Immer noch wach von Fabian Neidhardt

Immer noch wachAlex Fink ist dreißig Jahre alt und hat erst kürzlich mit seinem besten Freund Bene, den er seit der Kindheit kennt, das vegane Café „Türrahmen“ eröffnet. Das Leben könnte so schön sein, denn in Lisa hat er eine zuverlässige Lebenspartnerin gefunden. Doch immer öfter quälen ihn Kopfschmerzen, er ist abgeschlagen und müde, leidet an Übelkeit. Alex geht zu Dr. Münchenberg, der eine Reihe von Untersuchungen veranlasst. Der Arzt teilt seinem Patienten mit, dass er an einem unheilbaren Karzinom leidet. Wie schon bei seinem Vater lautet auch bei Alex die Diagnose Magenkrebs. Dr. Münchenberg macht ihm wenig Hoffnung, allenfalls bleiben ihm vier Monate, in denen er noch sein Leben genießen kann. Eine Operation könne lediglich den Tod hinauszögern, ansonsten bleibt nur eine palliative Behandlung, bei der die Schmerzen gelindert werden.

Alex ist fest entschlossen, die ihm verbleibende Zeit mit Lisa und Bene zu verbringen. Weitere Untersuchungen oder gar eine Operation lehnt er mit der Begründung ab, dass dadurch lediglich sein Leiden verlängert würde und er sowieso die meiste Zeit davon im Krankenhaus verbringen müsste. Er will sich noch von ihm liebgewordenen Menschen verabschieden und eine Abschiedsparty geben. Als die Zeit näher rückt, in der es ihm aller Wahrscheinlichkeit nach immer schlechter gehen wird, lehnt er Lisas Vorschlag ab, ihn zu pflegen, weil er sich noch gut an das Siechtum seines Vaters erinnert, was er ihr ersparen möchte. Sie soll ihn wie sein Freund Bene so in Erinnerung behalten, wie er als gesunder Mensch war. So fasst Alex den Entschluss, in ein Hospiz zu ziehen, von dem nur er den Ort kennt. Er verabschiedet sich, erreicht Haus Leerwaldt und stellt eines Tages fest, dass er „Immer noch wach“ ist.

Der Roman von Fabian Neidhardt beginnt mit einer Szene, in der Alex mit einem Auto zum Hospiz gebracht wird. Die nicht chronologisch aufeinander folgenden Begebenheiten erzählt der Protagonist in der Ich-Form: Er erinnert sich an seine Kindheit, die Krankheit seines Vaters und wie er eine mehrwöchige Tour mit Bene durch Deutschland gemacht hat. Gemeinsam haben sie ein Festival besucht, auf dem sie Lisa kennengelernt haben, die später in ihre WG gezogen ist und letztlich nur mit Alex in der Wohnung verblieb. Weiterhin erinnert er sich an die Planung zur Eröffnung des Cafés, auf die schon bald ein „Ziehen im Magen“, ein erstes Krankheitssymptom, folgen sollte.

Fabian Neidhardt macht in seinem Roman „Immer noch wach“ auf einfühlsame Weise deutlich, dass nicht nur ein Todgeweihter Angst hat, sondern auch die, deren Leben nach dessen Tod ohne ihn weitergehen muss. So leiden auch Bene und Lisa unter ihrer Hilflosigkeit und wollen zunächst nicht akzeptieren, dass Alex sich in ein Hospiz zurückziehen will, um dort ohne sie zu sterben. Dort freundet er sich mit Kasper an. Alex erfährt von ihm und weiteren sterbenskranken Bewohnern, was sie in ihrem Leben gerne noch gemacht hätten, welche Wünsche sie nicht mehr verwirklichen können. Obwohl der Plot natürlich eine zutiefst traurige Thematik anspricht, ruft die Lektüre keine Depressionen hervor. Ganz im Gegenteil: Der Autor versteht es auf eindringliche Weise, den Leser an das Thema zu fesseln und dass er sich mit der Problematik gedanklich auseinandersetzt. Vielleicht gelingt es dem ein oder anderen nach der interessanten und wendungsreichen Lektüre, sein Leben bewusster zu leben und damit mehr genießen zu können.

Immer noch wach von Fabian Neidhardt

Immer noch wach
Haymon Verlag 2021
Hardcover
268 Seiten
ISBN 978-3-7099-8118-4

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Bildquelle: Haymon Verlag
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