Is Nebensaison, da wird nicht mehr geputzt von Mikka Bender

Is Nebensaison, da wird nicht mehr geputzt
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Mikka Bender nimmt den Leser in seinem Buch Is Nebensaison, da wird nicht mehr geputzt auf 12 ausgesuchte Touren rund um die Welt mit. Los geht es mit zehn Teilnehmern nach Kathmandu, wo sie einige Tage auf knapp 4000 Metern Höhe im höchst gelegenen Hotel der Welt verbrachten: Dem Everest View Hotel. Wo die Höhe unweigerlich zu Kopfschmerzen führen muss, hat der Autor als Reiseleiter viele Vorträge über naturgeographische Phänomene und Geomorphologie gehalten.

Eine nächste Reise führt ihn an die türkische Riviera, wo er sein gebuchtes Hotel leider überbelegt vorfindet. In der Altstadt von Side wird er von unzähligen überaus freundlichen Landsleuten angesprochen, die mal mehr, mal weniger aufdringlich sind und ihn am liebsten über den Tisch gezogen hätten. Immerhin weiß er jetzt, wie der Viagra-Tee hergestellt wird! In Antalya sieht er einen gesichtslosen Plattenbaustil und das ihm zugewiesene Hotel weist so viele Mängel auf, dass er nach erneuter Beschwerde eine weitere Umsiedlung in Kauf nimmt.

Auf geht’s nach Teneriffa! Birgit und Heinz sitzen endlich nach vielen nervenaufreibenden Strapazen im Flieger, allerdings getrennt! Heinz sieht sich zu beiden Seiten von gewaltigen Fettpolstern umringt, die in seinen Sitzbereich ragen. Bei der Ankunft kann er sich nicht mehr ohne Schmerzen bewegen und ihm graut schon jetzt vor dem Rückflug.

In Kreta will Mikka Bender mit einem Kamerateam ein Hotel unter die Lupe nehmen, dass laut Internetbewertung mit „schlimmer geht’s nimmer“ Arges befürchten lässt. Seine schlimmsten Erwartungen werden noch übertroffen. Alles wird mit getarnter Kamera gefilmt und als der Hotelmanager mit den Missständen konfrontiert wird, droht dieser mit der Polizei. Was nun? Schließlich wurde ohne Genehmigung gedreht, was nicht rechtens ist. Und am Flughafen stellt sich die Frage, wie das Beweismaterial durch den Zoll schmuggeln?

Endlich will Mikka Bender auch mal ein wenig Ruhe genießen können und fährt an eine Talsperre, quasi direkt vor seiner Haustür gelegen. Er will gerade den „Spiegel“ lesen, da bricht schon Krieg unter den Hunden aus, die reichlich mit ihren Herrchen um ihn herum versammelt sind. Und schon ist es mit der Ruhe aus!

Peter und Ramona Unkelbach zieht es nach Hurghada. Bei der Passkontrolle und am Gepäckband machen sie erste unangenehme Erfahrungen. Auf der Fahrt mit dem Bus sehen sie die Wüste nicht mehr, dafür sorgen die Bauruinen unserer heutigen Zeit. Am Büfett erleben sie ihre nächste Überraschung, leere Plastikbecher am Beckenrand, Mäuse im Restaurant und Ramonas aufblühender Herpes geben ihnen den Rest und sie brechen ihre Reise frühzeitig ab.

Den Autor zieht es mindestens einmal im Jahr ins Virgental. Ganz am Ende des Tals geht es von Hinterbichl zunächst hinauf zur Johannishütte, von dort weiter aufs Defreggerhaus. Um auf den Gipfel des Großvenedigers zu steigen, muss man wegen der Schneeverhältnisse zeitig aufbrechen, so ist für alle Gipfelstürmer die Übernachtung Programm. Allerdings zieht Mikka Bender die Bank im Gastraum dem Matratzenlager vor, wo ihn die stinkenden Socken und Geräusche der anderen Gäste doch sehr stören. Da das Wetter aber umschlägt, muss er die Tour leider abbrechen und wieder ins Tal hinabsteigen.

Dann hat Mikka Bender die Aufgabe, zehn Reiselustige auf einer Indonesien-Rundreise zu begleiten, zu der 16 Inlandsflüge gehören. Für Karl war es ein Lebenstraum, den er sich mit dieser Reise erfüllen will. Doch er hat ein schwaches Herz. Während die anderen Teilnehmer die Schönheiten der Inselwelt auskosten, geht es Karl immer schlechter und er verstirbt in der darauf folgenden Nacht. Der Autor muss sich als Reiseleiter nun um die Einäscherung und den Rückflug kümmern.

In Pakistan gilt es für Mikka Bender, eine Gruppe von 12 Leuten im Gebiet des Nanga Parbat sicher an gefährlichen Stellen vorbeizuführen. Felsstürze können da schon mal ganze Jeeps in die Tiefe reißen. Obwohl ihm das gelingt, kommen Beschwerden, weil man eine Jeep-Expedition und keinen Horrortrip gebucht hätte. Da auch an dem dürftigen Essen Kritik geübt wird, muss mal klar gesagt werden, dass es hier keine Metzgerei gibt!

Auf nach Nordzypern, einem Geheimtipp! Doch das scheint sich nur auf die Abgeschiedenheit zu beziehen. Denn der traumhaft gelegene Strand mit vorgelagerten Dünen beschert dem Schwimmer eine starke Strömung, die wiederum für eine schwimmende Mülldeponie mit grellfarbenem Plastik verantwortlich ist. Und das Essen? Unser Autor sitzt vor einem gut sortierten Frühstück und bekommt später nur Salat. Da keine anderen Gäste da sind, lohnt es nicht den Aufwand für eine Fleischmahlzeit. Dass das Bier dann auch noch warm ist, ist fast nicht mehr der Rede wert.

