Mit Hexengold setzt Heidi Rehn die Geschichte um Magdalena, deren Schicksal mit „Die Wundärztin“ begann, fort. Der Dreißigjährige Krieg ist mittlerweile seit zehn Jahren vorbei. Die Protagonistin Magdalena hat sich mit ihrem Eric und der gemeinsamen Tochter Carlotta in Frankfurt niedergelassen, wo Eric als Kaufmann arbeitet. Plötzlich kehrt Eric jedoch von einer Reise nicht zurück. Magdalena muss erfahren, dass er ihr etwas über ihre verschollene Familie in Königsberg verschwieg und ihr ein falsches Reiseziel angegeben hat. Magdalenas Welt bricht zusammen. Plötzlich steht sie mittellos da und fürchtet, dass ihr gemeinsames Leben nur auf Lügen basiert. Daraufhin bricht sie nach Königsberg auf und kommt dort nicht nur ihrem Familiengeheimnis, sondern auch Erics Vergangenheit auf die Spur.

Wie schon in Die Wundärztin gelingt es Heidi Rehn, den Leser mit dem Schicksal der schönen und tapferen Ärztin Magdalena in den Bann zu ziehen. Es ist eine bewegte Epoche, in der die Handlung spielt – die Leiden des Krieges sind noch allgegenwärtig, Frauen haben wenig zu sagen. Natürlich ist Magdalena für ihre Zeit eine Art Vorreiterin, aber erfreulicherweise wird sie nie zu modern dargestellt. Sie ist bemüht, eine gute Ehefrau zu sein und möchte gar nicht mit allen Mitteln aus ihrem Leben ausbrechen, wie man es sonst so oft bei Frauenfiguren in historischen Romanen erlebt. Vielfältig und überzeugend sind auch die restlichen Charaktere – die pfiffige Carlotta mit ihrem Dickkopf, der geheimnisvolle Eric mit der undurchschaubaren Vergangenheit, die komplizierte Adelaide, die Ehefrau von Erics verstorbenem Cousin, die nach dem Tod ihres Mannes bei Magdalena einzieht und für viele Konflikte sorgt. Gelungen bei Adelaide ist vor allem der Prozess den sie während der Lektüre des Buches durchmacht. Erscheint sie zu Beginn unsympathisch, lernt man nach und nach ihre Beweggründe kennen und versteht sie. Adelaide zeigt liebenswerte Züge.

Der Wälzer mit seinen über 750 Seiten braucht ein bisschen, um in die Gänge zu kommen, vor allem sprachlich fallen anfangs ein paar hölzerne, klischeehafte Formulierungen und Wiederholungen auf. Das gibt sich jedoch rasch und der Leser ist gefesselt von der abwechslungsreichen Handlung, die trotz des Umfangs nicht langweilig wird. Der Ausgang ist ungewiss und man leidet automatisch mit dem Schicksal Magdalenas, die authentisch handelt und sich damit ideal als Identifikationsfigur erweist. Mit Magdalena lässt es sich lachen und weinen, hoffen und freuen. Wem Die Wundärztin gefallen hat, der kann bei Hexengold ohne Zögern erneut zugreifen. Allerdings lässt sich die Fortsetzung auch ohne Kenntnis des Vorgängers genießen. Dafür sorgen die sorgsam eingeflochtenen Rückblenden, die alles Nötige aus dem ersten Band erklären. Überzeugend ist auch die Recherchearbeit, ganz besonders, was Natur, Ortschaften und Umgebung betrifft. Heidi Rehn schildert anschaulich Magdalenas Reiseweg von Frankfurt über Sachsen und Polen bis hin nach Königsberg. Sehr schön für historisch Interessierte ist auch das Nachwort, in dem die Autorin Informationen zur Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg angibt. In einem Glossar werden zudem spezielle Begriffe erläutert. Alles in allem ist der zweite Teil der Wundärztin-Trilogie ein sehr gelungener und empfehlenswerter Historienroman, der seine Leser überzeugend ins 17. Jahrhundert versetzt.

Heidi Rehn, Hexengold, Knaur Verlag 2011, Taschenbuch, 752 Seiten, ISBN 978-3-426-50544-1, Preis: 9,99 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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