Der Gedanke, dass alles Leben in der Bewegung erstarrt, ist in der Literatur nicht neu, denn schon in dem Märchen Dornröschen ist der Hofstaat in einen schlafähnlichen Zustand verfallen. In dem Kinderbuch Hamish und die Weltstopper lebt der zehnjährige Hamish mit seiner Mutter und seinem Bruder Jimmy in Starkley, Großbritanniens viertlangweiligstem Ort. Die Familie vermisst den Vater, der vor Monaten verschwunden ist und nicht mehr nach Hause kam. Hamish ist von seinem Dad nur eine Uhr, eine Explorer, geblieben. In der Schule wird er von Scratch Tuft und Mole Stunk wegen seiner Chomp-Riegel bedrängt und muss sich außerdem vor Grenville Bile fürchten. Mitten im Unterricht von Mr. Longblather setzt plötzlich eine Pause ein und für Sekunden bleibt die Welt stehen. Niemand, außer Hamish, kann sich mehr bewegen. Als er wieder einmal von seinen Mitschülern bedroht wird, kommt ihm die erneute Pause gerade recht. Hamish stellt fest, dass die Pausen von einem Blitz eingeleitet und immer länger werden. Er nutzt die folgenden Gelegenheiten, um mit einer Vespa durch den Ort zu fahren und sich Leckereien im Süßwarenladen bei Madame Couscous zu holen, den er wegen eines Hausverbots nicht mehr betreten darf.

Inzwischen weiß er, dass in manchen Pausen fürchterliche Monster den Ort bevölkern. Während eines solchen Stillstands macht er die Bekanntschaft von Alice, die ebenfalls nicht erstarrt. Von ihr erfährt er, dass er zu den Pausenwandlern gehört und die Gruselmonster das Ziel verfolgen, die Welt zu zerstören. Auf ihr Konto geht auch das Verschwinden vieler Bewohner, wobei Hamish sofort an seinen Dad denkt. Da die Monster aber für ihr unheilvolles Auftreten nur eine begrenzte Zeit nutzen können, sind sie auf eine exakte Zeitangabe angewiesen. Nur die Turmuhr und die Explorer sind immun gegen den Stillstand, was für ihren Plan von Bedeutung ist. Alice macht Hamish mit weiteren Pausenwandlern bekannt, und die gebildete Pausen-Abwehr-Gang sagt den Monstern und Weltzerstörern den Kampf an.

Die jungen Leser werden in dem Buch Hamish und die Weltstopper teilweise von Hamish direkt angesprochen, obwohl der Erzählstil vorherrscht. Über kleine Gemeinheiten des Protagonisten mögen sie beim Lesen seine Schadenfreude mitempfinden. Anfangs wirkt die Geschichte von Danny Wallace etwas chaotisch und ist gewöhnungsbedürftig, wenn von Muffelfurz, Nasenflöten oder monströsen Horrorbiestern die Rede ist, die auf Requiden genannten Echsenpferdeviechern reiten. Aber dann wird deutlich, dass es letztlich um einen Plan, der eine überlegte Vorgehensweise erfordert, zur Rettung der Welt geht. Den Lesern wird so vermittelt, dass jeglicher Streit für den Weltfrieden vermieden werden sollte, dass Geld nicht alles ist und erst Vergebung den Menschen ausmacht. Sie erfahren, dass man sich in einem Menschen ganz schnell täuschen kann und auch, wie wichtig eine gute Zahnhygiene ist.

Auffallend ist eine Veränderung der Schriftgröße bei den wörtlichen Aussagen, womit die lauten Schimpftiraden hervorgehoben werden. Ebenfalls sind Passagen, bei denen es in der Handlung finster ist, weiß auf schwarzem Hintergrund gedruckt, was das Gruselgefühl verstärkt. Einen wertvollen Beitrag hat auch Jamie Littler mit seinen Illustrationen für das Kinderbuch Hamish und die Weltstopper von Danny Wallace geleistet. Die Spannung steigt zunehmend und nimmt für ein Kinderbuch ein recht hohes Maß an, weshalb das vom Verlag empfohlene Lesealter ab zehn Jahren unbedingt eingehalten werden sollte.

Danny Wallace, Hamish und die Weltstopper, Heyne Verlag 2015, Hardcover, 336 Seiten, ISBN 978-3-453-27007-7, Preis: 14,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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