Rückkehr an den Atlantik: Eine Reise durch Erinnerung und Verlust

Buchcover des Romans: Unsere glücklichen Tage

Zufälliges Wiedersehen in Luxemburg

Elsa, die Protagonistin des Romans Unsere glücklichen Tage* von Julia Holbe, fährt nach Luxemburg, um einen neuen Pass zu beantragen. Dort trifft sie zufällig auf Marie, eine alte Freundin aus Schultagen. Mit ihr und Fanny hat sie früher die Sommerferien an der französischen Atlantikküste verbracht, wo beide auch Lenica kennenlernten, die dort wohnte. Elsa erinnert sich genau an „ihren“ Felsen und an unzählige glückliche Tage – bis Lenica eines Abends ihren irischen Freund Sean mitbrachte. Der aus ihrer Sicht ewig währende Sommer fand an einem der letzten Tage ein jähes Ende, und die Freundinnen verloren sich über viele Jahre aus den Augen.

Ein Abend voller Erinnerungen

Mit gemischten Gefühlen sucht Elsa in Luxemburg Fanny auf, von der sie weiß, dass sie mittlerweile eine Buchhandlung leitet. Fanny ist sofort einverstanden, dass Elsa und Marie am Abend zu ihr kommen.

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Vom Leben reich beschenkt von Hildegard Haehn

Vom Leben reich beschenktAuf Sylt erinnert sich die Diplompsychologin Margareta Baumgarten in dem autofiktionalen Roman Vom Leben reich beschenkt von Hildegard Haehn, wie eines Tages eine Fremde ihre Praxis aufsuchte. Eine Berufskollegin, die Elphi genannt werden wollte, hatte eine Geschichte zu erzählen. Jede Woche suchte sie Margareta auf und berichtete aus ihrem Leben: Bereits als Baby hätte sie sich verlassen gefühlt, den Vater verlor sie früh. Sie ergriff den Beruf des Lehrers, den sie jedoch zugunsten eines Psychologiestudiums aufgab. Wiederholt machte sie später die Erfahrung verstoßen zu werden. Sie schilderte Margareta von ihrer ersten großen Liebe und ihrem Aufenthalt in einem indischen Ashram, wo sie eine äußerst zwiespältige Beziehung mit Deepak einging. Ihre Ausführungen reichen bis zu den Problemen und Sorgen um ihre Kinder und ihren Enkeln.

Hildegard Haehn beginnt ihren autofiktionalen Roman, in dem sich fiktionale Handlungselemente mit autobiografischen vermischen und auf diese Weise reale Personen fiktional werden, während sich fiktionale Handlungsebenen in reale verwandeln, mit der Vorstellung der Diplompsychologin Margareta Baumgarten, die sich auf Sylt eine Auszeit gönnt.

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Wenn Rot kommt von Petra Piuk

Wenn Rot kommtEin junges Paar verbringt einige Tage in Las Vegas. Noch berauscht vom letzten Abend wacht Lisa in einem Hotelzimmer auf. Es fällt ihr schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. Sie erinnert sich daran, Mojito getrunken zu haben, aber auch daran, dass sie nicht so viel trinken wollte, da sie mit ihrem Freund nach Hause fliegen muss. Doch wo bleibt Tom? Ihr Reisepass scheint auch nicht im Zimmer zu sein. Sie kann kaum aufstehen und ihr fehlen zwölf Stunden, die einfach aus ihrem Gedächtnis gelöscht sind. Irgendjemand muss Drogen in ihren Drink gemischt haben. Hat Tom ihr die Drogen untergemischt? Sie muss sich aufraffen und ihn finden. Hat er das Geld für den Rückflug verspielt? Oder ist er bei einer anderen? Immerhin hat er sie schon einmal betrogen. Nach ihrer ergebnislosen Suche stellt sie mit Entsetzen fest, dass ihr nur noch dreißig Minuten zum Packen und Duschen bleiben, bevor sie sich auf den Weg zum Flughafen machen muss.

Die Geschichte Wenn Rot kommt* verwirrt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite. Zunächst fällt auf, dass die Kapitel numerisch nicht geordnet sind. Das Schriftbild wechselt in Größe und Farbe, gelegentlich ist der Druck auch fett und die Sätze sind oftmals nicht vollständig, denn das letzte Wort fehlt.

