Dr. med. Michael Nehls hat ein Studium der Humanmedizin absolviert und hat sich in Molekulargenetik habilitiert. Er hat als Forschungsleiter an Universitäten und biopharmazeu-tischen Unternehmen in Deutschland und in den USA gearbeitet und zahlreiche Publikationen und Patentschriften verfasst. Außerdem war er Vorstandsvorsitzender eines biopharma-zeutischen Unternehmens. 2009 erschien sein erstes Buch Race Across America, in dem er von seinen Erfahrungen beim weltweit härtesten Ausdauerwettkampf berichtet. Nun ist sein zweites Werk Die Methusalem-Strategie erschienen.

Herr Dr. Nehls, in Ihrem jüngsten Buch Die Methusalem-Strategie stellen Sie die Behauptung auf, dass wir Menschen viel zu früh sterben und darüber hinaus auch noch während der letzten Lebensjahre unnötigerweise an chronischen Krankheiten leiden. Das sagt nicht etwa ein Laie, der mit einer provozierenden Behauptung Aufmerksamkeit erregen will. Sondern als promovierter Mediziner und Molekulargenetiker kann man Ihnen das Fachwissen hier nicht absprechen. Wie wird dieses Thema denn in der Fachwelt, unter Kollegen, gehandelt? Finden Sie da Fürsprecher oder werden Sie eher belächelt?

Die Fachwelt weiß, dass wir mit jedem Lebensjahr, das wir statistisch älter werden, ein Jahr mehr an chronischen Krankheiten leiden.
Was die Welt der Experten jedoch in eine große und eine kleine Fraktion teilt, ist vielmehr die Frage, wie wir unser Lebenspotential, das deutlich über hundert Jahren liegt, besser ausschöpfen können. Die Mehrheit plädiert für mehr Forschung, um irgendwann mit besseren Therapien das erreichbare Durchschnittsalter weiter anzuheben. Sie sorgt sich dabei zu Recht über die Kosten, aber viel zu wenig um die eigentlichen Konsequenzen für die damit zu chronischen Krankheiten verurteilte Masse.
Wie ich in meinem Buch anhand der Erkenntnisse an einem recht simplen Geschöpf wie dem Fadenwurm leicht erkläre, kann es in absehbarer Zeit wirkungsvolle Medikamente ohne Nebenwirkungen geben. Falls es überhaupt jemals Therapien für die so genannten kulturbedingten Krankheiten wie Arteriosklerose, Alzheimer oder Depressionen geben wird, so wird durch medizinische Hilfe vorübergehend der Teufel mit dem Beelzebub vertrieben. Allerdings ist die Methusalem-Strategie eine Denk- und Handlungsalternative, die es uns erlaubt, ein hohes Alter erreichen zu können – ganz ohne Medikamente.

Ganz ohne Medikamente – ein erstrebenswertes Ziel! Obwohl die Pharmaindustrie an der Umsetzung dieses Zieles sicher nicht mitwirken möchte. Aber das Thema müsste ja eigentlich jeden von uns alarmieren und wachrütteln, denn wer möchte nicht alt werden und dazu noch bei bester Gesundheit? Was glauben Sie, woran es liegt, dass Ihr Buch nicht einen Spitzenplatz in den Bestsellerlisten einnimmt? Warum weckt es nicht ebenso wie der Unsinn von Charlotte Roche das Interesse der Leser?

