Padermorde von Maren Graf (Hrsg.)

PadermordeDas Buch Padermorde , das von Maren Graf herausgegeben wurde, ist eine Anthologie weihnachtlicher Kurzkrimis um die Pader, dem in Paderborn entspringenden Fluss. Der Leser wird Zeuge eines weihnachtlichen Gansessens, wobei die Vorstellungen einer Frau und ihrer Schwiegertochter über den Verlauf in eine völlig andere Richtung gehen. Drei Ordensschwestern stellen sich bei einem Gläschen Likör den Ablauf eines Mordes vor, eine Gruppe von Freunden macht sich Gedanken über eine Reise nach Manhattan, als plötzlich der Notarzt gerufen werden muss, und im Jahr 1781 geht ein Bäckergeselle über Leichen.

In einer Geschichte vermutet eine Kriminalistin bei einem Toten eher einen Mord, als einen Suizid, und eine Polizeibeamtin wird kurz vor ihrem wohlverdienten Weihnachtsurlaub zu einem Einsatz gerufen. Einmal wird Onkel Thorsten beerdigt, ein anderes Mal erbt Britta das Haus ihrer Großmutter, von der niemand sprach und die zur Überraschung ihrer Enkelin ein Geheimnis gehütet hat. Ein Ehemann muss in einer Geschichte unbedingt vom Markt eine Weihnachtsgans mitbringen, in einer anderen wird die Einsamkeit zum Weihnachtsfest vieler Menschen, um die sich niemand kümmert, thematisiert. Ein Mörder sucht Vergebung in der Beichte, und ein Meisterdetektiv erzählt von einem geheimnisvollen Fall.

Einige der dreizehn Kurzkrimis streifen zwar nur peripher das Weihnachtsfest, so dass dieses nicht unbedingt im Mittelpunkt der Padermorde steht, aber das ist auch nicht entscheidend, da es sich bei dem Buch nicht um besinnliche Erzählungen handelt. Dem Leser wird nicht nur im Anhang bei der Vorstellung der „Tatorte“ Wissenswertes über die Orte und Gebäude entlang der Pader geboten, sondern die Geschichten selbst informieren beispielsweise über den tatsächlich im Jahr 2014 veröffentlichten Eid des Internationalen Apothekerverbandes oder ein 1777 von Fürstbischof Wilhelm Anton erlassenes Edikt, das den Kaffeekonsum für Bauern und einfache Bürger verbot. Amüsant ist der Hinweis auf ein Youtube Video, in dem es um die unterschiedliche Form der Bestellung in einer Kneipe von Männern und Frauen geht. Ein Autor hat in den Plot geschickt Bezeichnungen wie Serifen oder Kapitälchen und Wortspielereien wie apostrophaler Fehler eingebaut. Offensichtlich ist auch in einem Fall auf den Apothekerskandal in Bottrop Bezug genommen worden.

Die Kriminalgeschichten zeichnet aus, dass sie anspruchsvoll, tiefsinnig und kritisch sind. Sie erfordern die Konzentration des Lesers, der auf Andeutungen achten muss. Jede einzelne weckt von Anfang an das Interesse zum Weiterlesen und das ungewöhnliche oder überraschende Ende ist nicht immer eindeutig, was aber den besonderen Reiz der Padermorde ausmacht. Erfreulicherweise gibt es keine „Lückenfüller“, auf die häufig zurückgegriffen wird, nur um eine beachtliche Seitenzahl zu präsentieren. Leser, die intelligent aufgebaute Kriminalfälle bevorzugen, dürfen sich auf eine Anthologie freuen, für die Maren Graf die Creme de la Creme deutscher Krimiautoren gewinnen konnte.

Bildquelle: Gmeiner Verlag

Padermorde von Maren Graf (Hrsg.)

  • Gmeiner Verlag 2018
  • Taschenbuch
  • 252 Seiten
  • ISBN 978-3-8392-2327-7
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