Ich werde fliegen von Dana Czapnik

Ich werde fliegenLucy Skywalker ist siebzehn Jahre alt, jüdisch-italienischer Abstammung und besucht eine Highschool in New York. Was Ihr Äußeres anbelangt, hat sie Minderwertigkeitskomplexe, sie trägt ausschließlich Männerhosen, weshalb sie von vielen für lesbisch gehalten wird, und ist eine hervorragende Basketballspielerin. Von frühester Kindheit an hat sie mit Percy, in den sie verliebt ist, gemeinsam in einem Team gespielt. Doch seit in seinem Rucksack „Gras“ gefunden wurde und er die Schule wechseln musste, besucht jeder nur noch die Spiele des anderen.

Eines Tages besucht Lucy mit Freunden einen Club, für den sie sich extra schminken lässt, ein Kleid anzieht und ihre Haare offen trägt. Zum ersten Mal schluckt sie eine Ecstasy Pille und küsst auf der Tanzfläche einen ihr bis dahin fremden Jungen, was Percy missfällt, obwohl er selbst ein Mädchen nach dem anderen „flachlegt“ und daraus auch keinen Hehl macht. Als sie mit Percy alleine ist, wird sie von ihm auf recht unromantische Weise entjungfert und bleibt enttäuscht zurück. Auch auf dem Abschlussball sieht sie Percy wieder in den Armen einer anderen und will deshalb nicht länger bleiben.

Der Jugendroman Ich werde fliegen von Dana Czapnik umfasst die Jahre 1993 und 1994. Es wechseln völlig unbedeutende und langatmige Fragmente mit kritischen Aussagen, zu denen beispielsweise die unterdrückende Herrschaft der Engländer als Kolonisten zählt oder auch, dass im Hudson River kein biologisches Leben mehr vorhanden ist. Mit Percy unterhält sich Lucy über den Vietnamkrieg, weil seine Familie in ein Unternehmen investierte, das Agent Orange produziert hat. Die Explosion der Challenger wird thematisiert und interessante Gespräche über Simone de Beauvoir sowie über die Relativitätstheorie werden geführt, die allerdings für die vom Verlag empfohlene Altersgruppe von vierzehn bis siebzehn Jahren zu philosophisch sein dürften: In dem Zusammenhang wird Zeit, die objektiv gesehen gar nicht existiert, als ein menschliches Konstrukt gesehen. Leser dieser Altersgruppe dürften auch kaum Interesse an einer philosophischen Abhandlung über Suizidmethoden zeigen.

Joints und Kiffen dominieren den Plot. Lucy erinnert sich, wie sie mit Percy vor einem Jahr drei Bongs geraucht hat, wobei vermutlich nicht jeder weiß, dass es sich dabei um eine Wasserpfeife handelt. Eine Handlungsperson „zieht Sahnekapseln“, ein angesagter Trend, bei dem Lachgas als ein Inhaltsstoff der Sahnekapseln inhaliert wird. Kaum jemandem dürfte ein Rape-Room für einen Raum, in dem Vergewaltigungen stattfinden, ein Begriff sein, oder das für Magenverstimmungen bestimmte Liquid Pepto Bismol. Zumindest Basketballer wissen, was mit Alley Oop, nämlich ein Bewegungsablauf gemeint ist, dagegen sind die Green Dragons in Deutschland wahrscheinlich kaum bekannt. Dasselbe gilt für die genannten Leckereien Starburst und Teddy Graham. Die Liste der unbekannten Wörter ließe sich neben Disneys lebensgroßer TinkerBell noch um eine Vielzahl erweitern.

Wenn Lucy sich ihr Mittagessen bei Burger King besorgen muss, sie sich Pizza holt, Pommes bestellt und selbst zu Hause von ihrer Mutter nur einen Veggie Burger – vegetarischen Burger – zum Aufwärmen bekommt, hat das sicherlich keine Vorbildfunktion für jugendliche Leser, auch wenn das die übliche Ernährungsweise vieler Amerikaner darstellt. Ob in einem Jugendbuch für Vierzehnjährige in inflationärer Weise von Fickfreundin oder „lutsch mir einen, bis du kotzen musst, du Schlampe“ die Rede sein muss, bleibt dahingestellt. Empfohlen werden kann der Roman Ich werde fliegen von Dana Czapnik leider niemandem, da er überwiegend uninteressante und belanglose Passagen enthält und weder lustig noch spannend geschrieben ist.

Bildquelle: Heyne Verlag

Ich werde fliegen von Dana Czapnik

Ich werde fliegen
Heyne Verlag 2019
Hardcover mit Schutzumschlag
368 Seiten
ISBN 978-3-453-27203-3

Preis: 17,00 Euro

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