Adam Schmitt geht auf die Fünfzig zu und arbeitet als Rechtsanwalt in der Kanzlei seines Schwiegervaters Rainer Ernst. Obwohl er eine Affäre schon vor Monaten beendet hat, traut ihm seine Frau Conny nicht mehr. Adam setzt dieser Umstand dermaßen zu, dass er während eines Spaziergangs im Berliner Stadtpark einen plötzlichen Herztod erleidet. Nachdem ihn Sanitäter unter Einsatz eines Defibrillators zurück ins Leben holen konnten, verordnet ihm ein Kardiologe eine Auszeit. Adam soll einfach einmal nichts tun.

So verschlägt es Adam nach Island, wo er aus Unachtsamkeit von einer Klippe stürzt. Über dem Abgrund baumelnd rettet ihn ausgerechnet ein kleines Menschlein, das behauptet, ein Troll zu sein. Aus Dankbarkeit bietet Adam seinem Retter Magnus Magnusson an, ihn ein Stück mit dem Auto mitzunehmen. Doch er ahnt nicht, dass der Troll von nun an nicht mehr von seiner Seite weicht. Um seine Ehe zu retten, kommt Adam vorzeitig nach Berlin zurück, wo er sich mit dem Troll in einem Hotelzimmer einquartiert, in dem Saufen nur in Zimmerlautstärke geduldet wird. Er stellt zunehmend fest, dass zwischen ihm und Magnus enorme Verständigungsschwierigkeiten bestehen, die zu immer mehr Problemen führen. Zu allem Überfluss bereitet ihm seine Tochter Lena auch noch Sorgen, weil ihre Hochzeit zu platzen droht. Da bietet ihm der Troll die magischen Kräfte eines Runensteins an, was Adam dankbar annimmt, denn noch macht er sich selbst in seinen kühnsten Träumen keine Vorstellung von den sich daraus ergebenden Konsequenzen.

Der Protagonist trifft in dem obskuren und skurrilen Roman Saufen nur in Zimmerlautstärke von Hans Rath wiederholt auf den isländischen Botschafter Helgi Hannesson, der ihm die Gesetze und Regeln der Trolle erklärt und auf Hauptkommissar Gerdes, den er von seiner Unschuld überzeugen muss, denn Magnus ist wirklich für jede Überraschung gut. Wenn es im realen Leben auch keine Trolle gibt, die ihren Ursprung in der nordischen Mythologie haben, so ist aber weder der plötzliche Herztod von Adam, noch die seinen Schwiegervater befallene transitorische ischämische Attacke, eine Durchblutungsstörung im Gehirn, eine Erfindung des Autors. Ebenfalls ist es Fakt, dass auf Island das Wasser schwefelhaltig ist und Leif Eriksson bereits 500 Jahre vor Kolumbus amerikanischen Boden betreten hat.

Mit hintergründigem Humor präsentiert Hans Rath eine Geschichte, die zum Nachdenken über den Sinn des Lebens und die gesetzten Ziele zwingt. Denn viele Menschen sind heutzutage regelrecht in einem Hamsterrad gefangen und wollen immer mehr, obwohl sie schon alles haben. Es ist nicht zu übersehen, dass der Autor Kritik an den Juristen übt, die den eigentlich hinter Gittern gehörenden Steuersündern ein Leben in Freiheit ermöglichen. Außerdem prangert er die gesellschaftliche Doppelmoral an, was durch die recht amüsanten Gesprächen zwischen Adam und seinem Schwiegervater deutlich wird. Als Leser verfolgt man die Einfälle des Trolls gespannt und denkt bei jedem Streich, dass es nun nicht mehr schlimmer kommen kann, was natürlich beim nächsten Mal noch getoppt wird. Saufen nur in Zimmerlautstärke ist ein Roman mit viel Wortwitz, der mit einer tiefsinnigen und intelligenten Geschichte überzeugt, bei der es sich lohnt, zwischen den Zeilen zu lesen. Ein Lesespaß, der vergnügliche Stunden bereitet!

Hans Rath, Saufen nur in Zimmerlautstärke, Hardcover, 298 Seiten, ISBN 978-3-463-40696-1, Preis: 16,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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