In ein Tal in den Bergen von West-Papua führt Mikka Bender eine Gruppe von vier Leuten. Die Bewohner haben sich in der Vergangenheit gerne Menschen als Mahl auf der Zunge zergehen lassen. Aber nicht etwa aus niederen Beweggründen. Sondern sie wollten die Lebenskraft der Opfer in sich aufnehmen. Freilich ist der Kannibalismus heute verboten. Die Gruppe nimmt zur Kenntnis, dass die Männer einen ausgehöhlten Kürbis als Penisschutz tragen, worauf sie aber lieber verzichten.

Zu guter Letzt unternimmt der Autor noch eine Karibikkreuzfahrt auf der Aida. Dort trifft er vorwiegend auf hochhackige Schuhe und kniefreie Kleider und Bundfaltenhosenhochträger. Am Büfett findet die steife Stimmung ein Ende. Und ans Ausschlafen ist zunächst nicht zu denken, weil eine Seenotrettungsübung abgehalten wird. Am Pool geht der Kampf um die Liegen los und schließlich erwischt er sich dabei, wie er die Stunden bis zum Ende der Kreuzfahrt zählt.

Als Reisetipps stellt Mikka Bender in den entsprechenden Abschnitten ein privates Dinner dem All-in gegenüber und gibt Tipps zum Feilschen auf einem Basar. Wir erfahren, dass ein typischer Deutscher Reiseeindrücke sammelt und sie später auf HolidayCheck ins Netz stellt. Weiter wissen wir jetzt, welchen Tests wir einen Reisebüromitarbeiter unterziehen sollten und wie wir die Sprache der Reisekataloge richtig übersetzen. Der Autor stellt die Unterschiede einer Messe bei uns und in der Karibik heraus und geht der Frage nach, wann ein Berg als klein, wann als groß oder sehr groß gilt. Wir bekommen Verhaltensregeln für die Wüste aufgelistet und erfahren, wie man rund um den Globus joggt.

Mikka Bender lässt in Is Nebensaison, da wird nicht mehr geputzt es sicher nicht an einer gehörigen Portion Sarkasmus fehlen und einige Tipps sind überzogen dargestellt und haben satirischen Charakter. Trotz allem ist der wahre Kern nicht zu übersehen. Bevor man sich also auf eine Reise begibt, würde sich ein Blick in die Insider-Tipps lohnen, um vor bösen Überraschungen gefeit zu sein.

Mikka Bender, Is Nebensaison, da wird nicht mehr geputzt, Rowohlt Verlag 2011, Taschenbuch, 240 Seiten, ISBN 978-3-499-62749-1, Preis: 8,99 Euro.

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5 Gedanken zu “Is Nebensaison, da wird nicht mehr geputzt von Mikka Bender

  1. Ich habe viele Jahre Urlaub im Virgental gemacht, genauer gesagt auf dem Bichl, der dem Talschluss Hinterbichl vorgelagert ist. Die nicht von Touristen übervölkerte Bergregion schließt man entweder in sein Herz und kommt wie der Autor immer wieder an diesen Ort, oder man kommt nie wieder. Den ersten eher langweiligen Aufstieg zur Johannishütte kann man sich sparen und das Venedigertaxi in Anspruch nehmen. Von da führt ein „Weg“ durch alpines Gelände zum Defreggerhaus. Das Matratzenlager hat sicher nicht den höchsten Beliebtheitsgrad, aber wie sollen die vielen Gipfelstürmer sonst untergebracht werden? Der Abend auf der Hütte kann aber zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Da mag sich manch ein Gast darüber beschweren, dass es zu vorgerückter Stunde keine Knödel mehr gibt. Wobei er froh sein sollte, wenn ihm überhaupt noch etwas vorgesetzt werden kann, was seinen Hunger stillt. Und wenn gute Kontakte zum Personal noch eine private Zusammenkunft nach der allgemein einzuhaltenden Hüttennachtruhe ermöglichen, nimmt man ein paar Unannehmlichkeiten gerne in Kauf! Der Aufstieg auf den Großvenediger ist dann wegen der Gletscherspalten nur in einer Seilschaft möglich und man schließt sich in aller Regel einem Bergführer an. Der Aus- und Rundumblick entschädigt dann für alle Strapazen!

  2. Das Buch klingt ja wirklich interessant. War selbst auch schon einmal im Everest View Hotel und fands sehr schön und abenteuerlich da.

  3. Hallo Reinhardt,
    das Buch klingt nicht nur interessant, es ist es auch! Mikka Bender hat eine schöne Auswahl getroffen und macht den Leser neugierig auf einige Ziele, währenddessen man um andere Ziele nach der Lektüre lieber einen Bogen macht.
    LG Beatrix

  4. Ein unterhaltsames Buch und die perfekte Urlaubslektüre für Leute, die ihren Urlaub lieber auf dem Balkon verbringen. Ich habe mich köstlich amüsiert! Neben humorvollen Reisegeschichten findet man auch jede Menge nützliche Hinweise.

  5. Ja da ist was dran: Den ein oder anderen mögen die schlechten Beispiele abschrecken. Aber wie du selbst feststellen konntest, gibt Mikka Bender auch Tipps, damit der Urlaub nicht “ins Wasser fällt”.

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