Philipp ist nun schon seit drei Jahren mit seiner Nina zusammen, die vor drei Monaten bei ihm in Köln eingezogen ist. Er ahnt nicht, dass sie bereits seit einem Jahr auf seinen Heiratsantrag wartet. Unverhofft fragt sie ihn nach dem Besuch einer Sauna in einem Entspannungsbad, als seine Gedanken gerade um Sex kreisen, ob er sie heiraten möchte, und prompt gibt Philipp die falsche Antwort. Enttäuscht zieht Nina daraufhin zu ihrer besten Freundin Simone, während sich Philipp von Chris, seinem besten Freund, Hilfe erhofft. Wenn er Nina nicht für immer verlieren will, ist guter Rat teuer, denn eine Idee für einen ganz besonderen Heiratsantrag muss her.

Trotz Muffensausen kann Philipp seine Traumfrau mit einem Antrag zurück gewinnen. Doch wenn er geglaubt hat, mit der Verlobung würde Ruhe einkehren, hat er sich getäuscht. Ninas esoterisch veranlagte Mutter Waldiva macht ihnen das Leben schwer, und nicht nur Philipps Eltern mischen sich in die Hochzeitsplanungen ein. Nicht genug, dass sich der Bräutigam über seinen alten Nachbarn Hiller mit seinem Dackel ärgert, steht ihm der nächste Schreck in Form von Pfarrer Theo ins Haus, und ihm bleibt auch ein Besuch bei Ninas Verwandtschaft in einem Dorf nicht erspart, wobei er besonders über Ninas Bruder Tim aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Philipp muss sich wohl oder übel mit Begriffen wie Gästeliste, Location und Hochzeitskleid auseinandersetzen, doch wachsen seine Sorgen mit der Zunahme der Kosten für die Hochzeitsfeier, die nach Ninas Vorstellungen natürlich eine Traumhochzeit werden soll. Um das nötige Geld aufzubringen, muss sich Philipp, der als Sportmasseur arbeitet, im Gegensatz zu seiner als Anästhesistin gut verdienenden Zukünftigen allerhand einfallen lassen.

Wie sein Protagonist Philipp ist auch Christoph Dörr gelegentlich als Comedian auf der Bühne zu sehen, was natürlich Auswirkungen auf seinen Roman Muffensausen hat. Mit nie gehörten Vergleichen, tollen Sprüchen und herrlich doppeldeutigen Wortspielereien vermag der Autor von den ersten Seiten an zu überzeugen. In diesem Buch ist es ausnahmsweise kein Tippfehler, wenn sich Philipp beim Schniefen die Stimmung nicht verniesen lässt.

Der Roman ist aus der Sicht von Philipp geschrieben, der sich noch so sehr um seine Nina bemühen kann, doch immer wieder ins berühmte Fettnäpfchen tritt oder einfach vom Pech verfolgt wird, wie man es von Ben Stiller aus zahlreichen Filmen kennt. Über ein für Philipp quälend langes Jahr begleitet der Leser das junge Paar, wobei sich allerhand Verwicklungen ergeben, die Philipp nicht selten in eine peinliche Situation versetzen. In einer Szene richtet er sich beispielsweise appetitlich für seine Angehimmelte im Bett her oder gibt Nina gegenüber in einer Verkleidung seine Meinung zu ihrem Brautkleid ab. Sehr originell beschreibt Christoph Dörr auch eine Begebenheit im Kino, bei der kaum ein Auge trocken bleiben kann. Wer gerne auf Kosten anderer lacht, rasante Sprüche liebt und am besten schon im Ehehafen gelandet ist, damit er nicht etwa durch die Lektüre des Romans selbst Muffensausen bekommt, wird sich köstlich amüsieren.

Christoph Dörr, Muffensausen, Blanvalet Verlag 2014, Klappenbroschur, 400 Seiten, ISBN 978-3-7645-0501-1, Preis: 12,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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