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Kinder ihrer Zeit von Claire Winter

Kinder ihrer ZeitIm Januar 1945 flieht Rosa Lichtenberg mit ihren elfjährigen Töchtern, den Zwillingsschwestern Emma und Alice, aus Ostpreußen vor den herannahenden russischen Truppen. Doch in der eisigen Kälte bekommt Alice Fieber, und sie finden auf dem Hof von Berta Paschke Unterschlupf. Als Rosa mit Emma zu einem verlassenen Nachbarhof geht, um dort eventuell noch einige Lebensmittel zu finden, sehen sie auf dem Rückweg aus einiger Entfernung, wie das Dorf und Bertas Hof von russischen Soldaten niedergebrannt wird. Erst am nächsten Tag, nachdem die Soldaten abgezogen sind, wagen sie sich zurück auf den Hof, der bis auf die Grundmauern niedergebrannt ist. In ihrer Verzweiflung hofft Rosa, dass Alice sich vielleicht in einem Keller oder Schuppen im Dorf verstecken konnte, doch Alice bleibt spurlos verschwunden.

Fünf Jahre später haben sich Rosa und Emma in West-Berlin ein neues Leben aufgebaut, das noch immer von den Ereignissen während der Flucht überschattet wird, denn Rosa ist davon überzeugt, dass ihre Tochter Alice nicht überlebt hat.

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Vier Tage im Juni von Jan-Christoph Nüse

Vier Tage im JuniJohn F. Kennedy fand im November 1963 in Dallas durch mehrere Schüsse den Tod. So viel zu den Fakten. In seinem Politthriller Vier Tage im Juni* geht Jan-Christoph Nüse von einem anderen Szenario aus: Auf den amerikanischen Präsidenten, der tatsächlich Deutschland vom 23. bis 26. Juni 1963 besucht hat, wird ein Attentat verübt. Der BKA-Beamte Thomas Malgo soll seinen Chef Paul Dickopf, Chef der Sicherungsgruppe in Bonn, während dessen Abwesenheit vertreten, weshalb er alles für den anstehenden Besuch von John F. Kennedy vorbereiten muss. Tatsächlich will schon am ersten Tag ein Attentäter den Präsidenten töten, was jedoch ein Scharfschütze verhindern kann.

Malgo wundert sich darüber, dass der Attentäter vom Secret Service auf die Militärstation der Botschaft gebracht wird. Über einen Journalisten hat er Zugang zum Filmarchiv und kann kaum glauben, auf einem Film seinen alten Freund Augustyn Nowak zu sehen. Seit Kindheitstagen kennen sich die beiden, und Malgo war einst in dessen Schwester Alina verliebt.

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Politthriller mit Sprengkraft: Terrorland von Christian v. Ditfurth

Cover des Politthrillers Terrorland

Ein Anschlag mit internationalen Folgen

Im sechsten Fall der Reihe um Hauptkommissar Eugen de Bodt eilen er und seine Kollegen Silvia Salinger und Ali Yussuf vom LKA zur russischen Botschaft in Berlin, wo ein Bombenanschlag verübt wurde. Ein Bus ist explodiert, überall liegen Leichenteile, und es gibt zahlreiche Verletzte. Der Tod eines russischen Botschafters, der im Vorgarten durch ein Trümmerteil enthauptet wurde, kann nicht geplant gewesen sein und gilt daher als Zufall. Dennoch vermuten die Russen, dass der Anschlag ihnen galt.

Unter den Toten befinden sich auch ein französischer Staatssekretär und dessen Ehefrau, eine Agentin – was die Franzosen als gezielten Angriff interpretieren. Da zudem ein amerikanischer Agent ums Leben kam, werden de Bodt und sein Team sowohl von den russischen Kollegen Merkow und Katt als auch von Lebranc und Floire aus Paris unterstützt.

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Sibiro Haiku von Jurga Vilė

Eine Graphic Novel aus Litauen

Sibiro HaikuWie die Übersetzerin Saskia Drude in einem Nachwort des Kinderbuches Sibiro Haiku* von Jurga Vilė ausführt, wurden im Sommer 1940 die baltischen Staaten von sowjetischen Truppen besetzt. Ab Juni 1941 folgten Deportationen von vermeintlichen Staatsfeinden. Bis 1952 wurden schätzungsweise über einhundertdreißigtausend Menschen verschleppt, unter ihnen Algis Mielis, der Vater von Jurga Vilė, die das Buch nach Erzählungen ihres Vaters und ihrer Großmutter Röslein, mit eigenen Gedanken ausgeschmückt, in Form eines japanischen Kurzgedichtes (Haiku) ein Sibirisches Haiku, so die Übersetzung des Titels, geschrieben hat.

