Mutterherz von Karoline Adler (Hrsg.)

MutterherzIn der Anthologie Mutterherz , für die Karoline Adler ganz unterschiedliche Geschichten zusammengestellt hat, geht es in erster Linie um den Stellenwert von Müttern, ihren Alltag, ihre Sorgen oder einfach um Erinnerungen ihrer längst erwachsen gewordenen Kinder an ihre Mutter. So erinnert sich ein Sohn in liebevollen Gedanken an seine verstorbene Mutter, während ein anderer zwar permanent den Muttertag vergessen hat, sich aber seiner Mutter trotzdem zu Dank verpflichtet fühlt. Eine Geschichte hat die Geschenke zum Muttertag zum Thema, wobei es vor der Übergabe durchaus zu einem Malheur kommen kann.

Während eine Tochter wissen will, wie schlimm der Geburtsschmerz ist, plant eine andere den neunzigsten Geburtstag ihrer Mutter, eine weitere ist mit dem Hausputz wegen des angekündigten Besuches ihrer Mutter beschäftigt, und eine Frau ist über die Reaktion ihrer Mutter erstaunt, als beide mit einem Messer bedroht werden. Ende des 19. Jahrhunderts bekommt eine Frau ihr elftes Kind, allerdings unter ganz anderen Umständen als eine Frau, die ungezwungen von der Geburt ihres ersten Kindes berichtet. Da weint eine Mutter um ihren Sohn, weil er sich im August 1939 zu einer Übung melden muss, eine andere Mutter sinniert über die durch Kinder verursachten Kosten und eine weitere verdient mit einer ungewöhnlichen Arbeit den Unterhalt für sich und ihre Tochter.

Nicht immer stehen die Mütter in den „Geschichten für die beste Frau der Welt“, wie es im Untertitel heißt, im Vordergrund, wie beispielsweise bei dem Abenteuer eines Jungen, der beim Tauchen unbedingt ein Ziel erreichen will, obwohl er das damit verbundene Risiko kennt. Die Erzählungen, die schon vor Jahren, wenn nicht sogar vor Jahrzehnten verfasst wurden, „entführen“ den Leser zum Teil in fremde Kulturkreise und können traurig, amüsant, spannend oder berührend sein. Eine Geschichte lässt Fragen offen und endet unvermittelt, in einer anderen wird das Schicksal syrischer Flüchtlinge verarbeitet.

Die Anthologie Mutterherz vereint fünfundzwanzig Kurzgeschichten, wovon eine gar keine Geschichte im eigentlichen Sinn ist. Denn dabei geht es jeweils nur um eine kurze Erläuterung dahingehend, was ein Kind während verschiedener Stationen seines Lebens über seine Mutter denkt. Aber gerade diese nur wenige Zeilen umfassende Niederschrift eines unbekannten Autors sagt so viel mehr aus, als es lange Abhandlungen und Erklärungsversuche vermögen. Denn eines macht das Buch deutlich: Ohne eine Mutter funktioniert der Alltag in den meisten Familien schlecht oder gar nicht und es geht „drunter und drüber“.

Karoline Adler (Hrsg.), Mutterherz , dtv 2018, Flexcover, 240 Seiten, ISBN 978-3-423-21725-5, Preis: 12,00 Euro.

Bildquelle: dtv

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