Wer eine Einladung zu einer Feier bekommt und sich denkt Ich kann da nicht nüchtern hin, erfährt aus dem Buch von Falko Löffler zunächst einmal, was ihm allein schon die Form der Einladung über die geplante Festlichkeit verraten kann. Je nach gewähltem Veranstaltungsort werden andere Erwartungen an den Gast gestellt, und natürlich gibt der Gastgeber mit der Auswahl der Dekoration auch einiges über die Absichten der Feier preis. Der Leser erhält Tipps, wie er sich angemessen kleiden kann, zu Gesprächsthemen und auch, welche Krankheiten er vortäuschen muss, falls er der Feier lieber fern bleiben möchte.

Besonderes Augenmerk legt der Autor auf Einladungen zu einem runden Geburtstag, wobei er jedem Jahrzehnt ein eigenes Kapitel widmet, da es eigene Besonderheiten aufweist. Das Buch gibt Antworten auf die Frage, wie eine Verlobung, ein Junggesellenabschied oder eine Hochzeit gefeiert wird, wobei natürlich auch die Themenhochzeiten und Hochzeitsspiele nicht ausgespart werden. Wer sich über Nachwuchs freuen durfte, erfährt, was bei einem Kindergeburtstag zu bedenken gilt und welche Unterschiede es bei der Planung vom ersten bis zum zwölften Geburtstag zu beachten gibt. Schließlich widmet sich Falko Löffler möglichen Abläufen der Weihnachtstage, dem alljährlich stattfindenden Wahnsinn zu Silvester und hebt Unterschiede zum Osterfest heraus, bei denen immer ein plötzlich vorgetäuschter Nervenzusammenbruch oder Schwächeanfall hilfreich sein kann. Zum Schluss erhält der Leser noch Verhaltensregeln für den Fall, dass er einer Beerdigung beiwohnen soll und sogar, welche Vorsorgen er für sein eigenes Ableben treffen kann.

Die Tipps und Ratschläge, die Falko Löffler in seinem Buch Ich kann da nicht nüchtern hin gibt, sind nicht ernst zu nehmen. Vielmehr handelt es sich um eine Satire mit makabren Zügen. In flüssigem Schreibstil verfasst, erwarten den Leser interessante Wortspiele, wie beispielsweise, dass manch einer in der Silvesternacht wenig Blut im Alkohol hat. Das Weihnachtsfest nennt der Autor bereits in einer Überschrift ein Fest der Lüge, und kritisch merkt er an, dass die Taufe in der Regel zu einem Zeitpunkt erfolgt, zu dem die Kleinen noch keinen Protest einräumen können.

So sehr die einzelnen Empfehlungen auch deutlich überzogen sind, so trifft das ausnahmsweise nicht auf die Anmerkungen zu den Kindergeburtstagen zu, die durchaus nicht als realitätsfremd eingestuft werden können, was aber auch ein Hinweis darauf ist, dass Falko Löffler in diesem Punkt offensichtlich aus eigener, leidgeprüfter Erfahrung als Vater spricht. Das Buch punktet durchaus mit Witz und intelligenten Einfällen, doch in der Summe wirkt es überladen und ermüdet auf Dauer den Leser. Wenn man jedoch die Kapitel in Raten liest und diese Art von überzogenem Humor mag, wird man sich zumindest bei einer nächsten Party an den einen oder anderen Gag erinnern und darüber schmunzeln.

Falko Löffler, Ich kann da nicht nüchtern hin, Goldmann Verlag 2014, Taschenbuch, 256 Seiten, ISBN 978-3-442-15843-0, Preis: 8,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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