Peer Müller ist Facharzt für Nervenheilhunde und Psychotherapie und gerade mit seiner Frau Kerstin und den beiden Kindern in ein altes Haus gezogen. So attraktiv und anziehend er seine neue Nachbarin Veronika Meier findet, so ödet ihn seine Frau an. Ihr Hüftumfang ist über die Jahre enorm gewachsen, sie lässt kein gutes Haar an ihm, keift nur und leidet unter chronischen Kopfschmerzen. Da sie aber auch weiterhin ihrem Beruf als Juristin nachgeht, gehört es gelegentlich zu seinen Aufgaben, die Kinder Janine und Kendrick zu beaufsichtigen oder sie zum Kindergarten zu bringen. Da trifft es sich prima, dass sich Veronika gerne aufopferungsvoll um die Kleinen kümmert, wofür sie Peer umso mehr bewundert. Wissbegierig will er mehr über diese Frau erfahren und betätigt sich abends als Spanner. Von seinem Kollegen im Krankenhaus verlangt er außerdem Einsicht in die Krankenakte ihres Mannes. Wieder einmal ist Peer von sich selbst mehr als überzeugt und ist der Meinung: Na also, geht doch!

Mit ironischen Sprüchen, Wortwitz und böser Zunge hat Thomas Jendrosch den Alltag eines Psychiaters geschildert, der einerseits über alle Maßen von sich eingenommen ist, aber andererseits schnell errötet, wenn er sich ertappt fühlt. Ihm gelingt nichts wirklich und er vergisst auch schon mal, wenn er sich um seine Kinder kümmern soll. Seiner Nachbarin stellt er mit einem Fernglas nach und im Wäscheschrank versteckt er freizügige Fotomagazine. Aus dem Krankenhaus entwendet er, was ihm beliebt und dreist weist er ihm unangenehme Menschen in eine Anstalt ein. Bei einer Grillparty versagt er bei den Bemühungen einer Wiederbelebung, er erinnert sich nur schwach an die Position der stabilen Seitenlage und vertauscht bei einer Injektion Adrenalin mit Amphetamin.

Obwohl Thomas Jendrosch als Professor einen Lehrauftrag in Wirtschaftspsychologie an einer Fachhochschule inne und selbst zeitweilig Medizin studiert hat, nimmt er in seinem Buch den Protagonisten und seinen Beruf mächtig aufs Korn. Auch wenn sich jeder Leser wünscht, in seinem Leben niemals einem solchen trotteligen Arzt zu begegnen, so muss er doch über manchen intelligenten Witz herzhaft lachen. Dem Autor war es offensichtlich ein Bedürfnis, die Kosten für dieses Buch möglichst gering zu halten, was an dem kleinen Schriftbild und einem sparsamen, manuellen Zeilenumbruch festgemacht werden kann. So bieten die 173 Seiten doch mehr Spaß und Lesevergnügen, als der Umfang vermuten lässt, und Thomas Jendrosch wird sich bei einem Preis von knapp sieben Euro einmal mehr gesagt haben: Na also, geht doch!

Thomas Jendrosch, Na also, geht doch!, CreateSpace 2013, Broschur, 173 Seiten, ISBN 978-1-484-82202-9, Preis: 6,99 Euro.

Wie bewerten Sie dieses Buch? schrecklichschlechtdurchschnittlichgutausgezeichnet 3 Stimme(n) | Bewertung 4,33 | Sie müssen sich registrieren, um am Leservoting teilzunehmen.
Loading...

Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.