Rosa-weiße Marshmallows von Bettina Ehrsam

Rosa-weiße MarshmallowsNach einem für Lisa Flanders traumatischen Erlebnis und darauffolgenden Suizidversuch wurde sie in einer Klinik in Boston behandelt und mit dreiundzwanzig Jahren entlassen. Weil ihre Freundin Maude ihr vom Leben ihres Bruders Dave und seiner Frau Agnes auf der Farm Walworth in Wisconsin vorgeschwärmt hat, zieht sie vorübergehend zu ihnen. Agnes und Dave machen sich wie auch sein Bruder Tom und die Kinder Roy und Kevin über sie wegen ihrer unzureichenden bäuerlichen Kenntnisse lustig. Allein zu dem Schamanen Big Wam gewinnt Lisa Vertrauen, wenn sie sich abends zu ihm ans Feuer setzt, wo er „Rosa-weiße Marshmallows“ auf Spießen so lange über der Glut dreht, bis sie nach Karamell duften. Obwohl sie glaubte, nie mehr im Leben glücklich sein zu können, schöpft sie in seiner Gegenwart Hoffnung.

Nach zehn Jahren vergeblicher Suche haben Lisas Eltern Walt und Dana die Hoffnung aufgegeben, dass Lisa noch lebt. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, dass Lisa mit einem Bus nach Chicago reiste, am Flughafen in O-Hare jedoch nie ankam. Auch der eingeschaltete Privatdetektiv konnte keine weiteren Spuren ausfindig machen. Caroline, eine weitere und mittlerweile einundzwanzigjährige Tochter, erträgt kaum noch die Enge im Elternhaus mit ihrer alles kontrollierenden Mutter und will endlich auch Gewissheit über den Verbleib ihrer Schwester haben. Nachdem sie zunächst mit ihrer Freundin Mary nach Lisa suchen wollte, kann sie Rocco Malone dazu überreden, den sie zufällig trifft und der früher in Lisa verliebt war. Er kann Caroline zumindest etwas über deren Klinikaufenthalt erzählen und ihre eine Karte präsentieren, die aller Wahrscheinlichkeit von Lisa vor sechs Jahren an ihn geschrieben wurde. Die Suche nach ihrer Schwester wird für Caroline immer mehr zu einer Selbstfindung, die ihre Vergangenheit auf den Kopf stellt.

Der Roman „Rosa-weiße Marshmallows“ beginnt im Jahr 2006, als sich Lisa auf ihre Entlassung aus der Klinik vorbereitet. Schon auf den ersten Seiten deutet Bettina Ehrsam an, dass ihre Protagonistin zu ihrer Mutter ein zwiespältiges Verhältnis hat, was jedoch nicht das vorrangige Problem ist. Vielmehr belastet Lisa ein „Unglück an der Metrostation“, das ihr ein Weiterleben erschwerte. Nach etwa einem Drittel des seitenstarken Buches wechselt die Handlung zu zehn Jahren späteren Ereignissen: Lisas Schwester Caroline erinnert sich an ihre Kindheit, spricht mit Rocco über Lisa und den Suizidversuch, deren Grund sie nicht kennt. Der Leser hat das Gefühl, mit der neuen Handlung ein anderes Buch in Händen zu halten und folgt den Unternehmungen und Gesprächen der beiden mit so großem Interesse, dass es fast schon zweitrangig wird, ob Rocco und Caroline ihre Schwester finden.

Der weitere Handlungsverlauf des Romans „Rosa-weiße Marshmallows“ offenbart eine Reihe in sich abgeschlossener Geschichten, die jedoch von der Autorin derart lebendig wie auch interessant geschildert werden, dass sie den Leser nicht ungeduldig werden lassen und ihn im Gegenteil bestens unterhalten. Die nicht selten dem Automechaniker und begeistertem Oldtimer-Fan Rocco gegenüber undankbare Caroline ist gefühlsmäßig hin- und hergerissen, während er sich mit seiner schroffen Art oftmals über sie lustig macht. Als Caroline von ihren Eltern und ihrer Freundin Mary vor Rocco gewarnt wird, ist sie verunsichert und fragt sich, ob er nur mit ihr „spielt“. Bis zum Schluss kann Bettina Ehrsam den Leser an den Plot fesseln, der mit zahlreichen überraschenden Wendungen überzeugt.

Rosa-weiße Marshmallows von Bettina Ehrsam

Rosa-weiße Marshmallows
rosa Verlag 2021
Broschur
616 Seiten
ISBN 978-3-985-22749-5

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