Charlotte und Nils feiern ihren dreijährigen Jahrestag. Während Charlotte von ihrem einfallslosen Geschenk enttäuscht ist, hat sie sich für Nils etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Ein Wochenende in London inklusive Konzertkarten. Die Vorfreude hält jedoch nur solange an, bis Nils klar wird, dass ausgerechnet zu diesem Termin die Kölner Rockwoche stattfindet. Da ist eine Auseinandersetzung vorprogrammiert. Charlotte, die sich schon Hoffnungen auf eine dauerhafte Beziehung gemacht hatte, fühlt sich von Nils zunehmend vernachlässigt und unverstanden. Die meisten Samstagabende sitzt sie alleine zu Hause, weil für Nils nur seine Band und sein Schlagzeug zählen. Für ihren Beruf als Hebamme interessiert er sich dagegen überhaupt nicht und hört nicht einmal richtig zu, wenn sie ihm etwas zu sagen hat.

Als einzigen Ausweg sieht Charlotte nur noch eine Trennung. Für Nils, der darunter leidet, zählt von nun an nur noch, wie er sie zurückgewinnen kann. Da alle Bemühungen fehlschlagen, entschließt er sich eine Ausbildung zum „Hebammerich“ zu machen, um auf diese Weise wenigstens seiner Angebeteten nahe zu sein. Doch wird er im Krankenhaus vom Pech verfolgt und tritt von einem Fettnäpfchen ins nächste, womit er bei Charlotte keine Punkte sammeln kann. Sie ist immer mehr davon überzeugt, dass er ein durchgeknallter Chaot ist. Erst während einer Zugfahrt kommt sie ins Grübeln, als sie zufällig Zeugin eines Streits wird. Unterdessen kann Nils im Kreißsaal die Hebammen mit einer ungewöhnlichen Maßnahme überraschen und weder er, noch Charlotte ahnen, welche Veränderung in ihr Leben tritt.

Katrin Einhorn kann den Leser bereits auf den ersten Seiten ihres Romans Hebammerich mit ihrem flotten und frischen Schreibstil überzeugen. Allein die Szene, die sich gleich zu Beginn in einem Dunkelrestaurant ereignet, strapaziert die Lachmuskeln. Im Wechsel erfährt der Leser vom Gemütszustand der Protagonistin Charlotte, die von ihrem Freund enttäuscht und wütend ist, und von den Problemen, die Nils mit seinen Bandkollegen und geplatzten Auftritten hat.

Die Handlung findet über weite Strecken im Kreißsaal statt, so dass sich Frauen wahrscheinlich eher als Männer für das Buch interessieren. Katrin Einhorn bedient sich in dem Roman des Klischees eines in Ohnmacht fallenden Mannes, der lediglich einer Streifenhörnchengeburt beiwohnt. Doch kommt es der Autorin wohl auch gar nicht auf ein realitätsgetreues Auftreten der Männer im Kreißsaal an, sondern vielmehr darauf, den Leser gut zu unterhalten. Ob harte Schlagzeugklänge wie im Roman bei einer „Sommersprossigen“ tatsächlich den Verlauf einer Geburt günstig beeinflussen können, spielt dabei keine Rolle. Der Roman Hebammerich liest sich flüssig und hat einzig den Spaßfaktor zum Ziel, wobei eine komödiantische Verfilmung das Publikum bestimmt auch begeistern könnte.

Katrin Einhorn, Hebammerich, Deutscher Taschenbuch Verlag 2015, Taschenbuch, 304 Seiten, ISBN 978-3-423-21563-3, Preis: 9,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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