Erbsünde ist der erste Band einer neuen Krimireihe der Autorin Nika Lubitsch. In einem Geschäftshaus am Kurfürstendamm 216 in Berlin befinden sich die Räume der Krimiautorin Alice von Kaldenberg, die mit ihrem Team gelegentlich auch in dem einen oder anderen Kriminalfall ermittelt. Die arbeitslose Journalistin Judith Schilling kann den drittklassigen Minijob leider nicht ablehnen und wird vom Jobcenter für Recherchearbeiten zu der Schriftstellerin geschickt. Bei einem Bewerbungsgespräch wird ihr jedoch schnell klar, dass es sich bei dieser Arbeit nicht um eine normale journalistische Tätigkeit handelt.

Der Kunstsammler und Arzt für plastische Chirurgie, Professor Sprengler, wurde im Central Park in New York ausgeraubt und erstochen. Sein Freund, der weltberühmte Dirigent Bernhard Goldsmith, glaubt nicht, dass es sich um einen Raubmord handelt und bittet seine Exfrau Alice von Kaldenberg um Hilfe bei der Aufklärung. Denn der Professor hatte ihm am Abend vor der Tat eröffnet, dass er beabsichtigt seinen gesamten Kunstbesitz WorldKidAid zu hinterlassen und dies am nächsten Tag in der Aufsichtsratssitzung zu verkünden. Das Team von Alice von Kaldenberg konzentriert sich bei seinen Recherchen zunächst auf die Familie Sprengler. Als Judith Schilling ein Interview mit Linda Sprengler, der Schwester des Mordopfers, führen will, gerät sie in deren Villa in einen Überfall und wird brutal niedergeschlagen.

Mit Erbsünde, dem ersten Band der neuen Krimiserie „Kudamm 216“, ist es Nika Lubitsch ausgezeichnet gelungen, den Leser gemeinsam mit dem Ermittlerteam auf eine Mörderjagd zu schicken. Leider bestärkt die Autorin gleich zu Beginn ihres Kriminalromans einige Vorurteile. Die hochqualifizierte Journalistin Judith Schilling ist Hartz IV-Empfängerin und, wie sollte es anders sein, sie arbeitet „schwarz“ in einer Kneipe. Natürlich ist sie nicht darauf versessen, den vom Jobcenter vermittelten, schlecht bezahlten Recherchejob zu bekommen und deshalb erscheint sie ungepflegt und in verschmutzten, alten Klamotten zu dem Bewerbungsgespräch. Na bravo, besser kann man der allgemeinen Dummheit nicht auch noch Vorschub leisten. Doch findet sich an einer anderen Stelle auch ein Sinnbild für Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter mit einer geringfügigen Beschäftigung ausbeuten. So bezeichnet Judith Schilling ihre neue Chefin als Frau Kaa, wie die Schlange in dem Zeichentrickfilm Das Dschungelbuch. Eine Würgeschlange, die ihren Opfern die Luft zum Atmen nimmt und sie anschließend verschlingt. Allerdings bedient sich die Autorin auch einiger Klischees, denn die Kriminellen kommen, um nur ein Beispiel zu nennen, natürlich aus Polen. Doch der betont lässige Schreibstil der Autorin und der spannende Plot fesseln den Leser, lassen ihn mitfiebern und einen geeigneten Verdächtigen finden, der ein vermeintlicher Mörder sein könnte. Aber dann wird der Fall restlos aufgeklärt, wobei sich Nika Lubitsch einer Vorgehensweise bedient, die bereits in einigen anderen Detektivgeschichten angewendet wurde: Alle Beteiligten werden in die Räume am Kudamm 216 eingeladen, zwei weitere Beteiligte sind per Videokonferenz zugeschaltet und in dieser Runde wird der Mörder enttarnt, der am Ende dann doch nicht der mutmaßliche Täter des Lesers ist.

Nika Lubitsch, Kudamm 216 – Erbsünde, mvg Verlag 2013, Taschenbuch, 395 Seiten, ISBN 978-3-86882-503-9, Preis: 7,99 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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