Mörderische Hitze von Daniel Izquierdo-Hänni

Alapont ermittelt in Valencia!

Mörderische HitzeDer Poniente, oder Ponentá, wie ihn Daniel Izquierdo-Hänni in seinem Kriminalroman „Mörderische Hitze“ in korrektem Spanisch nennt, ist ein für die an der spanischen Atlantikküste lebenden Andalusier ein willkommener, die Sommertemperaturen abkühlender Wind. Für die an der Mittelmeerküste gelegenen Orte bedeutet das jedoch, dass das Thermometer nicht selten auf vierzig Grad oder darüber steigt. So leidet auch der Protagonist Vicente Alapont, der seinen Job als Inspektor der Policía Nacional aufgrund einer nicht verarbeiteten Niederlage aufgegeben hat, unter dieser Hitze. Seit seiner Dienstquittierung ist der geschiedene Vater zweier Kinder als Taxifahrer in Valencia unterwegs. Nachdem Alapont einen seiner Fahrgäste im Hotel Del Sol abgesetzt hat, stellt er fest, dass dieser ein Motorola-Handy im Taxi zurückgelassen hat. Zum Dank für die Rückgabe lädt dieser Alapont auf einen Drink in die Hotelbar ein. In zwei Tagen soll er ihn wieder abholen und zur Fähre nach Mallorca bringen.

Unterdessen erhält Dealer Toni an der Meerenge von Gibraltar einen Auftrag vom Chef des Drogenschmuggels Luis-Miguel Hidalgo, genannt El Luismi, der vor zwei Jahren der Stürmung seiner Hacienda mit einem Helikopter entfliehen konnte und seitdem untergetaucht ist, was ihn allerdings nicht daran hindert, über seinen Mittelsmann Jesús Bennasar, von allen wegen seines Aussehens nur el Rubio genannt, weiterhin die Fäden zu ziehen. Toni soll Roberto Montero auflauern, dem Sohn von Luis Montero, der mit seinem Zwillingsbruder José einer angesehenen Winzerfamilie angehört. El Luismi geht davon aus, dass die zu seinem Schmugglerring in der Gibraltar-Region gehörende Familie „Ware“ unterschlägt, die sie in ihren Weinkisten versteckt über die Grenzen bringt.

Vicente Alapont nutzt die mittägliche Siesta gerne für ein Plauderstündchen mit seinem ehemaligen Streife fahrenden Kollegen Fernando García, der ihm von einem Selbstmörder aus dem Hotel Del Sol erzählt. Alapont, der dort vergeblich auf seinen Fahrgast warten musste, rechnet schnell eins und eins zusammen. Doch fallen ihm augenblicklich Ungereimtheiten auf: Bei dem toten Manuel Gisbert wurde, wie García zu berichten weiß, ein Handy der Marke Samsung gefunden, jedoch kein Motorola, das er im Taxi vergaß und zurückerhielt. Als Alapont weiter erfährt, dass Manuel Gisbert mit Amparo, der Schwester von Roberto Montero, verheiratet war, die er schließlich wegen seiner Liebe zu Paul Neumeyer auf Mallorca verlassen hat, und die Guardia Civil die Montero-Bodega des Drogenschmuggels verdächtigt, stellt er sich die Frage nach einer Verbindung zu seinem toten Fahrgast. Hat der tatsächlich Suizid begangen? Zumindest ist Paul Neumeyer davon überzeugt, dass Manuel ermordet wurde und bittet Alapont, der Sache nachzugehen.

Daniel Izquierdo-Hänni führt den Leser auf unnachahmliche Weise durch die an der Ostküste gelegene Großstadt Valencia, wobei er nicht nur auf die Geschichte und Geographie eingeht, sondern auch auf die Traditionen, den Umgang mit den Mitmenschen, das gesellschaftliche Leben und den spanischen Familiensinn. Ohne langweilige Ausschweifungen lässt der Autor Informationen über den Weinbau dieser Region sowie der angepflanzten Trauben in den Plot einfließen, was aber noch nichts gegen die detaillierte Nennung unzähliger kulinarischer Köstlichkeiten ist, die sich längst nicht bei einer Tortilla, den Hackbällchen Albóndigas oder einer authentischen Paella, wie sie die Valencianos lieben, erschöpfen.

In seinen Kriminalroman „Mörderische Hitze“ lässt Daniel Izquierdo-Hänni zudem kritische Töne einfließen. So merkt er bedauernd an, dass manch ein Geheimtipp durch die Touristen in Mode gekommen ist, was dann für die Bewohner zu Parkplatzproblemen geführt hat. Nicht nur dem Autor wird es ein Dorn im Auge sein, dass in Spanien der Stromanbieter Iberdrola eine Monopolstellung innehat und viele Promovierte wegen fehlender Stellen ins Ausland abwandern oder gezwungen sind, sich mit Taxifahrten über Wasser zu halten. Der Leser ist sowohl an dem Fortgang des Kriminalfalls, bei dem der Protagonist in jeder Beziehung über einen außerordentlichen Spürsinn verfügt, am sich entwickelnden Privatleben von Alapont, als auch an weiteren Neuigkeiten zum Leben in Valencia interessiert, wobei der Autor in allen Bereichen ohne Ausnahme immer den richtigen Ton trifft. Ein nicht alltäglicher Krimi mit vielen Facetten!

Mörderische Hitze von Daniel Izquierdo-Hänni

Mörderische Hitze
Gmeiner Verlag 2022
Klappenbroschur
249 Seiten
ISBN 978-3-8392-0287-6

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Bildquelle: Gmeiner Verlag