beruf unabdingbar.

Interessant sind die vielfältigen Reaktionen, die sie zu ihrem Job als Notaufnahmeschwester erfahren hat, von dem sie allerhand Kurioses und schier Unglaubliches zu berichten weiß. Natürlich hatte sie während ihrer Arbeit auch weniger schöne Erfahrungen machen müssen und eine der Kehrseiten sind unangenehme Gerüche, denen sie unweigerlich ausgesetzt war.

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Die Gefangenen von Debra Jo Immergut

Die GefangenenMiranda Greene ist wegen Totschlags zu zweiundfünfzig Jahren Haft verurteilt worden, wobei sie wenig Aussicht auf eine vorzeitige Entlassung hat. In der Justizvollzugsanstalt Milford Basin in New York soll der Zweiunddreißigjährigen der gleichaltrige Psychologe Frank Lundquist seelischen Beistand leisten, nachdem sie aus der Isolationshaft entlassen wurde. Dem Gefängnispsychologen fallen sofort ihre rötlich gefärbten Haare und der Gang auf. Er kennt die Gefangene, denn während der gemeinsamen Schulzeit auf der Lincoln High-School hat er heimlich für sie geschwärmt. Ihm wird augenblicklich bewusst, dass er den Fall wegen nicht gegebener Objektivität und Befangenheit ablehnen müsste, doch ist er fest entschlossen, ihr zu helfen.

Im Gegensatz dazu nutzt Miranda die Hilfsbereitschaft des Psychologen aus und bittet ihn bei seinen Besuchen um die Verschreibung von Tabletten, die sie zu dem Zweck horten will, ihrem Leben in der Frauenhaftanstalt ein Ende zu setzen.

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„Blaue Nächte“ – Ein Roman über verpasste Chancen und lebenslange Versprechen

Buchcover des Romans Blaue Nächte

Ein rätselhafter Besucher im Blue Nights

Als Milenas Mutter erkrankt, soll sie vorübergehend im Klub Blue Nights aushelfen, den ihre Mutter nach dem Tod des Vaters weiterführt. Eines Abends möchte ein etwa siebzigjähriger Mann den Klub betreten. Er spricht von „riesigen Fehlern“, die er begangen habe, und davon, dass dies seine letzte Gelegenheit sei, alles wieder in Ordnung zu bringen. Offensichtlich verwirrt, wird er zunächst vom Türsteher und schließlich auch von Milena abgewiesen. Plötzlich bricht er zusammen und wird mit einem Rettungswagen abtransportiert.

Kurz darauf tritt eine ältere Dame in einem azurblauen Kleid aus dem Blue Nights. Milena erinnert sich, sie zuvor an der Bar gesehen zu haben. Vermutlich wollte der Mann zu ihr, mutmaßt Milena, und versucht vergeblich, sie aufzuhalten.

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Mord im Alpenstern – Wenn die Musik verstummt

Buchcover: Bergab geht's tot am schnellsten

Ein verlockendes Angebot

Henni, mit bürgerlichem Namen Henriette Sophie von Kerchenstein, und ihre Freundinnen Cindy und Claudia verweilen zum gemeinsamen Musizieren und Feiern bei Hennis Großmutter auf Schloss Kerchenstein. Dort entschließen sie sich, ein ungewöhnliches Angebot anzunehmen: Lauretta Linz feiert den einhundertsten Geburtstag ihres seit über dreißig Jahren verstorbenen Ehemannes im Grandhotel Alpenstern in den Schweizer Bergen – mit einem rauschenden Fest. Da Hennis Kasse wegen einer Steuernachzahlung leer ist und die Gage zu verlockend klingt, machen sich die drei Frauen samt Instrumenten auf den Weg. In St. Nikolaus werden sie von Sepp Lustenberger, Skilehrer und Sohn des Bürgermeisters, empfangen. Doch das Hotel in den verschneiten Bergen wirkt auf die Frauen wenig einladend.

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Scharfschütze von Christian Kärger

ScharfschützeMitten in München werden vor einem Café fünf Menschen kaltblütig erschossen. Zwischen den Toten scheint es keine Verbindung zu geben, ein Motiv ist nicht erkennbar und der untergetauchte Täter hat keine Spuren hinterlassen. Auch nach zwei Wochen tritt die Soko Scharfschütze noch auf der Stelle, woraufhin sich Kriminaldirektor Dr. Schubert keinen anderen Rat weiß, als den ehemaligen Kriminalhauptkommissar Paul Simon ins Boot zu holen, der seit der Geburt seiner zweiten Tochter auf Wunsch seiner Ehefrau freiwillig den Dienst quittiert hat und in seiner Rolle als Hausmann glücklich ist. Obwohl ihn sein früherer Kollege und bester Freund Abel Lackhardt inständig um Unterstützung bittet, lehnt er ab. Erst als ihn seine ältere Tochter bittet, den Mörder ihrer unter den Mordopfern befindlichen Mitschülerin zu finden, nimmt er eine Sonderrolle als externer Ermittler an.

Während das LKA und der Verfassungsschutz keine neuen Erkenntnisse vorweisen können, bittet Paul seinen Kollegen Abel sowie die neue Kollegin Sandra Kleinert um absolutes Stillschweigen bezüglich der eigenen Ermittlungen, für die er sich ausdrücklich „freie Hand“ beim Chef erbeten hat.

