Kein Schiff meins – Als Läufer in Seenot von Knut Knieping

Kein Schiff meins – Als Läufer in SeenotKann das gut gehen, wenn ein nach Endorphinen lechzender Laufsüchtiger mit seiner Familie ein Kreuzfahrtschiff besteigt? Als Knut Knieping, nichts Böses ahnend, eines morgens von seiner Frau Cecile mit dem Wunsch nach einer Kreuzfahrt konfrontiert wird, sucht er natürlich händeringend nach einer Ausrede. Er könnte seekrank werden… Doch Cecile lässt keinen seiner Einwände gelten, und los geht es mit Tochter Fine zur Einschiffung nach Warnemünde. Der Anblick der Kabinengröße, ihres für die nächsten zehn Tage als Behausung dienenden „Wohnklos“, ist nicht nur für ihn ein Schock. Im Fitnessstudio, das sich offensichtlich großer Beliebtheit erfreut, folgt für Knut die nächste Ernüchterung. Auf dem Laufband sorgt ein kräftiger Seegang für eine weitere Überraschung, und als es am nächsten Morgen zum Frühstück geht, sieht sich Familie Knieping einer beträchtlichen Anzahl vor dem Frühstücksraum wartender Gäste gegenüber.

Den ersten Landgang nutzt Knut für einen Lauf, vorbei an Plattenbauten. Mit der verschwitzten Kleidung findet er sich im Waschsalon ein, doch was er später aus der Trommel holt, ist nicht mehr wiederzuerkennen. Da muss er etwas falsch gemacht haben! In St. Petersburg kauft er sich ein neues Outfit für den nächsten Landgang in Stockholm. Obwohl ihn dort sein Orientierungssinn nicht verlässt, führt ihn sein Weg nicht zum Ziel, da die Strecke für Fußgänger gesperrt ist. Jetzt ist guter Rat teuer, denn das Schiff wird nicht auf ihn warten. In Kopenhagen verläuft dann aber alles glimpflich – nein, doch nicht. Bei einem Zusammenstoß mit einer anderen Person kommen Knut seine Erfahrungen als Jurist zugute, doch weder von seiner Frau, noch von seiner Tochter kann er Mitleid erwarten.

Nach der Rückkehr wird der Ärmste mit Ceciles Wunsch konfrontiert, über die Feiertage und den Jahreswechsel eine Karibikkreuzfahrt zu unternehmen. Dieses Mal will die nunmehr in Sachen Kreuzfahrt erfahrene Familie alles besser machen und bucht eine größere Kabine mit einem Balkon, deren Vorzug auch Knut genießt. An Bord gibt es sogar eine Joggingstrecke, aber auch bei dieser Fahrt wird er wie bei einer folgenden im Mittelmeer wieder vom Pech verfolgt. Und schon wartet die nächste Herausforderung auf den Läufer: Eine Kreuzfahrt in Südnorwegen.

Knut Knieping nimmt den Leser in seinem Buch Kein Schiff meins – Als Läufer in Seenot in selbstironischer Weise mit auf die Kreuzfahrten, vor denen er sich drücken wollte. So ganz nebenbei erwähnt er lokale Sehenswürdigkeiten oder Details wie geltende Einreisebestimmungen für Russland, bei denen das Visum für Schiffsreisende nur in der Gruppe Gültigkeit besitzt. Der Autor schlägt zwar einen lockeren Ton an und drückt alle Begebenheiten bewusst überzogen aus, doch bedient er sich auch einer Vielzahl lateinischer Begriffe. Wer meint, dass nicht viel Potential zum Verständnis gehört, wird schnell merken, wenn er einige Andeutungen im Text nicht versteht. Die Stärken von Knut Knieping liegen ganz klar in seiner kreativen Wortschöpfung, wenn er von „bejahungsunmöglich“ spricht oder einen elektrisch angetriebenen Segway als „Standrollstuhl“ bezeichnet. So glänzt er auch in seinem Buch Kein Schiff meins – Als Läufer in Seenot mit witzigen und intelligenten Wortspielereien, wobei lediglich ein unschönes Schriftbild aufgrund fehlender Worttrennungen das Lesevergnügen trübt.

Knut Knieping, Kein Schiff meins – Als Läufer in Seenot , Selbstverlag 2017, Broschiert, 157 Seiten, ISBN 978-1-5499-0969-6, Preis: 6,99 Euro.

Bildquelle: amazon.de

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