Alex Dunbar leidet unter einer Drogenpsychose und befindet sich seit Jahren in therapeutischer Behandlung auf Gut Betzing in der Nähe von Wasserburg. Der in die Jahre gekommene Gitarrist wirkt mit seinen langen, grau gelockten Haaren und einem regenbogenfarbenen Pillbox-Hut wie ein alter Hippie. Gemeinsam mit Ben Setznick, einem jungen Punk mit Tourette-Syndrom, der ihn auf dem Waschbrett rhythmisch unterstützt, spielt er gelegentlich auf einer improvisierten Bühne im Speisesaal von Gut Betzing für ein kleines, aber wohlmeinendes Publikum den Blues. Alex und Ben galten schon immer als unzertrennlich, doch seit einiger Zeit haben die beiden Willi Oertel als ständigen Begleiter adoptiert. Er hat die Statur eines Sumoringers, ist jedoch in seiner geistigen Entwicklung auf dem Niveau eines einfältigen Kindes zurückgeblieben.

In den Siebzigerjahren war Alex der Gitarrist und Songwriter einer legendären Band und hat während dieser Zeit eine Menge Drogen konsumiert. Auf einer Party der leichtlebigen Gisa von Elbach landet er im Bett der Gastgeberin, die am nächsten Morgen erschlagen aufgefunden wird. Neben ihr liegt mit einem blutverschmierten Kerzenleuchter in der Hand Alex, der sich in einem drogeninduzierten Dämmerzustand befindet und sich an nichts erinnern kann. Er wird für acht Jahre in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, wo er einmal im Monat am Samstagabend einige Stücke auf der Gitarre spielen darf, und einer der Titel ist immer der Mad Dog Boogie.

Nach seiner Entlassung aus der Verwahrung begibt sich Alex freiwillig in ständige Behandlung, bis er schließlich auf Gut Betzing landet, wo er sich aufgehoben und wohlfühlt. Als er bei der Gartenarbeit einen Schlag auf den Kopf bekommt, wird er schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Erst nach einigen Tagen steht fest, dass er den Unfall überleben wird, und nachdem sich sein Zustand erheblich gebessert hat, kehrt plötzlich seine Erinnerung zurück.

In dem Kriminalroman Mad Dog Boogie haben die von Max Bronski geschaffenen Charaktere Ecken und Kanten wie im wahren Leben. Der eigentliche Kriminalfall wird zur Nebensache und zum Schluss auch schnell aufgelöst. Doch wäre der Roman kein echter Bronski, wenn nicht auch gesellschaftliche Missstände einen Platz in der Handlung einnehmen würden. So beschreibt der Autor die Entwicklung eines genialen Musikers, der auf dem Höhepunkt seiner Karriere durch exzessiven Drogenkonsum die Kontrolle verliert, ohne dabei den mahnenden Zeigefinger zu erheben. Vielmehr prangert er eine Justiz an, die bei einer eindeutigen Beweislage erst gar nicht in eine andere Richtung ermittelt, sowie die Zustände in der forensischen Psychiatrie, wo die Insassen als Delinquenten verwahrt, und nicht als Patienten therapiert werden. Der Plot wird in mehreren Handlungssträngen aus verschiedenen Perspektiven mit einigen Zeitsprüngen erzählt, wobei der Ich-Erzähler, der Therapeut von Alex, dem Leser als Sidekick einige Einblicke in die Arbeit eines Psychoanalytikers gewährt. Obwohl der Kriminalroman Mad Dog Boogie sehr unterhaltsam geschrieben ist, vermittelt er quasi ganz nebenbei Wissenswertes und wird zum Ende hin sogar spannend. Ein echter Bronski eben!

Max Bronski, Mad Dog Boogie, Kunstmann Verlag 2016, Broschur, 208 Seiten, ISBN 978-3-95614-096-3, Preis: 14,95 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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