Der Roman Immer wieder das Meer von Nataša Dragnić zeichnet die Lebenswege von drei Schwestern aus Piombiono in der Toscana nach. Die 18-jährige Roberta Alessi ist im Jahr 1984 mit Marcello verlobt, verliebt sich jedoch in Florenz in den aus Lucca stammenden Dichter Alessandro Lang. Die beiden führen eine Fernbeziehung und Alessandro meldet sich selten. Als er Roberta nach sechs Jahren immer noch nicht heiraten will, schneidet sie sich aus Enttäuschung selbst die langen Haare und beendet das Verlöbnis. Ihre um eineinhalb Jahre jüngere Schwester Lucia hat zwar mit ihren 22 Jahren Fabio als Freund, ist aber trotzdem sexuellen Abenteuern nicht abgeneigt. Immer, wenn Alessandro in Florenz ist, treffen sie sich, allerdings vorerst rein freundschaftlich, wobei sie ihm ihren wahren Namen verschweigt.

Im Jahr 1995 lebt und arbeitet Nannina, mit 19 Jahren die jüngste der drei Schwestern, in München und lernt Georg kennen, der allerdings verheiratet ist. Roberta hat nach ihrem Medizinstudium eine Stelle in den Vereinigten Staaten angenommen, da sie ein Verhältnis zwischen Alessandro und Lucia vermutet. Drei Jahre später findet sie in dem Psychologen Bradley einen festen Freund. Lucia trifft als Leiterin einer Investmentabteilung ihren früheren Freund Fabio wieder, der inzwischen verheiratet ist. Sowohl mit Fabio als auch mit Alessandro, den sie immer wieder besucht, unterhält die 30-jährige Lucia eine intime Beziehung. Während Nannina die Ausreden von Georg, warum er sich nicht scheiden lassen kann, leid ist und die Beziehung beendet, trifft sie Alessandro zufällig auf einer seiner Lesungen. So wird auch sie eine seiner Geliebten. Roberta heiratet Bradley und hat eine erste Fehlgeburt. In Rom begegnet Lucia im Jahr 2001 Alessandro und kann nicht von ihm lassen. Drei Jahre später trifft sie jedoch Fabio wieder, der mittlerweile Familienvater ist. Und Nannina bekommt sowohl ein Kind, als auch einen Heiratsantrag, allerdings nicht vom frischgebackenen Vater.

Nataša Dragnić erzählt den Roman Immer wieder das Meer mit herrlichen Verwicklungen im Präteritum, wechselt allerdings in eingeschobenen Kapiteln in die Ich-Form und ins Präsens. So erfährt der Leser schon auf der ersten Seite, dass eine der drei Schwestern Alessandro heiraten wird. Nur verrät die Autorin erst am Ende, wer sich hinter dieser „Ich-Erzählerin“ verbirgt. Häufig wechselt Nataša Dragnić nach einem Absatz von einer zur anderen Schwester, was beim Leser im Zusammenhang mit Alessandro schnell zu Verwechslungen führen kann. An einigen Passagen sieht es so aus, dass die ganze Familie einschließlich der Eltern Niccolò und Erika sowie Großmutter Virna und Tante Damiana ein Irrenhaus ist, was aber durchaus zum heiteren Lesevergnügen und einer amüsanten Belustigung beiträgt. Die Rolle des Dichters Alessandro bleibt den drei Schwestern und damit auch seiner späteren Braut genau so unklar wie dem Leser. Bei seiner ersten Geliebten Roberta gibt er sich als Jazzliebhaber aus, bei Lucia hört er gerne die Rolling Stones und bei Nannina liebt er plötzlich die klassische Musik, womit er die Vorlieben seiner Geliebten bedient. Dass er über viele Jahre wechselnde Beziehungen zu den drei Schwestern unterhält, ist eher ungewöhnlich. Dass die aber Immer wieder das Meer sehen wollen, verwundert weniger und auch nicht, dass der Leser das Buch, das ihm die herrliche Landschaft der Toscana näher bringt, ungern aus der Hand legt.

Nataša Dragnić, Immer wieder das Meer, Deutsche Verlags Anstalt 2013, Hardcover mit Schutzumschlag, 368 Seiten, ISBN 978-3-421-04582-9, Preis: 19,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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