Der 17-jährige Cap lebt mit seiner Mutter im ärmlichen Hamburger Stadtteil Veddel, wo viele Menschen von Industrieanlagen umgeben auf engstem Raum zusammenleben müssen. Eines Abends belauscht er in der S-Bahn eine Gruppe Jugendlicher, die auf dem Weg zu einer Hausparty an der Elbchaussee sind, und er beschließt ihnen zu folgen. Cap schafft es sogar, sich an den Sicherheitskräften vorbei Zugang zu der Poolparty zu verschaffen und ist von dem Reichtum geblendet. Nachdem er sich einen kurzen Überblick über den großzügigen Garten verschafft hat, erblickt er Lara, die sich offensichtlich langweilt. Er setzt sich zu ihr, sie tauschen Küsse aus und ziehen sich in eines der Gästezimmer zurück. Kurzerhand behauptet Cap, dass er der Hausherr ist, dem das alles gehört.

Der eigentliche Gastgeber Valentin zieht es vor, der Party fern zu bleiben und raucht lieber in seinem Zimmer einen Joint. Dem Reichtum und dem luxuriösen Haus in einem der reichsten Stadtteile Hamburgs kann er nichts abgewinnen. Seine berufstätigen Eltern sieht er kaum und wenn, dann üben sie nur Kritik an ihm. Seine Gleichgültigkeit und Flucht in eine Welt, in der er nur seine Ruhe haben will sowie die ständige Abwesenheit seiner Eltern nutzt Cap in der Folge für sein Lügengeflecht gegenüber Lara. Tatsächlich läuft zunächst alles bestens, doch dann begeht er einen tragischen Fehler.

Cornelia Franz beginnt den Jugendroman Poolparty mit drei kurzen Kapiteln, die den Leser zunächst etwas ratlos zurück lassen, da er keinen Zusammenhang erkennen kann. Sie sind jeweils in der Ich-Form geschrieben, aber es handelt sich nicht um dieselbe Person, was natürlich irritiert. Erst danach folgt die eigentliche Handlung im Erzählstil, wobei der Buchtitel eine eher lustige Geschichte erwarten lässt, bei der so richtig heiß gefeiert wird. Tatsächlich geht es aber um die sehr unterschiedlichen Lebensläufe zweier Jugendlicher, die in völlig anderen Welten aufgewachsen sind: Der eine kennt seinen Vater gar nicht und seine Mutter sorgt mit mehreren Jobs fürs Überleben, während der andere von seinen Eltern mehr Geld bekommt, als er überhaupt ausgeben kann.

Welcher Mensch möchte nicht in einem Haus leben, in dem das Gäste-WC feudaler als das eigene Badezimmer ist und in dem ein Gärtner für einen einladenden Pool sorgt? Doch Cornelia Franz zeigt die Schattenseiten eines solchen Lebens auf: Die Eigentümer hechten von Termin zu Termin, sprechen großzügig dem Alkohol zu, und anstelle eines Gesprächs mit ihrem Sohn hinterlegen sie ihm Geldscheine. Natürlich mag es im wirklichen Leben nicht so viele Zufälle wie in dem Roman geben, über die sich der eine oder andere Leser wundern mag, aber von den sich daraus ergebenen Missverständnissen und Verwechslungen lebt der spannende Roman, den Jungen wie Mädchen gleichermaßen verschlingen werden.

Cornelia Franz, Poolparty, Deutscher Taschenbuch Verlag 2015, Klappenbroschur, 217 Seiten, ISBN 978-3-423-74009-8, Preis: 12,95 Euro.

Wie bewerten Sie dieses Buch? schrecklichschlechtdurchschnittlichgutausgezeichnet 6 Stimme(n) | Bewertung 4,33 | Sie müssen sich registrieren, um am Leservoting teilzunehmen.
Loading...

Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.