Nicolas Hollmann, der Besitzer eines Weinguts am Rio Douro in Portugal, ist mit seiner Lebensgefährtin Rita bei ihren Eltern in Würzburg zu Besuch. Gemeinsam mit ihrer Tochter Rebecca sind sie in einem beengten Zimmer in dem kleinen Einfamilienhaus untergebracht und Ritas Verhältnis zu ihren Eltern ist von täglichen Konflikten geprägt. Nicolas Hollmann nutzt den Aufenthalt in Deutschland, um Kunden aufzusuchen und auf verschiedenen Weingütern fränkische Weine zu probieren. Auf Initiative von Ritas Mutter erhält er eine Einladung zur Wahl der fränkischen Weinkönigin und als wichtiger, ausländischer Weinproduzent sitzt er in der Jury. Bei der Wahl lernt er den Winzer Hans Kästner kennen, der ihm für seinen weiteren Aufenthalt die kostenlose Benutzung eines Gästeapartments auf seinem Weingut in Nordheim anbietet.

Auch wenn Henriette Müller aus einer Winzerfamilie in Nordheim kommt und einiges vom Wein versteht, sorgt ihr selbstbewusster Auftritt bei der Wahl zur fränkischen Weinkönigin für eine Überraschung. Denn obwohl sie nicht die Favoritin ist, wird sie von der Jury zur neuen Weinkönigin gewählt. Selbst Hans Kästner, der sie persönlich als sehr zurückhaltend kennt, ist verwundert darüber, wie locker und beschwingt sie sich auf der Bühne präsentiert. In ihrem Heimatort wird die neue Weinkönigin mit einem Fackelzug empfangen und der gesamte Ort feiert die ganze Nacht. Doch im Morgengrauen wird Henriette Müller auf der Toilette einer Diskothek tot aufgefunden. Angeblich sollen Drogen dabei im Spiel gewesen sein, was Roger Kästner, der jüngere Bruder von Hans, nicht glauben will. Er war über vier Jahre als Kommissar bei der Polizei und stellt eigene Ermittlungen an, bei denen ihm Nicolas Hollmann, der inzwischen mit Rita und Tochter Rebecca im Gästeapartment auf dem Weingut wohnt, behilflich ist.

Ob es sich bei dem Fall in dem Kriminalroman Königin bis zum Morgengrauen von Paul Grote überhaupt um einen Mord handelt, ist nicht nur den ermittelnden Kriminalbeamten unklar, sondern zunächst auch dem Leser. Denn der Roman braucht lange, bis er überhaupt in Schwung kommt. Obwohl der Leser mit Informationen über Weinanbau, fränkische Weine und einige geschichtliche Hintergründe der Region bestens unterhalten wird, fehlt dem Roman über lange Strecken die Spannung, um ihn zu fesseln. Leider kann daran auch der angenehme, flüssige Schreibstil des Autors nichts ändern. Wer keinen Bezug zu der Region Franken hat oder Biertrinker ist, wird diesen Roman enttäuscht zur Seite legen. Fränkische Weinliebhaber allerdings können zu dem Kriminalroman Königin bis zum Morgengrauen einen Bocksbeutel Silvaner genießen und sich an den Schilderungen des Frankenlandes und dessen Menschen erfreuen.

Paul Grote, Königin bis zum Morgengrauen, Deutscher Taschenbuch Verlag 2014, Taschenbuch, 383 Seiten, ISBN 978-3-423-21535-0, Preis: 9,95 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

3 Kommentare

  1. Auch als Wein- und Frankenliebhaber sollte man das Buch besser nicht lesen. Neben ausführlichen Beschreibungen von Würzburg, Frankenwein und den Böden erfährt man nämlich auch, wie boshaft oder böse die Franken sind, dass in einem Dorf der Wein eines Winzer nicht mehr gekauft wird, wenn das Kind vermeintlich an Drogen stirbt. Aber auch über die Münchner, Oberbayern und alle Deutschen wird hergezogen. So sind die Portugiesen arbeitsame Leute, die nur deshalb soviele Schulden haben, weil die Deutschen ihnen nichts abkaufen und sie trotzdem Waren bestellen wollen. Das ist übriges kein Nebeneffekt der Finanzkrise, sondern laut Grothe verfolgt Deutschland hier die Ziele aus dem 2. Weltkrieg. Auch die Rumänen kommen gut weg – man müsse Ihnen Arbeit oder besser nur Geld geben, dann würden sie auch nichts stehlen. Wenn man die politische Meinung von Herrn Grote nicht wissen will, kann man 80% des Buches wegwerfen. Alle Franken können sich sowieso aufhängen, wenn es nach Herrn Grote geht.

  2. Ich habe das Buch auch gelesen und bin erstaunt, wie man im einem Kommentar mit wenigen Worten so viel Unsinn schreiben kann. Natürlich unterzieht Herr Grote in seinem Roman einige Zustände einer kritischen Betrachtung, und das ist auch gut so. Er wird dabei jedoch weder beleidigend noch diskriminierend. Ganz im Gegenteil! Ich habe bei der Lektüre des Romans vielmehr den Eindruck gewonnen, dass Herr Grote eine liebevolle Sympathie für die Franken hegt.

  3. Na ja, ob „liebevolle Sympathie“ oder nicht. Zumindest ist es dem Autor mit seinem Roman gelungen, dass man die Region, ihre Menschen und ihre Weine einmal näher kennenlernen möchte.

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