Das Wissen darüber, wie dieses Dilemma – der Wunsch ein hohes Alter zu erreichen und die berechtigte Angst vor zunehmendem Leiden – gelöst werden könnte, ist heute schon vorhanden. Die Erklärung, weshalb wir uns trotz dieses besseren Wissens nur selten weise verhalten, um dieses Dilemma zu lösen, findet sich im ersten Teil der Methusalem-Strategie. Sie basiert auf der Lösung des Rätsels, was zuerst existierte, das Huhn oder das Ei. Mehr möchte ich hier nicht verraten. Wer dies jedoch verstanden hat, wird anders über das Leben und sein Tun nachdenken.\r\nLeben ist das Mittel genetischer Information sich zu vervielfältigen. Lebewesen sind daher ein Mittel zum Zweck dieses Prozesses. Dass sich Sex gut verkauft, ist eine erste logische Konsequenz aus dieser Tatsache. Dazu kommt, dass die Vorstellung eines freien Willens, wie er auf unserem jüdisch-christlichen Kulturgut beruht, aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar ist. Daher stellt sich die Frage, wenn wir uns nicht frei entscheiden, woher kommen unsere Motive? Aber nicht nur unser genetisches Erbe beeinflusst unser Denken und Handeln wie das Kaufen eines „Roche“-Romans, sondern auch unser kulturelles Erbe, wie Traditionen, Erziehung und auch die Werbeinformation unserer Konsumgesellschaft.
Dabei achten wir als soziales Wesen sehr darauf, nicht aus der Reihe zu tanzen und uns gruppenkonform zu verhalten. Dazu gehört, weder sich, noch das Tun der Gruppe, oder auch die scheinbare Normalität, in die wir hinein erzogen werden, zu hinterfragen. Mein Buch ruft jedoch gerade dazu auf. Wir dürfen das Fragenstellen nicht an irgendwelche Philosophen delegieren! Wer die Methusalem-Strategie liest, wird die Welt mit anderen Augen sehen – wie von einem hohen Berg aus. Den erkenntnisreichen Aufstieg muss man allerdings selbst gemacht haben, und das ist ein wenig anstrengend – aber lohnt sich! Die Welt besser verstehen zu lernen, ist an sich schon lohnenswert, aber in diesem Fall können die Erkenntnisse enormen Einfluss auf das persönliche Wohlergehen haben und einige gesunde Lebensjahre gewinnen helfen.

Da mögen Sie nicht falsch liegen. Dass nämlich der Weg zur Erkenntnis oft anstrengend ist und deshalb nicht immer gegangen wird. Aber die, die es dann doch wagen, werden wie der Bergwanderer belohnt! Wer, glauben Sie, greift zu Ihrem Buch? Sind es eher die Menschen, die sowieso schon diesen Gedanken anhängen und hier nur eine Bestätigung gesucht haben? Oder hoffen Sie, eine noch völlig ahnungslose Klientel für dieses Thema sensibilisieren zu können?

Diejenigen, die Bestätigung suchen, werden sie finden, aber vermutlich auf eine Weise, die sie teilweise sehr überraschen wird. Andererseits weiß ich, dass viele, die das Buch völlig unvoreingenommen gelesen haben, enorm für diese neuen Themen sensibilisiert wurden. Auch in meinen Vorträgen, wenn ich grundlegende Beispiele aus der modernen Forschung in Laiensprache übersetze, ist das Entsetzen oft groß, dass den Zuhörern diese wichtigen und lebensverändernden Erkenntnisse bis zu diesem Zeitpunkt vorenthalten wurden. Ich habe jetzt schon in der kurzen Zeit, seit das Buch auf dem Markt ist, beeindruckende Wirkungen bei Lesern beobachten können.

Das dürfte Ihnen sicher viel Bestätigung gegeben haben und mag Ansporn sein, auf diesem Weg weiter zu gehen. Und damit haben Sie selbst schon die Überleitung zu meiner nächsten Frage bereitet, was Sie denn nun eigentlich dazu bewogen hat, ausschließlich als Autor und Filmproduzent zu leben. Immerhin haben Sie, wie Ihrer Homepage entnommen werden kann, als Forschungsleiter an Universitäten in Deutschland und den USA gearbeitet und diese Tätigkeiten aufgegeben.

