Rabeneck von Claudia Rimkus

RabeneckIm Atrium des Internats „Rabeneck“ wird die Leiche der Lehrkraft Susanne Schaller aufgefunden. Nachdem auch noch eine Schülerin spurlos verschwindet, bitten Hauptkommissar Hannes Bremer und seine Kollegin Pia Wagner die ehemalige Leiterin des Polizeiarchivs, Charlotte Stern, um Unterstützung. Mit neuer Identität unter ihrem Mädchennamen Charlotte Arndt ausgestattet, soll sie als Vertretungskraft für einen Fotoworkshop sowie für Fitness- und Tenniskurse in das Internat eingeschleust werden. Professor Philipp Thaler verlangt, ihr als forensischer Psychologe zur Seite gestellt zu werden, da er ein Verhältnis mit Charlotte hat und als Beschützer in ihrer Nähe sein will.

Zunächst weiß Charlotte nicht, wo sie mit ihren Recherchen beginnen soll, da die Befragungen der Lehrer durch Hannes Bremer nichts Verwertbares ergeben haben. Sie freundet sich mit der Sekretärin Ingrid Brandt an, die im Gegensatz zum mürrischen Hausmeister Bodo Kaminski hilfsbereit ist. Zum Leidwesen von Philipp hat der Französischlehrer Maurice de Vellot ein Auge auf die attraktive Vertretungskraft geworfen, doch darf nicht bekannt werden, was ihn mit Charlotte verbindet, um ihren Undercover-Einsatz nicht zu gefährden. Seine diesbezüglichen Sorgen geraten allerdings in den Hintergrund, als Charlotte zufällig die Entführung eines weiteren Kindes beobachtet und selbst in höchste Gefahr gerät.

Nachdem Claudia Rimkus ihren Kriminalroman „Rabeneck“, der ihre Heimatstadt Hannover zum Schauplatz hat, direkt mit einem Leichenfund beginnt, geht es in den ersten Kapiteln eher ruhig zu. Charlotte beginnt ein Verhältnis mit Philipp Thaler und beide überschütten sich mit Komplimenten. Die Recherchen beschränken sich zunächst auf Befragungen der Lehrer und den Meinungsaustausch mit Mitgliedern einer Wohngemeinschaft, die von Philipp gegründet wurde und der Charlotte beigetreten ist. Erst ab der Buchmitte gewinnt der Plot deutlich an Spannung, die Ereignisse überschlagen sich und eine rasante Verfolgungsjagd hält den Leser in Atem.

Dass sich Claudia Rimkus in ihrem Krimi einem ernsten und sensiblen Thema widmet, zeichnet sich erst mit fortschreitendem Geschehen ab. Sie spricht zudem das Schicksal Obdachloser und das geschlagener Ehefrauen sowie Kinder an, die von einem gewalttätigen Ehemann beziehungsweise Vater tyrannisiert werden. Was die Recherchen der Autorin anbelangt, dürften nur wenige von der im Roman erwähnten stärksten konventionellen Fliegerbombe Daisy Cutter gehört haben, die im Dezember 2001 von den Amerikanern in Afghanistan und im Dritten Golfkrieg zwei Jahre später Anwendung fand. Gleiches gilt für die von Claudia Rimkus gemachten Ausführungen der Fechterstellung, einer typischen Körperhaltung, die aus der Pädiatrie und Neurologie bekannt ist, aber auch von Brandopfern durch hitzebedingte Muskelschrumpfung. „Rabeneck“ ist ein Kriminalroman, dessen Spannung sich mit fortschreitendem Handlungsverlauf steigert und hoffentlich mit einem dritten, von Charlotte Stern zu lösenden Fall eine Fortsetzung findet.

Rabeneck von Claudia Rimkus

Rabeneck
Gmeiner Verlag 2020
Taschenbuch
407 Seiten
ISBN 978-3-8392-2588-2

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Bildquelle: Gmeiner Verlag


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