Arno Wilhelm – Informatiker, Blogger und Poetry Slammer – hat bereits zwei Gedichtbände geschrieben und nun folgt sein erster Roman. Doch kann es sich bei Jack Rodman – Die ganze Wahrheit nicht um einen gewöhnlichen Roman handeln, denn bereits das Cover ziert ein Foto des fiktiven Musikers Jack Rodman, von dem im Buch weitere Fotos und eine CD mit einigen seiner Songs zu finden sind. Erstaunlich, da doch die Romanfigur erfunden scheint, oder etwa doch nicht? Erfindet vielleicht Arno Wilhelm sich selbst ständig neu?

Eigentlich ist Sven Heller ganz zufrieden mit seinem spießigen Leben. Er wohnt in einer ruhigen Gegend, in der man nicht fürchten muss, dass aggressive, bewaffnete Jugendliche umherziehen. Auch die interessante Arbeit in einem Laden, der sich auf die Reparatur von Technik aller Art spezialisiert hat, macht ihm viel Spaß. Doch seine Freundin Lara, die in einem Plattenladen arbeitet, möchte, dass er sich einen besseren Job sucht und endlich eine andere Wohnung. Doch warum soll er sein Leben verändern? Die Musik ist seine Leidenschaft und im Keller hat er sich ein Amateur-Tonstudio eingerichtet, wo er englische Texte zu seiner selbst komponierten Musik schreibt. Er hatte ein paar erfolglose Auftritte und auch die Plattenfirmen schickten ihm seine CDs immer mit freundlichen Floskeln zurück.

Der Tag begann wie jeder andere, doch als Sven im Krankenhaus erwacht, hat er seine Freundin Lara an einen anderen Mann verloren. Der Laden, in dem er gearbeitet hat, wird geschlossen, denn sein Chef hat Geld unterschlagen. Seine Wohnung ist abgebrannt, weil er vergessen hat, die Herdplatte abzuschalten. Als er dann von einem schwarzen Pick Up überfahren wird, hat er noch Glück, dass er überlebt. Er beginnt, über sein Leben nachzudenken und hat eine zündende Idee. Mit Hilfe von Facebook und YouTube wird er zu Jack Rodman, einem Musiker aus Arizona, der in Deutschland eine steile Karriere startet. Denn als Milestone Music Management auf ihn aufmerksam wird, spielt er in ausverkauften Konzerthallen und bekommt einen Plattenvertrag. Er wird zum gefeierten Überflieger, doch dann taucht seine Exfreundin Lara auf, die ihn erpresst…

Die schöne neue Welt des Web 2.0 und seine Möglichkeiten zeigt Arno Wilhelm in seinem Roman Jack Rodman – Die ganze Wahrheit auf. Dass Facebook und andere soziale Netzwerke eben auch für betrügerische Vorhaben problemlos genutzt werden können, ist bei vielen Nutzern häufig in Vergessenheit geraten. Aber auch die Macht der Medien, die heute einen Star in den Himmel heben und morgen in die Hölle schicken, hat Arno Wilhelm ins Visier genommen. Obwohl es sich um eine fiktive Geschichte handelt, erweckt sie beim Leser den Eindruck, dass alles auch genau so real passiert sein könnte. Dieses Gefühl wird durch die angeblichen Fotos von Jack Rodman und einer CD mit einigen seiner Songs noch bestärkt. Was für den Autor spricht! Denn Arno Wilhelm ist es in Jack Rodman – Die ganze Wahrheit gelungen, aus einer eigentlich tragischen Geschichte in lockerem und ansprechendem Schreibstil einen amüsanten, unterhaltsamen Roman zu machen.

Arno Wilhelm, Jack Rodman – Die ganze Wahrheit, Periplaneta Verlag 2012, Softcover, 242 Seiten, ISBN 978-3-940767-93-6, Preis: 13,90 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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