Am 14. Juni 1941 pochen in den frühen Morgenstunden zwei russische Soldaten an die Tür der Familie Mielis. Algis und seine Schwester Dalia, den Eltern und der Großmutter Röslein bleiben nur zehn Minuten Zeit zum Anziehen und um das Nötigste zu packen. Neben weiteren Familien werden sie auf einen Pferdekarren geladen und hoffen noch, dass sich alles als Irrtum herausstellt.

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Sweetland von Michael Crummey

SweetlandDer Roman Sweetland* erzählt die Geschichte Neufundlands, vor deren Südküste der eisige und nährstoffreiche Labradorstrom auf den wärmeren Golfstrom trifft und wo sich einzigartige, unvorstellbare Kabeljaugründe bildeten. Die Menschen entdeckten, dass sich der Fisch leicht gesalzen und luftgetrocknet über viele Jahre halten kann, selbst in der Hitze der Tropen, was bereits die spanischen Konquistadoren auf ihren langen Reisen zu nutzen wussten. Seit Jahrhunderten lebten die Menschen von dem Fischreichtum, doch von Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des neuen Jahrtausends setzte eine Überfischung ein, die von der kanadischen Regierung zunächst nicht ernst genommen wurde. Erst, als es zu spät war, verhängte man ein Fangverbot, in der Folge verloren mehr als dreißigtausend Menschen ihre Arbeit und die Dörfer starben aus. Für die Bewohner war die Welt eine andere geworden.

Der inzwischen pensionierte Moses Louis Sweetland geht auf die siebzig Jahre zu und war Fischer, bevor er Leuchtturmwärter auf der nach seiner Familie benannten Insel Sweetland war. Seine Vorfahren waren seit mindestens zweihundert Jahren Fischer und ernährten sich von Pökelfleisch und Wurzelgemüse.

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Triceratops von Stephan Roiss

TriceratopsIm Leben des namenlosen Protagonisten des Romans Triceratops* existieren glückliche Tage nur noch in der Erinnerung. Bis zu seinem dreizehnten Lebensjahr war er Bettnässer, er leidet an einem stark juckenden Ekzem, das mit Cortison behandelt wird, er kaut an seinen Nägeln und in sein Schulheft malt er Monster. Seine Mutter wurde mehrmals in einer geschlossenen Anstalt aufgenommen, mit Stromschlägen malträtiert und mit Neuroleptika behandelt. Der Vater, der aus ärmlichen Verhältnissen stammte und dennoch die Schule mit der Matura abschloss, hatte eigentlich studieren wollen, doch ein Unfall, so hat es die Großmutter aus Aschbach dem Protagonisten erzählt, hat ihn frühzeitig zum Vater einer kleinen Tochter gemacht. Deren Blicke gehen häufig nur ins Leere, anderen Menschen sieht sie kaum in die Augen.

Wenn die Mutter in die Klinik geht und der Vater zur Arbeit muss, wird der Junge zu seiner Aschbach-Großmutter oder zur Tante gegeben. Mit anderen Firmlingen verreist er und spricht von der zur Gruppe gehörenden Silvana als seiner zweiten großen Liebe.

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Vielleicht auf einem anderen Stern von Karen Raney

Vielleicht auf einem anderen SternAls Eve einen Abschluss als Museumswissenschaftlerin macht, lernt sie den aus Spanien stammenden Antonio kennen, der gerade an seiner Promotion in Neurobiologie arbeitet. Für beide ist es die große Liebe, doch mit einer unerwarteten Schwangerschaft konfrontiert, ist für Antonio eine Vaterschaft unvorstellbar. Eve zieht kurzerhand die Konsequenzen und beschließt, das Kind alleine großzuziehen. Mittlerweile hat sie in Robin einen Lebensgefährten gefunden, der auch für die inzwischen sechzehnjährige Tochter Maddy ein guter Ersatzvater ist. Eve könnte glücklich sein, wäre ihre Tochter nicht an Blutkrebs erkrankt.

Schon seit Monaten kann Maddy nicht mehr die Schule besuchen und wird stattdessen von Miss Sedge zu Hause unterrichtet. Gelegentlich bekommt sie Besuch von ihren Freundinnen und bereitet auch auf Bitten ihrer Lehrerin eine Kampagne für einen Protestmarsch gegen eine geplante Pipeline vor.

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