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Dreck am Stecken von Alexandra Fröhlich

Dreck am SteckenDer als Redakteur bei einer Zeitung beschäftigte Johannes wird von dem Heim, in dem sein an Alzheimer erkrankter Großvater untergebracht ist, über dessen Tod unterrichtet. Wenig später erhält er einen Anruf von Friedrich Löwe, der sich als ehemaliger Rechtsanwalt des verstorbenen Großvaters ausgibt und Johannes nebst seinen drei Brüdern zur Testamentseröffnung in die Kanzlei bittet. So informiert dieser seine Brüder: Jakob, der extra aus London nach Hamburg anreisen muss, den in Hannover niedergelassenen Chirurg Philipp und Simon, der wegen verkrampfender Anfälle mit seiner Betreuerin Ania auf dem Land lebt. Bei dem Zusammentreffen in der Kanzlei können die Brüder lediglich eine Kiste mit Fotos und losen Blättern, die ihnen der Großvater hinterlassen hat, in Empfang nehmen, worauf Simon unmittelbar mit einem Anfall reagiert.

Während Jakob und Philipp die Kiste am liebsten im Müll entsorgen wollen, überwiegt bei Johannes die Neugier. Ania bestärkt ihn darin, sich die Unterlagen anzusehen, denn seit dem Treffen haben sich die Anfälle von Simon gehäuft und er klagt über schlechte Träume, was kein Zufall sein kann.

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Urlaub auf Probe – Wenn Rentner reisen und konkurrieren

Buchcover Mein Mann, der Rentner, auf Tour statt Kur

Ein Ehepaar im Reisefieber

Seit nunmehr drei Jahren genießt Günther Schmidt das Rentendasein und verbringt seinen Lebensabend mit seiner Ehefrau Rosa. Wie bei vielen älteren Menschen plagen sie kleinere Zipperlein, und ihre Gedanken kreisen um mögliche Grippeinfektionen oder beginnende Arthrose. Nachdem ihre Freunde sogar bis ins südamerikanische Patagonien gereist sind, wollen auch sie sich endlich einmal etwas gönnen.

Allerdings stellen sie fest, dass ihre Vorstellungen von Urlaub weit auseinandergehen: Während Günther einen Campingurlaub favorisiert, möchte sich Rosa lieber auf einer Kreuzfahrt verwöhnen lassen. Tochter Julia hat die rettende Idee für das Dilemma und schlägt einen Wettstreit vor. Jeder darf einen Urlaub nach seinen Wünschen planen – am Ende soll der Spaßfaktor entscheiden.

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Ich und meine Mutter von Vivian Gornick

Ich und meine MutterIn ihrem autobiografischen Roman Ich und meine Mutter* schreibt Vivian Gornick von einigen Stationen ihres Lebens. Aufgewachsen ist sie in dem New Yorker Stadtteil Bronx, wohin es einst ihre aus Russland stammende Großmutter verschlagen hat. Mit dreizehn Jahren verlor sie ihren Vater und lebte fortan nur noch mit ihrem neun Jahre älteren Bruder und ihrer Mutter zusammen, der die Liebe ihres Mannes fehlte und sie depressiv werden ließ. Bis zu ihrem einundzwanzigsten Lebensjahr wohnte die als Journalistin arbeitende Vivian Gornick in einem Mietshaus, mit dem sie zahlreiche Erinnerungen verbindet.

Die Handlung wird von Gesprächen der fünfundvierzigjährigen Autorin mit ihrer siebenundsiebzigjährigen Mutter dominiert, die beide durch Manhatten führen. Wechselweise erinnern sie sich an die schwere Zeit des Kriegs und der Inflation, an die ehemalige Wohnung und die Nachbarn, insbesondere die früh zur Witwe gewordene Nettie.

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Rückkehr nach Wedding – Regina Scheers Roman über Erinnerung, Identität und Verfolgung

Buchcover des Romans Gott wohnt im Wedding

Ein Ort der Vielfalt und Erinnerung

Im Berliner Ortsteil Wedding leben viele Menschen mit Migrationshintergrund, die aus den unterschiedlichsten Kulturen stammen. Dort ist auch Leo Lehmann, der Protagonist des Romans Gott wohnt im Wedding*, aufgewachsen. Im Jahr 1948 wanderte er nach Israel aus und kehrt nach über siebzig Jahren mit seiner Enkelin Nira wegen einer Erbschaftsangelegenheit zurück. Immer wieder steht er an der Stelle, an der er seinen Freund Manfred zum letzten Mal sah. Als „U-Boote“ fanden die beiden Juden nachts Unterschlupf bei Gertrud Romberg. Doch offensichtlich war sie eine Verräterin, denn ihre Wohnung wurde für Manfred zur Falle.

Familiengeschichte und persönliche Tragödien

Der Roman erzählt die Familiengeschichte von Leo Lehmann, dessen Eltern im Konzentrationslager ums Leben kamen. Seine Frau Edith ist bereits seit zwanzig Jahren tot, und der Besitz ihrer Mutter wurde vom Deutschen Reich eingezogen.

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