Die Grundlagenforschung hat mir immer Freude bereitet, auch wenn es ein sehr harter Wettkampf ist, immer der erste sein zu müssen, der in einem bestimmten Bereich eine wissenschaftliche Entdeckung macht. Aufgrund des Erfolges meiner Teams wurde ich sehr bald auch Vorstandsvorsitzender eines biopharmazeutischen Unternehmens mit der Zielsetzung, unseren technologischen Vorsprung zur Entdeckung neuer Medikamente zu nutzen. Auch hier ging es vielversprechend voran – nur nicht für mich, denn ich war auf dem „normalen“ Weg, selbst schon bald Konsument dieser Therapien zu werden. Ich erkannte eines Tages, dass der langfristige Erfolg der Firma davon abhängig war, ob ich ebenso langfristig meine Gesundheit und Leistungsfähigkeit erhalten würde. Ich stellte mein Leben bewusst um, und mein Arzt meinte schon kurze Zeit danach, ich wäre in einen Jungbrunnen gefallen. Als ich erkannte, wie einfach es tatsächlich ist, die Weichen in eine völlig andere Richtung zu stellen, formulierte sich so nach und nach mein gesamtes Tun in der Frage: Wieso entwickeln wir Medikamente für Krankheiten, die es eigentlich gar nicht geben dürfte? Nach einigen Jahren weiteren Erforschens der daran angeschlossenen Frage, weshalb mir selbst und der Mehrheit der Menschen dieses an sich „Leichte“ so schwer fällt, habe ich mich entschlossen, meine gefundenen, zum Teil verblüffenden Antworten auf verschiedenen Wegen anderen zugänglich zu machen.

Wie stand denn Ihre Familie diesem Wechsel gegenüber? Immerhin steht hier doch die finanzielle Absicherung eher auf wackeligen Füßen.

Meine Frau und unsere Kinder haben meine Entscheidung immer unterstützt. Sie wurde nicht ad hoc gefällt, sondern ergab sich in einem mehrjährigen Reifungsprozess, der uns somit die Zeit zu vielen Gesprächen gab. Ich bin mir im Nachhinein nicht einmal mehr sicher, ob ich tatsächlich selbst entschied oder ob dieser Schritt nicht das Resultat aus den vielen Gedanken war, die wir miteinander austauschten. Irgendwann fühlte es sich einfach logisch und richtig an. Ich habe diese Entscheidung übrigens nie bereut, ebenso wenig wie meine Familie.

Ohne die Unterstützung in der Familie würden solche Projekte wahrscheinlich auch zum Scheitern verurteilt sein.
Verraten Sie dem Leser zum Schluss noch, was Ihr nächstes Projekt sein wird? Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es um Informationen, die die Basis allen Seins sind und dass sich das viele Menschen nicht eingestehen können. Selbst dann nicht oder gerade deshalb nicht, wenn sie die modernen Erkenntnisse und Theorien aus der Physik und Bewusstseinsforschung kennen würden.

Es macht mir immer viel Freude, Fragen zu stellen und neugierig in die Welt zu schauen. Ebenso gerne gebe ich meine Erkenntnisse weiter, in Gesprächen, in wissenschaftlichen Abhandlungen, Sachbüchern und auch in Filmen. Wissen ist Macht, und wenn wir es mit Selbstverantwortung und Demokratie ernst nehmen, dürfen wir entscheidendes Wissen nicht intellektuellen Minderheiten, den Entscheidern in Konzernen oder den Beratern von Politikern überlassen. Um mehr Menschen zu erreichen, versuche ich als nächstes einen philosophisch-wissenschaftlichen Thriller zu schreiben. Für mich eine vollkommen neue Herausforderung, für die Leser – so hoffe ich – dann eine spannende Reise auf mehreren Ebenen in eine für sie neue Welt, die jedoch tatsächlich noch immer die unsere ist.

Ich danke Ihnen für die Bereitschaft und vor allem die Zeit, die Sie sich genommen haben. Auf Ihren Thriller, mit dem Sie Neuland betreten, sind sicher schon viele Leser gespannt und so bleibt mir nur noch, Ihnen für Ihre weiteren Recherchen und Ihr nächstes Buch viel Erfolg und eine hoffentlich breite Leserschaft zu wünschen.

Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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