Der Mathematikstudent Lenny hat sich einen besonderen Moment ausgesucht, um Zoe einen Ring zu schenken. Der Urlaub in Südfrankreich scheint ihm der ideale Zeitpunkt dafür zu sein. Doch bevor er am Pool die Chance wahrnehmen kann, fällt der Ring ins Wasser und bleibt trotz seiner Tauchversuche unauffindbar. Zurück auf dem Zimmer, steht ein für Lenny fremder, junger Mann vor der Tür. Nachdem der sich kurz mit Zoe zurückgezogen hat, stellt sie ihn, einen angehenden Chirurg, als ihren Liebhaber vor. Lenny weiß nicht, wie ihm geschieht, aber letztlich bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich enttäuscht in sein Schicksal zu fügen und das Hotel zu verlassen. Er trampt zum Bahnhof, wo seine Pechsträhne anhält, denn sowohl sein Portemonnaie, als auch seine Reisetasche wird gestohlen. Ohne Ausweis kann ihm leider auch die Polizei nicht weiterhelfen und so nimmt er dankbar einen Tipp an, es mit Couchsurfing zu versuchen.

Nachdem er es bei den ersten beiden Gastgebern nicht ausgehalten hat, landet der penibel auf alles achtende, ordnungsliebende Lenny ausgerechnet bei der chaotischen Hanna und ihrem fünfjährigen Sohn Ben. Lenny will nichts lieber als endlich seine Ruhe finden und schlafen, was jedoch bei Hanna unmöglich ist. Immer noch ohne Geld, will er zumindest seiner Gastgeberin nicht auf der Tasche liegen und sucht sich notgedrungen einen Job, den er als Kinderanimateur auch findet. Allerdings hat er mit Kindern keinerlei Erfahrung.

In dem turbulenten Roman Sand in Sicht von Katrin Einhorn jagt eine Katastrophe die nächste, indem der Protagonist regelrecht vom Pech verfolgt wird. Dass es zu Pannen kommt, wenn ein im Umgang mit Kindern unerfahrener Mann wie Lenny sich als Kinderanimateuer oder als Babysitter für den kleinen Ben betätigt, ist vorprogrammiert. Die Szenen, in denen er in Ausübung seines Jobs verkleidet auftreten muss, ziehen sich etwas in die Länge.

Die Autorin überzeugt nicht nur mit Ideenreichtum und einem flüssigen Schreibstil, sondern auch mit interessanten Umschreibungen, wenn sie beispielsweise vom „Blauanteil des Sonnenlichts“ schreibt, das morgens durch „Luftmoleküle gestreut“ wird. Beim Leser weckt Katrin Einhorn von Anfang an die Neugier über den Fortgang der Handlung, denn er will wissen, wie es Lenny ergeht. Im weiteren Verlauf stellt dieser sogar noch seine detektivischen Fähigkeiten als Beschatter unter Beweis, was den Plot belebt. Sand in Sicht ist ein Roman mit gutem Unterhaltungswert und für die Lektüre im Sommerurlaub genau das Richtige.

Katrin Einhorn, Sand in Sicht, Deutscher Taschenbuch Verlag 2017, Taschenbuch, 304 Seiten, ISBN 978-3-423-21669-2, Preis: 9,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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